Billiglösung

Bretterwand soll für Lärmschutz am Ostkreuz sorgen

Viel Streit hat es bereits um die Bauarbeiten am Ostkreuz gegeben. Zuletzt war eine 100.000 Euro teure Lärmschutzwand im Gespräch gewesen, um die Anwohner zu schützen. Doch die Bahn hat sich nun doch für eine billigere Lösung entschieden.

Foto: ddp / ddp/DDP

Ein Jahr lang tobt er schon, der Streit um den Lärmschutz an der Großbaustelle Ostkreuz. Einen ergebnislosen Rechtsstreit, zwei aufwendige Tests mit mobilen Lärmschutzwänden und zwei Schallgutachten später hat die Deutsche Bahn den Anwohnern Dienstagabend ein überraschendes Ergebnis präsentiert. Statt der Hightech-Lärmschutzwände soll eine sechs Meter hohe Bretterwand für ruhigere Nächte sorgen. Jene nämlich, so das Fazit des jüngsten Gutachtens, sorge für ähnlich reduzierte Lärmwerte wie eine drei Meter hohe, aber mit etwa 100.000 Euro ungleich teurere Wand jenes Herstellers, der im Vergleich zweier Systeme das Rennen gemacht hatte.

In Zahlen ausgedrückt: Die besten Lärmschutzwände hätten den Pegel um maximal elf bis 14 Dezibel drücken können. Allerdings nur, wenn sie unmittelbar neben der Lärmquelle stehen. Der Bretterzaun reduziert den Lärm um acht bis zehn Dezibel. Insgesamt etwa 80 Meter lang soll das Bauwerk werden, verteilt auf zwei Abschnitte entlang der Ringbahn und der Ost-West-Bahn. Die Genehmigung durch das Eisenbahn-Bundesamt steht zwar noch aus, doch die Bahn geht davon aus, dass die Bretterwand rechtzeitig zu den lärmintensiven Abbrucharbeiten im September stehen wird.

Für die Bahn zeichne sich damit eine wirtschaftliche Lösung des Problems ab, sagt ein Sprecher. Vertreter des Bauherren hatten stets betont, dass sie nur in Lärmschutzsysteme investieren würden, wenn sie im Gegenzug teure Hotelübernachtungen für die Anwohner einsparen könnten. Jene muss die Bahn bezahlen, wenn der nächtliche Lärmpegel im Durchschnitt 65 Dezibel übersteigt. Einen fünfstelligen Betrag hatte die Bahn deshalb allein für Tests und Gutachten ausgegeben. „Vielleicht nicht alle, aber zumindest viele“ Hotelübernachtungen könne man sich wohl auch mit der simplen Bretterlösung sparen, heißt es nun. Zum Vergleich: Die zulässige Obergrenze für Nachtgeräusche in Wohngebieten beträgt 40 Dezibel, eine Fahrradklingel erreicht 75 Dezibel.

Ob die streitbaren Ostkreuz-Anwohner mit der Lösung ähnlich zufrieden sind, war am Abend noch offen. Einer ihrer Wortführer hatte in der Vorwoche erneute juristische Schritte angekündigt, weil die Bahn zu wenig unternehme, um die Anwohner zu entlasten. Dass der Streit mit dem Bau der Bretterwand erledigt ist, glaubt rund um die Baustelle des 411-Millionen-Euro Projekts niemand.