Humboldt-Forum

Hans Kollhoff attackiert Schloss-Architekten Stella

Hans Kollhoff hat den Veranstaltern des Wettbewerbes um den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses eine herbe Rüge erteilt. Der Berliner Architekt will eine Überprüfung des Gewinners Franco Stellas erreichen. Im Bauministerium sieht man dafür keinen Anlass. Doch der Image-Schaden für das Humboldt-Forum ist erheblich.

Während Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg-Junge Reyer (SPD) am Dienstag auf der Senatssitzung den Bebauungsplanentwurf für den Schloßplatz vorgelegt hat, der sich nach ihren Worten „am Siegerentwurf des Wettbewerbs zur Gestaltung des Humboldt-Forums von Franco Stella“ orientiere, droht dem Projekt mittlerweile ein gewaltiger Imageschaden. Wie berichtet, hat der Berliner Architekt Hans Kollhoff dem Auslober des Wettbewerbs eine Rüge erteilt, um damit eine Überprüfung der Angaben Stellas zur Bürogröße zu veranlassen. Beim verantwortlichen Bundesbauministerium sieht man für eine Überprüfung jedoch auch weiterhin keinen Anlass, wie eine Sprecherin am Dienstag mitteilte.

"Wenn der Schaden nicht noch größer werden soll, muss das Ministerium jetzt die Fakten auf den Tisch legen“, sagt dagegen Jan Kleihues, der genau wie Kollhoff beim Schlosswettbewerb einen der vier dritten Preise erhielt. Das Preisgericht hatte keinen zweiten Preis vergeben, um deutlich zu machen, wie hervorragend der Beitrag von Franco Stella ist.

Kollhoff selbst nahm am Dienstag ebenfalls zu seiner Rüge Stellung: „Zunächst verfolgt unsere Rüge die Überprüfung der Teilnahmeberechtigung des Wettbewerbsiegers“, erklärt Kollhoff seine Absichten. Verschiedene Zeitschriften hatten berichtet, Stellas Architekturbüro habe in den Jahren 2004 bis 2006 keine drei fest angestellten Architekten beschäftigt, wie in der Ausschreibung verlangt, sondern lediglich einen. Stella hat den Vorwürfen widersprochen und erklärt, seine Selbstauskunft entspreche der Wahrheit.

Doch Kollhoff will sich damit nicht zufrieden geben. Es sei ein Gebot der Fairness gegenüber allen Wettbewerbsteilnehmern, die Angaben zu überprüfen, so der Architekt weiter.

Anders als offenbar das Bundesbauministerium sieht der Justiziar der Bundesarchitektenkammer in der Rüge eine eindeutige „Aufforderung an den Auslober, zu überprüfen, ob alle Angaben korrekt waren“, so Thomas Maibaum. Sollten sich die Vorwürfen bestätigen, sei jedoch die Frage, welche Konsequenzen daraus zu ziehen wären. „Sicherlich lässt sich damit nicht die Rückabwicklung des Architektenvertrages erzwingen“, so der Jurist. Der Vertrag war erst im vergangenen Monat unterschrieben worden. „Jedoch können sie der Vorbereitung einer Schadenersatzklage dienen.“ Dabei würde sich der Streitwert nicht auf das eine halbe Milliarde Euro teure Bauprojekt beziehen, sondern lediglich auf die Kosten für den Teilnahmeaufwand“, so Maibaum.

An dem Schlosswettbewerb im vergangenen Jahr hatten sich insgesamt 85 Architekturbüros beteiligt. 30 von ihnen waren in die engere Wahl gekommen und hatten für die Weiterbearbeitung ihrer Entwürfe jeweils 20.000 Euro bekommen. Nach Ansicht von Fachleuten liegen die tatsächlichen Kosten jedoch zwischen 100.000 und 150.000 Euro. Theoretisch könnten diese 30 Wettbewerber klagen, wenn sich der Vorwurf der unberechtigten Teilnahme Stellas als wahr erweisen sollte.

Der Schlossbau hatte in den vergangenen Monaten auch die Debatte um die Wiederbebauung der historischen Mitte Berlins zwischen Spree und Alexanderplatz befeuert. Zuletzt hatten Berlins Kulturstaatssekretär André Schmitz und der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) eine Bebauung des Kerns von Alt-Berlin gefordert. Doch nach den von Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer vorgelegten und am Dienstag vom Senat beschlossenen Grundsätzen soll die ehemalige DDR-Staatsachse im Wesentlichen unbebaut bleiben. Wegen des Klimawandels, so die Senatorin, sollten Bebauungspläne auf dem Gelände des Marx-Engels-Forums „äußerst kritisch“ geprüft werden. Auch eine Umgestaltung des „Rathausforums“, des namenlosen Platzes vor dem Roten Rathaus mit dem Neptunbrunnen, sei wegen der langjährigen Behinderungen durch den geplanten U-Bahn-Bau erst ab 2017 denkbar.

Noch in diesem Jahr soll mit öffentlichen Veranstaltungen der Diskussions- und Planungsprozess beginnen. 2012 soll der Wettbewerb folgen, der Grundlage für die Umgestaltung des Rathausforums vom Jahr 2017 an sein soll.