Tarifverhandlung

Charité-Ärzte erhalten elf Prozent mehr Gehalt

Mit einer Tarifeinigung konnte an der Charité in letzter Minute ein Streik abgewendet werden. Mit elf Prozent mehr Gehalt für die Ärzte ist die Berliner Klinik jetzt auf dem Niveau anderer Uni-Krankenhäuser. Und auch die DRK-Ärzte sollen mehr Geld bekommen. Sie beendeten mit einem Kompromiss ihren Streik.

Während die einen jubelten, haben die anderen noch gestreikt. Die tarifliche Lage bei den Berliner Krankenhausärzten war bis Dienstag extrem unterschiedlich. Konntn sich die 2200 Charité-Mediziner über ein kräftiges Gehaltsplus von elf Prozent freuen, befanden sich noch viele der rund 500 DRK-Ärzte im unbefristeten Streik: Statt Patienten zu narkotisieren und zu operieren haben am Dienstag etwa 120 Ärzte der drei streikenden Berliner DRK-Akutkliniken (Köpenick, Westend und Drontheimer Straße) auf dem Alexanderplatz bei Passanten Blutdruck und Blutzucker gemessen, Ärztebriefe übersetzt und Kranke beraten. Mit der Aktion wollte die Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) für die Ärzte der freigemeinnützigen Kliniken die Übernahme der Regelungen, die mit dem Vivantes-Konzern auf der Basis einer 42-Stunden-Woche abgeschlossen wurden, durchsetzen.

Die Geschäftsführung hatte den Ärzten nach eigenen Angaben eine Lösung angeboten, die bereits mit der Gewerkschaft Ver.di verabredet wurde. Diese sehe ein Stufenkonzept für nicht-ärztliche Mitarbeiter und auch für Ärzte vor, bei dem zum 1. Oktober 2009 und zum 1. Juli 2010 die Vergütung zwischen 6 und 15 Prozent angehoben werde. Das Angebot würde laut Marburger Bund im Vergleich zum Verdienst der Kollegen an den landeseigenen Vivantes-Kliniken rund zehn Prozent weniger, bezogen auf das Gesamtjahr 2009, bedeuten.

Tarifkompromiss bei DRK-Kliniken

Am Dienstagnachmittag, nach eineinhalb Jahre währenden Verhandlungen, haben sich Tarifkommission und DRK-Geschäftsführung schließlich geeinigt: Der Streik sei ab sofort ausgesetzt, die DRK-Ärzte bekommen ab dem 1. Oktober mehr Geld und arbeiten ab dem 1. Januar 2010 nur noch 40 statt 42 Stunden, fasste Alexander Pillokat, kaufmännischer Geschäftsführer bei den DRK-Kliniken, zusammen. Details sollen am Mittwoch bekannt gegeben werden.

Bei der Charité konnte indes ein Streik in letzter Minute abgewendet werden. Die Uni-Ärzte bekommen nach Angaben des Marburger Bundes ab dem 1. Oktober 2009 elf Prozent mehr Gehalt. Damit würden die 2200 Charité-Ärzte „nun endlich Anschluss an die allgemeine Gehaltsentwicklung der Klinikärzte“ finden, sagte der Vorsitzende des Marburger Bundes Berlin-Brandenburg, Kilian Tegethoff. Durch die Gehaltsanhebung werde der Tarifstandard der anderen Universitätskliniken in Deutschland erreicht.

Zum 1. September 2010 sollen sich die Gehälter noch einmal um 3,9 Prozent erhöhen. Teil des Vertrages seien auch neue Regeln zur Arbeitszeit der Ärzte sowie Vereinbarungen, neue Vergütungsmodelle zu entwickeln, die beispielsweise Zusatzqualifikationen berücksichtigen. Erstmals könne der Vertrag zum 30. September 2011 gekündigt werden. Die Vereinbarung stehe noch unter Vorbehalt. Die Gremien der Charité und des Marburger Bundes müssten bis Ende Oktober zustimmen.

Keine 42-Stunden-Woche mehr

Nach Angaben des Marburger Bundes geben Vivantes und die Charité mit ihren Tarifabschlüssen in Berlin die „Leitwährung“ für die Klinikärzte vor. Mediziner in den landeseigenen Klinikbetrieben werden demnach am besten bezahlt. „Die freigemeinnützigen Kliniken zahlen meist deutlich schlechter als die kommunalen und privaten Krankenhäuser“, sagt Sebastian Menke, Rechtsanwalt des Marburger Bundes. So verdiente bis zum gestrigen Stand ein Assistenzarzt, der bei den DRK-Kliniken beschäftigt ist, in den ersten zwei Jahren monatlich 120 Euro brutto weniger als sein Kollege im Vivantes-Klinikum.

Mit der längeren Regelarbeitszeit von 42 Stunden ist der Vivantes-Konzern allerdings gescheitert. Ab dem 1. Januar 2010 werden die Vivantes-Ärzte wieder 40 statt 42 Stunden wöchentlich arbeiten, teilten der kommunale Arbeitgeberverband (KAV) und der Vivantes-Konzern gestern mit. Das 42-Stunden-Modell wurde gestoppt, weil nicht – wie kalkuliert – weniger Überstunden entstanden seien, nicht alle Ärzte länger arbeiten wollten und sich der Dienstplan verkompliziert habe.

Derweil haben die höheren Ärztegehälter auch ihren Preis. Sie werden die ohnehin schon defizitäre Universitätsklinik Charité finanziell noch mehr belasten. Im Jahr 2009 werden die tarifbedingten Mehrkosten für die Charité 2,1 Prozent betragen, in 2010 kommen weitere 7,5 Prozent dazu, teilte die Uniklinik mit.