Krankheit

Unternehmer Hartwig Piepenbrock leidet an Demenz

Große Sorge um Kunstmäzen und Unternehmer Hartwig Piepenbrock. Der 72-Jährige leidet an einer Demenz vom Typ Alzheimer, kann seine geliebte Villa Lemm in Gatow nicht mehr verlassen. Die Nachricht berührt tief, denn Piepenbrock, obgleich in Osnabrück geboren, ist ein wesentlicher Teil Berlins geworden.

Foto: Amin Akhtar

Der "Piepenbrock-Preis für Skulptur", der mit 50.000 Euro dotierte, bedeutendste Förderpreis seiner Art in Europa, wird nach 20 Jahren nicht mehr vergeben. Der Stifter, Unternehmer Hartwig Piepenbrock, ist schwer erkrankt. Der 72-Jährige leidet an einer Demenz vom Typ Alzheimer, kann seine geliebte Villa Lemm in Gatow nicht mehr verlassen und wird rund um die Uhr betreut. Seine Familie hat beschlossen, die Stiftungsgelder künftig in die Erforschung der Demenzkrankheit fließen zu lassen.

"Meinem Vater geht es leider den Umständen entsprechend schlecht", bestätigte uns Piepenbrocks Tochter Astrid Hamker auf Nachfrage. In der Berliner Gesellschaft war Sorge aufgekommen, denn Hartwig Piepenbrock und seine Frau Maria-Theresia waren seit Längerem auf keiner Veranstaltung mehr gesehen worden. "Seit August 2008 haben wir die medizinische Diagnose, dass er an einer Demenz vom Typ Alzheimer erkrankt ist. Seit Dezember hat sich seine Situation dramatisch verändert. Seit mein Vater in seinem Jagdhaus auch noch gestürzt ist und sich die Schulter zertrümmerte, hat sich seine Situation rapide verschlechtert", so Astrid Hamker weiter.

Stiftung soll helfen, die Krankheit zu erforschen

Die Familie, zu der auch die beiden Söhne Olaf und Arnulf Piepenbrock gehören, hat alles versucht, ihrem Vater wieder auf die Beine zu helfen, ihm die tägliche Routine zu erhalten, die den Krankheitsverlauf verlangsamen kann. Doch die Natur war stärker, inzwischen ist Piepenbrock pflegebedürftig und wird rund um die Uhr von ausgebildetem Personal in seiner Villa gepflegt. "Er ist optimal umsorgt und beschützt", sagt Astrid Hamker. Aber es sei unerträglich zu sehen, wie dieser einst so aktive, schnell denkende Entscheider immer hilfloser werde. "Er ist nicht unglücklich, aber in seiner ganz eigenen Welt, liebevoll umsorgt von seiner Frau."

Piepenbrocks Familie habe akzeptieren müssen, dass es keine weiteren Therapiemöglichkeiten gibt, die ihrem Vater helfen könnten. Dafür sind die Krankheit und ihr Verlauf noch nicht genügend erforscht. Um für Betroffene künftiger Generationen Erleichterung zu schaffen, auch was die emotionale Belastung einer häuslichen Betreuung angeht, habe der Familienrat entschieden, mit der Stiftung Piepenbrocks nunmehr die Gelder in die Demenz- und Alzheimerforschung zu stecken. "Wir haben uns das nicht leicht gemacht, und wir wissen auch, dass unsere Entscheidung für die Kunstszene traurig ist", sagt Astrid Hamker. "Aber wir sehen es als unsere Pflicht an, Menschen zu helfen, die an dieser Krankheit leiden. Wir erleben selbst, dass einem die Hände gebunden sind und man ab einem gewissen Punkt nichts mehr für den Kranken tun kann. Da müssen medizinische Fortschritte erreicht werden."

Astrid Hamker, ihre Brüder und die Mutter haben schweren Herzens beschlossen, jetzt das persönliche Büro von Hartwig Piepenbrock in Berlin zu schließen. Auch sein Amt als Honorarkonsul der Bahamas haben sie für ihren Vater niederlegen lassen. "Wir haben ihn jetzt in allen Gremien abgemeldet", sagt Astrid Hamker. "Ein schwerer Schritt, aber es ging nicht anders."

Aus dem operativen Geschäft des einstigen Familienunternehmens, das Piepenbrock zu einer gewaltigen Unternehmensgruppe mit den Sparten Gebäudemanagement, Gebäudereinigung, Instandhaltung, Sicherheitsdienste und Maschinenbau ausbaute, hatte er sich bereits im Jahr 2000 zurückgezogen. Geschäftsführende Gesellschafter sind seine drei Kinder.

Berlin ist längst zu seiner Heimat geworden

Die Nachricht von der Erkrankung Hartwig Piepenbrocks berührt tief. Der Unternehmer ist, obgleich in Osnabrück geboren, dem Sitz seine Firmenzentrale, ein wesentlicher Teil Berlins geworden. Piepenbrock engagierte sich bis zu seiner Erkrankung vorbildlich als Förderer von Kunst und Kultur, ließ dabei den Nachwuchs nicht aus dem Auge. Er förderte die Deutsche Oper, die Komische Oper, die Semperoper in Dresden, die Alte Oper in Frankfurt am Main. Er unterstützte die "Brandenburgischen Sommerkonzerte", schenkte dem Kupferstichkabinett Berlin zwei Picasso-Gemälde, engagierte sich im Freundeskreis der Nationalgalerie und im Berliner Herzzentrum.

Berlin ist zu seiner Heimat geworden, längst bevor er 1995 die prächtige Villa Lemm in Gatow kaufte. Das Areal mit Gartenpavillon, Boots- und Pförtnerhaus und einem 24.000 Quadratmeter großen Park direkt an der Havel öffneten Piepenbrocks regelmäßig für außergewöhnliche Salons und Feste. Hier trafen sich Politiker, Künstler, Wissenschaftler, Mediziner und Diplomaten zu intensiven, aber fröhlichen Gesprächsrunden. Immer wieder auch lud Piepenbrock mit seiner Frau zu Preisverleihungen an Nachwuchskünstler, denen er auch den Weg in die Gesellschaft ebnete. Diese Treffen wird es nicht mehr geben. Die Villa Lemm ist zum Refugium für ihren schwer kranken Hausherrn geworden.