Prozessbeginn

Frau soll 8-Jährigen wie Sklaven gehalten haben

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Hans H. Nibbrig

Eine Krankenpflegerin aus Spandau soll ihren kleinen Sohn über Monate hinweg misshandelt und sexuell missbraucht haben. Nun beginnt der Prozess.

Der Vorwurf klingt ungeheuerlich. Monatelang soll ein achtjähriger Junge in Spandau von seiner eigenen Mutter und deren Lebensgefährten wie ein Sklave gehalten, immer und immer wieder sexuell missbraucht, erniedrigt und misshandelt worden sein. Das Martyrium, das der Grundschüler nach Bekanntwerden der Vorfälle bei der Polizei schilderte, schockierte selbst hartgesottene Ermittler. Noch größer wurde deren Schock, als herauskam, dass der Achtjährige offenbar nicht das einzige kindliche Opfer des Paares war. Rosemarie K. und Andrew M. (beide 39) kamen in Untersuchungshaft, vom heutigen Dienstag an müssen sich beide vor dem Landgericht Moabit verantworten.

Was die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklageschrift an Vorwürfen zusammengetragen hat, lässt sich kaum wiedergeben. Fast ein Jahr lang, vom Mai 2009 bis März 2010 sollen die Angeklagten an dem Jungen alle nur erdenklichen Sexualpraktiken ausprobiert haben. Ein Opfer reichte ihnen dabei offenbar nicht. Die Staatsanwaltschaft wirft Rosemarie K. und Andrew Mc G. vor, auch eine siebenjährige Schulfreundin des Jungen und eine 14-jährige Nichte der 39-Jährigen vergewaltigt und missbraucht zu haben. Um die Kinder gefügig zu machen, sollen sie ihnen zuvor Beruhigungsmittel verabreicht haben. 60 Fälle schwerster Sexualdelikte an Kindern hat die Staatsanwaltschaft aufgelistet, Rosemarie K. soll dabei die treibende Kraft gewesen sein.

Womöglich wäre das Leiden der Kinder noch endlos weitergegangen, denn lange Zeit schöpfte niemand Verdacht. Die Krankenpflegerin Rosemarie K. galt in ihrem Umfeld als freundliche Nachbarin und fürsorgliche Mutter. Das Grauen, das die Opfer erleben mussten, kam erst ans Licht, als Andrew M. eine Beziehung zu einer weiteren Frau begann. Diese entdeckte zahlreiche Kinderpornos auf dem Computer ihres Liebhabers. Die Angeklagten sollen die Kinder nicht nur missbraucht, sondern ihre teilweise abartigen Sexualpraktiken auch noch gefilmt haben. Ob die Bilder auch ins Internet gestellt wurden, ist noch unklar. Klar ist nach Auffassung der Staatsanwaltschaft hingegen, dass das Paar über Computertechnik verfügte, die es dem Fernfahrer Andrew M. ermöglichte, auch in seiner Abwesenheit über eine Live-Kamera verfolgen zu können, wie sich seine Lebensgefährtin an den minderjährigen Opfern verging.

In ihren Vernehmungen durch die Polizei haben sich die Angeklagten gegenseitig beschuldigt. Ob sie sich in der morgen beginnenden Hauptverhandlung äußern, bleibt abzuwarten. Sollten sie schuldig sein, könnte nur ein umfassendes Geständnis ihre Lage verbessern. Vor allem bei Sexualdelikten werten Richter ein Geständnis, dass den Opfern quälende Befragungen erspart, zugunsten der Angeklagten. Rosemarie K. und Andrew Mc G. drohen im Falle einer Verurteilung mehrjährige Haftstrafen.

Rosemarie K. und Andrew M. sind nicht die einzigen mutmaßlichen Sexualtäter, die sich derzeit in Moabit verantworten müssen. Am Montag begann dort der Prozess gegen einen 46-jährigen Neuköllner. Er soll im vergangenen Jahr in seiner Wohnung über einen Zeitraum von sechs Monaten einen 13 Jahre alten Freund seines Sohnes missbraucht haben. 18 Fälle von schwerem Kindesmissbrauch wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor.

Und seit Donnerstag vergangener Woche steht ein 25-jähriger Schiffsingenieur aus Friedrichsfelde vor Gericht, angeklagt wegen monatelangen schweren sexuellen Missbrauchs seines eigenen, gerade mal zwei Monate alten Sohnes. Der Mann soll sich nicht nur an dem Säugling vergangen, sondern die Taten zudem noch gefilmt und im Internet veröffentlicht haben. Die Gerichtsverhandlungen finden jeweils unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.