Öffentlicher Nahverkehr

Berlin bekommt 132 neue Super-Straßenbahnen

Sie heißt Flexity, soll zuverlässiger, leiser, bequemer sein und bares Geld sparen. Die Berliner Verkehrsbetriebe haben bei Bombardier 132 neue Straßenbahnen dieses Typs bestellt. Bis 2017 sollen die modernen Züge die alten Trams ersetzen. Und für den Notfall hat sich die BVG auch abgesichert.

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BVG ordert neue Straßenbahnen

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Berlin bekommt neue Straßenbahnen. Bis 2017 sollen 132 moderne Züge des Typs Flexity die 237 alten Tatra-Trams der BVG ersetzen. Am Dienstag unterzeichneten BVG-Chef Andreas Sturmowski und Grego Peters, Präsident für den Bereich leichte Schienenfahrzeuge beim Hersteller Bombardier, einen Vertrag über die Lieferung von zunächst 99 Zügen. Den Kaufpreis von etwa 300 Millionen Euro zahlt das Land Berlin. Im Juni hatte der BVG-Aufsichtsrat grünes Licht gegeben.

Im kommenden Jahr sollen weitere 33 Fahrzeuge für etwa 100 Millionen Euro bestellt werden. Für weitere Nachbestellungen – je nach Entwicklung des Straßenbahnnetzes – bleiben den Verkehrsbetrieben nach eigenen Angaben dann noch etwa 29 Millionen Euro der zugesicherten Landesmittel.

Endmontage erfolgt in Hennigsdorf

Die Auslieferung beginnt im Mai 2011. Die ersten Fahrzeuge sollen auf den Metrolinien M4 und M8 eingesetzt werden. Alle anderen Flexity-Bahnen werden vorrangig auf den übrigen Metrostrecken sowie der Linie 50 fahren. Weil die neuen Züge breiter und länger als die alten Fahrzeuge sind, können sie im engen Köpenicker Netz zunächst nicht eingesetzt werden.

20 bis 24 Züge pro Jahr will Bombardier fertig stellen. Der „Rohbau“ wird im Werk in Bautzen gefertigt, die Endmontage und Inbetriebnahme erfolgt im Werk Hennigsdorf. Teile werden zudem aus den Bombardier-Standorten Mannheim und Siegen zugeliefert.

Mit dem Ende der Tatra-Bahnen wird das komplette Straßenbahn-Netz der BVG barrierefrei sein. Die Flexity-Bahnen sind zudem leiser, bieten bessere Fahrgastinformationen und in einem Mehrzweckabteil Platz für Fahrräder, Kinderwagen und Rollstühle – und sie sollen bares Geld sparen. Die neuen Züge verbrauchen nach Angaben von Straßenbahn-Direktor Dietrich Matschke etwa zehn Prozent weniger Energie als die bisherigen Fahrzeuge. Um gegen unliebsame Überraschungen geschützt zu sein, wurde im Vertrag außerdem vereinbart, die Kosten für Wartung und Instandhaltung zu „deckeln“, so Matschke. Im Klartext heißt das: Übersteigt der Aufwand die vertraglich vereinbarte Summe, etwa durch nachträglich auftretende Fehler an den Fahrzeugen, zahlt der Hersteller die Mehrkosten.

Zuletzt war Bombardier im Zusammenhang mit der Krise bei der Berliner S-Bahn in die Negativschlagzeilen geraten. Weil die Räder der bei Bombardier gefertigten Baureihe 481 nach einem Unfall am 1. Mai häufiger überprüft und ausgetauscht werden müssen, fährt die S-Bahn seit zwei Monaten nur im Notbetrieb. Die BVG hatte sich wie berichtet erst in diesem Jahr mit Bombardier im Streit über schnell verschleißende Radlager an U-Bahn-Zügen geeinigt.

Echo der Fahrgäste ist positiv

Die seit einem Jahr im Testbetrieb fahrenden vier Prototypen der Flexity hätten sich nach bislang 100.000 Kilometern Laufleistung aber als „sehr zuverlässig“ erwiesen, betonte Straßenbahnchef Matschke. Auch das Echo der Fahrgäste sei positiv. In einer Kundenbefragung wurden die Fahrzeuge mit einer in der BVG-Geschichte einmaligen Bestnote von 1,6 bewertet. „Es freut uns sehr, dass der Vorserienbetrieb so gut bei Betreiber und Fahrgästen angekommen ist“, sagte Bombardier-Manager Peters. Der Auftrag sei „ein weiterer Meilenstein in unserer langen und erfolgreichen Zusammenarbeit mit der BVG“.

Auch der Fahrgastverband Igeb begrüßte die Vertragsunterzeichnung. Gleichzeitig kritisierte der Verband, dass von den 99 Bahnen der ersten Lieferung nur 40 Fahrzeuge in der 40 Meter langen Variante bestellt wurden. Der Rest soll in der etwa 31 Meter langen Version geliefert werden. „Wer die Kapazität nicht durch den Kauf langer Züge erhöht, schließt künftig viele Fahrgäste aus“, kritisierte Igeb-Chef Christfried Tschepe.

Das sei auch eine „Frage der Wirtschaftlichkeit“, betonte BVG-Chef Sturmowski. Die aktuelle Bestellung entspreche aber dem Bedarf. Zusammen mit den etwa 150 Niederflurbahnen des Typs GT6 gebe es künftig einen flexibel einsetzbaren Fahrzeugpark. Die kurzen Flexitys bieten gut 180 Fahrgästen Platz, die langen knapp 250. Die GT6-Trams können etwa 100 Fahrgäste befördern. Anders als bei den neuen Flexity-Bahnen können zwei gekoppelte GT6-Züge als „Doppeltraktion“ fahren.

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