Berliner Erfinder-Kids

Endlich schöner Döner essen - so geht's

Sauce auf dem Kinn, Salat auf der Hose - wie viele Döner sie verputzt haben, wissen die sechs Berliner Kids schon nicht mehr. Doch dann machten sie die ultimative Erfindung: die Döner-Esshilfe macht den Genuss des legendären Fladenbrots garantiert kleckerfrei.

Foto: Marion Hunger / Hunger

Döner, immer wieder Döner. In den letzten Tagen haben Katharina, Marlene, Tim und Anon sehr viele von den Fladenbrottaschen mit Fleisch und Salat gegessen. Kein Wunder: Sie sind schließlich die preisgekrönten Erfinder von „EATdöner“, einer Döner-Esshilfe aus beschichtetem Papier. Bevor es so weit war, mussten viele Döner als Testobjekte herhalten.

Die Kreation der Schüler sieht aus wie ein gefaltetes Papierschiffchen. Ohne Segel – denn in dem Einwegpapier soll der Döner stecken. Das beschichtete Papier ist saucenfest, versichern die Schüler. „Den absoluten Umweltkiller Alufolie haben wir vermieden – trotzdem sickert nichts durch!“, sagt Katharina. Auch für Salat-, Zwiebel- und Fleischstücke, die sonst beim Essen gern mal rausfallen, haben die Schüler etwas ausgetüftelt: zwei seitliche Auffanglaschen.

Um ihre Entwicklung vorzuführen, muss sich jemand erbarmen, noch einen Döner zu essen. Tim hat tatsächlich noch Hunger und macht die Probe aufs Exempel: Sein Döner-Kebab steckt in dem Papierschiffchen. Die Esshilfe sitzt passgenau – kein Stück Tomate, kein Streifen Fleisch fällt heraus. Auch nach dem Reinbeißen bleiben Tims Finger und sein grauer Pullover sauber und unbekleckert.

Im Rahmen des Wettbewerbs „Business@school“ qualifizierte sich das Team, zu dem insgesamt sechs Oberstufenschüler gehören, für das Europa-Finale: Am Montag präsentieren Katharina Lorenz (17), Marlene Haas (17), Anon Mall (18), Björn Jeschke (17), Philipp von Hammerstein (18) und Tim Hellfeuer (18) ihre Geschäftsidee beim Europa-Finale in München.

Anons Einsatz als Vorkoster

Zur Teilnahme an dem Wettbewerb hatte die Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) aufgerufen, die Jugendlichen sollten marktorientiertes Denken lernen. Die Schule des Gewinnerteams, das Hildegard-Wegscheider-Gymnasium in Grunewald, war mit insgesamt sechs Teams vertreten.

Das Konzept „EATdöner“ setzte sich erst gegen die Geschäftsmodelle der Mitschüler durch. Dann traten acht Schulteams aus der für den Wettbewerb festgelegten Region Berlin und Sachsen gegeneinander an. Auch dort sicherte sich das Döner-Team den ersten Platz: „Die anderen Teams hatten sehr gute Ideen“, findet Marlene. „Aber es ging in dem Wettbewerb auch um die Durchführung und die Präsentation von Konzepten.“

Die Döner-Fans drehten für die Präsentation einen Film und hatten auch schon bei der Entwicklung vor nichts zurückgeschreckt: Für einen „Verträglichkeitstest“ aß Anon das Papier, aus dem „EATdöner“ hergestellt wird. Zwar hatte die Zulieferfirma den Schülern versichert, das Papier sei lebensmittelverträglich. „Aber unser Horrorszenario war, dass möglicherweise doch ein Kunde an irgendwelchen Stoffen erkrankt oder stirbt“, sagt Tim. Anon überlebte – und konnte mit seinem selbstlosen Einsatz als Vorkoster jegliche Befürchtungen aus der Welt schaffen.

Ein Jahr lang tüftelten die Schüler an ihrem Wettbewerbsbeitrag, opferten dafür ihre Freizeit. Es hat sich gelohnt, auch der betreuende Lehrer, Jürgen Heesen, ist stolz auf seine Schüler: „Da kann man nur staunen. Tadellos.“ Die Jury wertete vor allem die gute Vermarktungsstrategie der jungen Kreativen als Pluspunkt. So betonten die Schüler etwa den Aspekt, dass das beschichtete Papier, aus dem „EATdöner“ hergestellt ist, holzfrei und zu 100 Prozent recycelbar ist. Außerdem eignen sich die Einweg-Esshilfen als Werbefläche für Kioske und Dönerbuden.

Mittlerweile haben sich die Schüler ihre Erfindung rechtlich schützen lassen. Für „EATdöner“ gibt es jetzt ein sogenanntes Gebrauchsmuster. Kathrina: „Wir sind die Einzigen, die dieses Muster gebrauchen und verkaufen dürfen.“