Jesuiten

Hilfswerkgründer gesteht sexuellen Missbrauch

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Joachim Fahrun

Er ist bekannt, auf Fotos mit Prominenten zu sehen, die seine Arbeit unterstützen. Denn Pater Bernhard Ehler ist der Gründer des Hilfswerkes "Ärzte für die Dritte Welt". Doch nun hat sich Ehler, der einst auch Lehrer am Berliner Canisius-Kolleg war, zu einem Fall von Kindesmissbrauch bekannt. Als Vorsitzender des Hilfswerkes ist er zurückgetreten.

Der dritte Jesuit, über den in den vergangenen Tagen Vorwürfe wegen des sexuellen Missbrauchs bekannt geworden sind, ist der mit Abstand prominenteste: Pater Bernhard Ehlen, Gründer des Hilfswerkes „Ärzte für die 3. Welt“ mit Sitz in Frankfurt am Main. „Bernhard Ehlen ist mit sofortiger Wirkung als Vorstand zurückgetreten und ist auch nicht mehr Vereinsmitglied“, teilte der Generalsekretär des Hilfswerks, Harald Kischlat mit.

Seit 25 Jahren kümmern sich deutsche Mediziner bei freiwilligen Einsätzen in den Slums von Kalkutta, Manila und anderen Elendszonen der Welt um arme Menschen. Als man am Dienstag erfahren habe, dass der Gründer den Missbrauch in einem Fall gestanden hatte, habe man zunächst die Ärzte und die Sponsoren aus der Wirtschaft informiert, sagte Kischlat. Denn die Unterstützer des von Ehlen gegründeten Organisation sind prominent: Präsidentin des Kuratoriums ist die Tatort-Kommissarin Maria Furtwängler, Mitglied in dem Gremium unter anderem auch der ehemalige Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer. Vor anderthalb Jahren feierten die im Ausland als „German Doctors“ bekannte Organisation in Berlin mit einer Gala ihr 25-jähriges Bestehen.

Nun holt den mit zwei Ehrendoktortiteln und dem Ehrenzeichen der der Deutschen Ärzteschaft ausgezeichneten Priester die Vergangenheit ein. Inzwischen hat er auf Druck des Jesuitenordens Selbstanzeige gestellt. Ehlen wurden in Zusammenhang mit der Welle von Missbrauchsvorwürfen rund um das Berliner Canisius Kolleg von Opfern drei Übergriffe zur Last gelegt. Einen davon hat Ehlen eingeräumt.

In den frühen 70er Jahren war er in Hannover als Jugendseelsorger tätig. Aus dieser Zeit stammt der von ihm gestandene Übergriff. Zuvor hat der heute 70 Jahre alte Ehlen ein Jahr lang als Religionslehrer am Canisius Kolleg gearbeitet, wo er auch sein Abitur abgelegt hatte. Nach seiner Zeit in Hannover lebte er zwar mit den Ordensbrüdern am Canisius Kolleg, war aber nicht offiziell als Lehrer dort tätig. Ehlen war also zu der Zeit am Orte, als auch die beiden anderen Haupttäter des Missbrauchsskandals dort Übergriffe gegen Schüler verübten. „Das war ein netter Mann“, berichten frühere Lehrer über den Pater. 1981 bis 193 arbeitete Ehlen als Jugendseelsorger in Hamburg, ehe er sich seinem Hilfswerk widmete.

Dem Jesuitenorden seien Hinweise auf Vergehen des Priesters seit 2005 bekannt, so der "Ärzte"-Generalsekretär Kischlat. Im Vorstand des Hilfswerkes wurde jedoch nur eine einzige Person informiert, die 2008 das Führungsgremium verlassen habe und am Mittwoch wie Ehlen ebenfalls aus dem Verein ausgetreten sei. Ehlen selbst wurde vom Orden gedrängt, den Vorsitz des Vorstandes und die Geschäftsführung aufzugeben, die 2006 Kischlat übernahm.

Es gebe derzeit keine Hinweise darauf, dass es im Rahmen von Ehlens Tätigkeit für die Ärzte-Organisation zu Übergriffen gekommen ist. Man werde aber alles veranlassen, um diesen Sachverhalt vollständig aufzuklären, teilte die Organisation mit. Der Provinzial der deutschen Jesuiten, Stefan Dartmann, hatte am Dienstagabend die Existenz eines weiteren geständigen Jesuitenpaters eingeräumt. Man sei mit dem Fall gemäß der 2002 geltenden kircheninternen Regeln damit umgegangen. Nachdem er nun am Dienstag den Missbrauch zugegeben habe, sei er vom priesterlichen Dienst suspendiert worden.

Maria Furtwängler, die Präsidentin des Kuratoriums, sagte: „Bei aller Verantwortung für die für den Fortgang unserer Arbeit steht das Mitgefühl mit den Opfern im Mittelpunkt.“

Konferenz aller Schulen des Erzbistum Berlins

Unterdessen hat das Erzbistum Berlin eine umfassende Aufklärung der Fälle angekündigt. Dazu sei am kommenden Dienstag eine außerordentliche Schulleiterkonferenz aller 20 Schulen in Trägerschaft des Erzbistums vorgesehen, bei der über den Sachstand informiert werden soll, teilte das Erzbistum mit. Zudem sollen Maßnahmen zur Vorbeugung von Missbrauchsfällen erörtert werden.

Der Jesuitenorden hatte am gleichen Tag bekanntgegeben, dass er in Berlin gegen einen weiteren Jesuitenpater Untersuchungen wegen sexueller Übergriffe eingeleitet hat. Der Pater war von 1976 bis 1981 als Gastlehrer für das Fach Religion in geringem Umfang an der Liebfrauenschule in Berlin tätig.

( mit epd )