Suchthilfe

Die Fixerstube ist weg, der Drogenhandel bleibt

Die Fixerstube an der Dresdner Straße in Kreuzberg ist geschlossen. Nachdem sich Hausbewohner beschwert hatten, kündigte der Vermieter den Vertrag. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Drogenszene vom Kottbusser Tor damit ebenso verschwunden wäre. Im Gegenteil.

Foto: Krauthoefer

In die Dresdener Straße in Kreuzberg ist wieder Frieden eingezogen. Der Druckraum im Haus Nummer 15, in dem sich Drogenabhängige unter Aufsicht Spritzen setzen konnten, existiert nicht mehr. Hausbewohner hatten sich beschwert. Daraufhin kündigte der Vermieter den Vertrag. Die 120 Quadratmeter große Gewerbefläche steht seit Juli leer und wird zur Vermietung angeboten.

"Die Drogenszene ist nicht mehr an der Straße sichtbar", sagt Joachim Semrau vom benachbarten Bekleidungsladen "allet rund". Ihn habe der Druckraum zwar nicht gestört, aber nun gebe es auch keine weggeworfenen Kanülen vor der Kita mehr. Keine Drogenabhängigen, die auf dem Bürgersteig vor dem Druckraum ihre Zigarette rauchen, keine Polizeieinsätze oder Krankenwagen, weil sich jemand eine Überdosis gesetzt hat.

Der Suchthilfeverein Fixpunkt, der den Druckraum betrieben hat, sucht andere Räume. Bisher ohne Ergebnis. Jetzt bietet er die Betreuung in zwei Fahrzeugen an, die an vier Tagen in der Woche am Moritzplatz in Kreuzberg stehen. "Ein Konsummobil und ein Präventionsmobil mit Beratung durch einen Sozialarbeiter", sagt Astrid Leicht vom Fixpunkt e.V. Die Wagen parken von 9 bis 12 Uhr und fahren dann wieder ab. "Wir haben mit Nachbarn gesprochen und mit einem Hotel in der Nähe, aber niemand fühlt sich durch uns belästigt." Noch könne man nicht sagen, wie das Angebot von den Betroffenen angenommen werde. Der Verein geht davon aus, dass die Betreuung in den Fahrzeugen nur eine Zwischenlösung ist.

Die Dresdener Straße ist entlastet, doch die Drogenszene am Kottbusser Tor ist nach Meinung einiger Gewerbetreibender unverändert. Ercan Yasaroglu von der Bürgerinitiative Kottbusser Tor spricht von etwa 300 Konsumenten, die im Umfeld des Platzes Rauschgift beziehen. Auch in den Stationen der U-Bahn-Linie 8 werde weiterhin gehandelt. Nicht den Händlern, wohl aber den Drogenabhängigen müsse geholfen werden, sagt er.

"Wir wollen, dass für sie Sanitärräume in Containern bereitgestellt werden", sagt der Türke. "Denn kein Geschäftsmann, kein Cafébesitzer lässt sie die Toiletten benutzen." Dafür würden sich die Fixer immer wieder die wenig beleuchteten Stellen des Platzes aussuchen, so auch die Hauseingänge des Neuen Kreuzberger Zentrums, das zwischen Kottbusser Tor und Dresdener Straße liegt.

Bezirksamt hat neuen Standort für Fixerstube gefunden

Unterdessen hat das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg eine Alternative für den Druckraum Dresdener Straße gefunden. Das Amt will eine bezirkseigene Immobilie zur Verfügung stellen, die nicht mehr als einen Kilometer vom Kottbusser Tor entfernt ist. In einem leer stehenden Haus sei "ein kleines Gesundheitszentrum" vorgesehen, nicht nur für Drogenabhängige, sagt Bürgermeister Franz Schulz (Grüne). Er hoffe, dass Gesundheitsstadtrat Knut Mildner-Spindler (Linke) Anfang September dazu eine Vorlage im Bezirksamt einbringen werde. Wo sich die Räumlichkeiten befinden, will Schulz nicht mitteilen. Frühere Überlegungen zu einem Standort im Wohnhaus des Grünen-Bundesvorsitzenden Cem Özdemir hatten heftige Diskussionen ausgelöst.

Wenn der Beschluss gefasst sei, müsse das Haus umgebaut werden, sagt er. Es gebe außerdem Überlegungen, auf der Mittelinsel am Kottbusser Tor ein Angebot für Drogenkonsumenten einzurichten. Dies werde ebenfalls von Stadtrat Mildner-Spindler vorbereitet.

Nach Auskunft der Polizeipressestelle haben Drogenkonsum und -handel am Kottbusser Tor in den vergangenen Monaten abgenommen. Gleichzeitig sei die Zahl der Anzeigen gestiegen.

Die Polizei ist täglich am Platz präsent. Auch der Fixpunkt e.V. hat den Rückgang aufgrund erhöhter Polizeipräsenz beobachtet. "Man kann die Betroffenen vertreiben, aber dann suchen sie sich andere Orte", heißt es aus dem Verein. Eine Lösung könne nur durch intensivere Beratung und Hilfe erreicht werden.

Fixpunkt e.V. schickt drei Mal pro Woche Fahrzeuge zum Kottbusser Tor, in denen Sozialarbeiter, Arzt und Zahnarzt den Süchtigen für Beratungen und medizinische Untersuchungen zur Verfügung stehen.

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