Affenbiss

Finger von Zoo-Chef Blaszkiewitz nun doch amputiert

Wegen der hohen Infektionsgefahr wurde Zoodirektor Bernhard Blaszkiewitz nun doch der Zeigefinger der rechten Hand abgenommen. Der Chef der Handchirurgie im Unfallkrankenhaus Marzahn hatte auch den Arm der Berliner Schülerin Charlyn gerettet, der bei einem Bombenattentat zerfetzt wurde.

Nach einem Affenbiss hat der Berliner Zoodirektor Bernhard Blaszkiewitz nun doch seinen rechten Zeigefinger verloren. Nachdem die Ärzte den Finger zunächst wieder angenäht hatten, entschieden sie sich noch am Dienstag für eine Amputation. Am Mittwochmorgen wurde Blaszkiewitz in einer achtstündigen Operation der Finger abgenommen. Der Zoo-Chef soll den Eingriff gut überstanden haben.

Eine "rasante Zunahme der Rötung“ sei Ausdruck einer Infektion, teilte Andreas Eisenschenk, Chefarzt der Handchirurgie im Unfallkrankenhaus Berlin-Marzahn, mit. Die rasche Ausbreitung der Infektion stelle eine Bedrohung für den gesamten Organismus dar. Die Entscheidung sei daher klar gewesen: Der Finger musste abgenommen werden. Der Entschluss sei im Einvernehmen mit dem Patienten getroffen worden. Der 55-Jährige habe „außerordentlich gefasst“ reagiert.

Der Unfall hatte sich am Montag ereignet, als Blaszkiewitz versuchte, bei einem Rundgang das Schimpansen-Männchen „Pedro“ durch die Gitterstäbe mit Walnüssen zu füttern. Die Chance, einen Finger wieder anzubringen, liege nur bei zehn bis 20 Prozent, hatte Eisenschenk nach dem Vorfall erklärt. Auch wenn die Operation gelinge, bestünde immer die Gefahr einer Infektion durch tierische Keime. Blaszkiewitz wurde mit Antibiotika behandelt und befand sich nicht in Lebensgefahr.

"Hundebisse kommen häufiger vor"

Zusammen mit einem Ärzteteam hatte Eisenschenk bis zum späten Montagabend den nur noch an einem Nerv hängenden Finger wieder angenäht und die Knochen gerichtet. Der Spezialist hatte auch den zerfetzten Arm der Berliner Schülerin Charlyn gerettet, die von einer Bombe in ihrem Briefkasten getroffen worden war.

Selbst der erfahrene Spezialist Eisenschenk, der seit mehr als 30 Jahren Gliedmaßen rettet, sprach von einer seltenen Operation. „Hundebisse, bei denen eine Fingerkuppe abgetrennt wird, kommen häufiger vor.“ Auch dass ein Betroffener so gefasst sei und sich nicht von Emotionen leiten lasse, sei eher selten. Über einen solchen Patienten sei er sehr zufrieden, sagte Eisenschenk. Der Zoodirektor sei nach dem Aufwachen überrascht gewesen, dass der Finger noch dran sei. Blaszkiewitz plane eine Reise, und wollte deshalb schnell Klarheit. Dem Vernehmen nach will er auf Afrika-Tour gehen.

"Der Zoodirektor ist wirklich hart im Nehmen“, sagte Chefsekretärin Regine Damm. Sie habe mit Blaszkiewitz nach der Operation schon gesprochen. Er dramatisiere nichts. Auch ein Krankenbesuch sei schon im Gespräch.

Handfütterung ohne Vorsichtsmaßnahmen

Zunächst hatte es wie seltenes Glück im Unglück ausgesehen, dass der Berliner Schimpanse Pedro den abgebissenen Finger seines Zoodirektors nicht auffraß. „Das hätte passieren können, Schimpansen sind ja auch Fleischfresser“, sagte Eisenschenk.

Die Tierrechtsorganisation Peta erklärte, der Direktor von Zoo und Tierpark habe den Unfall „durch eine Handfütterung ohne Vorsichtsmaßnahmen“ selbst verschuldet. Peta nannte Blaszkiewitz eine Gefahr für beide Berliner Zoos. Seit seinem Amtsantritt 1991 sei es zu einer Häufung von Unfällen gekommen. „Wer als Zoodirektor jegliche Sicherheitsmaßnahmen gegenüber Wildtieren ignoriert, ist ein absolut falsches Vorbild“, meinte Kampagnenleiter Frank Albrecht.

Im Zoo hieß es hingegen, der Unfall werde wie jeder andere ausgewertet. Vor einem Jahr hatte der inzwischen gestorbene Ziehvater des weltweit bekannten Eisbären Knut, Thomas Dörflein, eine Abmahnung von Blaszkiewitz kassiert – wegen Körperkontakts zu dem heranwachsenden Eisbären.

Affenmännchen Pedro präsentierte sich am Dienstag stolz wie immer. „Es hat sich nichts geändert, der Affe hat ja nichts Böses getan“, sagte ein Mitarbeiter. Das Mitgefühl mit dem verletzten Direktor scheint sich im Hauptstadtzoo in Grenzen zu halten. Blaszkiewitz sei nicht der einzige Zoochef, der von einem Affen gebissen wurde, war zu hören. Der 55-jährige Blaszkiewitz gilt in der Öffentlichkeit und im Umgang mit Kollegen als ruppig.

"Kein Schreibtisch-Direktor gebraucht"

Inzwischen verschoben die „Freunde Hauptstadtzoos“ die für Mittwoch geplante Auftaktveranstaltung zum Jubiläum „165 Jahre Zoo Berlin“. Vorsitzender Thomas Ziolko erklärte: „Blaszkiewitz hat sicherlich am gestrigen Tag unvorsichtig gehandelt, dennoch ist er sich den Gefahren und der Verantwortung im Umgang mit Tieren bewusst.“ Die Rücktrittsforderung wies Ziolko zurück. „Was wir nicht brauchen, ist ein Direktor, der vom Schreibtisch aus den ältesten Zoo Deutschlands und den größten Landschaftstierpark in Europa leitet und fernab von den Tieren entscheidet.“