Messe im Postbahnhof

Kebab-Messe Döga gibt Einblick in Dönerbranche

Die Dönermesse Döga ist dieses Jahr auch für Publikum geöffnet . Auf der Messe informieren sich die Händler über neues Werkzeug, bessere Zutaten und Gewürze, die Besucher sollen staunen und probieren – Gratis-Verkostung inklusive.

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Der Dönerroboter war die größte Attraktion der allerersten Dönermesse im vergangenen Jahr. Das Video des Organisators, der erklären wollte, dass der neuartige Dönerspieß vollautomatisch arbeite, im Eifer des Gefechts aber bekundete, der Döner werde eines Tages den Menschen ersetzen, wurde zum YouTube-Hit. „Nach dem sehr guten Resultat im vergangenen Jahr wollen wir uns jetzt dem normalen Publikum öffnen“, sagt Organisator Tarkan Tasyumruk. Er ist Vorsitzender des Vereins Türkischer Dönerhersteller in Europa (ATDiD) und derjenige, der mit dem Szenario vom Menschen ersetzenden Döner zu zweifelhafter Berühmtheit kam. Sein Verband richtet die Döga in diesem Jahr zum zweiten Mal aus.

Die Messe will „einen Einblick in die Dönerbranche“ bieten. Am Sonnabend, 24.September, ist im Postbahnhof Fachbesuchertag, tags darauf ist die Messe für jeden geöffnet. Auf 4000 Quadratmetern stellen 100 Hersteller und Verkäufer aus ganz Deutschland alles rund um den Snack im Fladenbrot aus. Statt den 450 Fachbesuchern im vergangenen Jahr erwarten die Veranstalter mehr als 3000 Besucher. Nicht zuletzt die Gratisverkostung verschiedener Kebab-Varianten soll die Berliner in die Messehallen locken.

Dort wollen die Aussteller auch zeigen, wie wichtig ihre Branche mittlerweile ist. „Mehr als 15.000 Betriebe erwirtschaften rund 3,5 Milliarden Euro im Jahr“, sagt Tasyumruk. „Nur mit Dönerherstellung und Verkauf.“ Deutschland sei Döner-Export-Nation. Frankreich, Spanien, Polen, sie alle beziehen die Döner-Zutaten aus der Bundesrepublik.

Auf der Messe informieren sich die Händler über neues Werkzeug, bessere Zutaten und Gewürze, die Besucher sollen staunen und probieren. „In diesem Jahr gibt es bereits zwei Hersteller von Dönerrobotern“, sagt Tasyumruk. Die vollautomatische Revolution werde begeistert aufgenommen – auch wenn deutschlandweit erst 50 Dönerverkäufer einen solchen Roboter nutzen. In Berlin laut dem Branchenverband noch gar keiner.

Dabei ist Berlin die europäische Hauptstadt des Döner Kebab. An mehr als 1000 Verkaufsstellen geht der Snack hier über die Ladentheke. Und den Mann, der vor 40 Jahren, den ersten Döner in Berlin verkauft haben soll, will der Veranstalter ebenfalls auf der Messe präsentieren. „1972 hat , einer der ersten türkischen Einwanderer erkannt, dass schnelles Essen in Deutschland gut ankommt“, sagt Tarkan Tasyumruk. „Also hat er begonnen, Döner in Brot zu legen.“ Ursprünglich sei Döner – türkisch für drehendes Fleisch – eher ein Festmahl denn ein schneller Snack gewesen und wurde auch nicht in einer Brottasche serviert. „Nurmans Restaurant in der Nähe des Bahnhofs Zoologischer Garten kam zuerst bei seinen Landsleuten sehr gut an.“ Später habe sich der Döner von dort in die ganze Republik ausgebreitet.

Heute werden in Deutschland jeden Tag 600 Tonnen Dönerfleisch verkauft. Döner Kebab dürfe sich nur nennen, was aus Kalbfleisch bestehe, 70 Prozent der Produktion komme vom Kalb. Putendöner sei aber auf dem Vormarsch.

Bei dieser Vielfalt will der Herstellerverein die Kunden nicht alleine lassen. Auf der Messe wird er ein Siegel vorstellen, mit dem er Dönerbuden auszeichnen will, die bestimmten Standards genügen. Gemeinsam mit der Fleischerinnung seien Seminare geplant: zur Hygiene bei der Lagerung und zur Zubereitung und Ausgabe des fertigen Döners. Nur wer die Abschlussprüfung bestehe, erhalte das Siegel des ATDiD. Die Seminare sollen im November in Berlin beginnen. Hinzu soll ein Online-Portal kommen, auf dem Kunden ihre Lieblingsbude loben können.