Henry-Ford-Bau

Spendenskandal erschüttert Freie Universität

Der Henry-Ford-Bau der Freien Universität Berlin wurde vor drei Jahren saniert. Unklar ist, woher die 300.000 Euro für die denkmalgerechte Renovierung kamen. Offenbar kümmerte sich niemand um die korrekte Abrechnung der Zuwendung aus den USA. Der ehemalige Uni-Präsident Dieter Lenzen, in dessen Amtszeit der Vorgang fällt, weist alle Vorwürfe eines Spendenbetrugs von sich.

Der Vorwurf wiegt schwer: Laut einem internen Bericht der Freien Universität sollen bei der Sanierung des Henry-Ford-Baus auf dem Dahlemer Campus Spenden und Geld der FU nicht korrekt abgerechnet worden sein. Die Vorgänge fallen in die Amtszeit des ehemaligen Uni-Präsidenten Dieter Lenzen. Der will mit einem Spendenbetrug nichts zu tun haben.

Der Ehemaligenverein Friends of Freie Universität in New York, so der interne Bericht, habe die Sanierung des Henry-Ford-Baus 2007 zwar finanziell unterstützt, doch nicht wie ursprünglich angekündigt mit 600.000 Euro. Rund die Hälfte der Großspende von der Max-Kade-Stiftung sei bei der Freien Universität nicht angekommen. Die FU habe – ohne die Unregelmäßigkeit aufzudecken – aus vorhandenen Geldern die anderen 300.000 Euro der denkmalgerechten Sanierung des 1954 erbauten Audimax-Gebäudes übernommen.

Von seinem neuen Amtssitz aus, der Universität Hamburg, dementierte Lenzen nun Gerüchte, dass er dieses Verfahren gebilligt habe. Vielmehr habe er selbst die Untersuchung der Angelegenheit schon während seiner Amtszeit, im Sommer 2007, eingeleitet. Aus dem Ergebnis seien die erforderlichen personalrechtlichen Konsequenzen gezogen worden. Außerdem sei die Haushaltsabteilung unter der Leitung von Universitätskanzler Peter Lange reorganisiert worden. Weiter möchte Lenzen zu den Dingen, die inzwischen seit zwei Monaten hinter ihm liegen, nichts sagen.

„Der Präsident der Universität Hamburg äußert sich grundsätzlich nicht zu internen Angelegenheiten anderer Universitäten und ist im Hinblick auf seine frühere Tätigkeit als Präsident der Freien Universität auch zur Verschwiegenheit verpflichtet“, hieß es gestern aus der Pressestelle der Hamburger Hochschule.

Finanzierung unter der Hand

Weniger verständlich erscheint in Anbetracht der Vorwürfe, dass auch die FU zum Spendenskandal nichts sagen möchte. Die Begründung lautet, dass es sich um ein laufendes Verfahren handle, dem man nicht vorgreifen wolle. Zwar hat der jüngst gewählte Präsident Peter-André Alt mehr Transparenz an der Universität angekündigt. Doch solange er nicht offiziell ins Amt geführt ist, scheint dieses Vorhaben nicht zu greifen. Vielmehr möchte sich die Freie Universität vollständig vom gemeinnützigen Verein Friends of Freie Universität Berlin (FFUB) distanzieren. „Der Verein FFUB hat nichts mit dem im Rahmen der Exzellenz-Initiative gegründeten Verbindungsbüro New York der Freien Universität zu tun. Zu keinem Zeitpunkt sind Mittel aus der Exzellenz-Initiative an den Verein FFUB geflossen“, heißt es in einer Erklärung der Elite-Universität.

Dabei flossen laut „Spiegel“ seit 2003 jährlich rund 200.000Euro von der Freien Universität an den Verein in Manhattan. Geplant war jedoch nur eine Anschubfinanzierung, die weiteren Zahlungen seien am Präsidium vorbeigezahlt worden. Eigentlich hätte es umgekehrt laufen sollen, denn der Verein Friends of Freie Universität wurde 2002 gegründet, um mit den auf 3000 geschätzten Absolventen, die nach ihrem Studium an der FU in die USA ausgewandert sind, ein Spendernetzwerk aufzubauen. Doch die mindestens 650 gefundenen FU-Alumnis konnten oder wollten den Verein nicht im geplanten Maß unterstützen. Der gemeinnützige Verein nahm laut Berichten weniger als eine Viertelmillion Euro ein. Das feudale Büro in der 42.Straße in Manhattan, Gala-Abende in Fünf-Sterne-Hotels und die Personalkosten verschlangen eine Menge der wenigen Spenden. Statt sich selbst finanzieren zu können, war der Verein weiterhin von der FU abhängig. Insgesamt half die Dahlemer Hochschule dem außeruniversitären Büro mit mehr als einer Million Euro aus.

Allerdings hätte man schon früher feststellen können, dass die Spendierfreudigkeit der Amerikaner zu wünschen übrig lässt. Auf einer Gala im Jahr 2005 stellte die FU ein neues, globales Stipendiaten-Programm vor, benannt nach dem ehemaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan. Die Geschäftsführerin der Friends of Freie Universität, Hélène Sostarich-Barsamian, kündigte damals an: „Für die Renovierung des Henry-Ford-Baus wollen wir zweieinhalb Millionen sammeln, für das Kofi-Annan-Stipendiaten-Programm eine Million. Aber wir gehen davon aus, dass wir mehr einnehmen können.“ Man habe loyale Spender an der Hand. „Aber das Ergebnis war gleich null“, sagte der zuständige Professor Thomas Risse. Unter den Absolventen hätten sich damals keine Spender gefunden. Das Stipendiatenprogramm sei nicht zustande gekommen.

Senat prüft Spendentransfer

Erst zwei Jahre nach diesem Vorfall reiste Vizepräsidentin Ursula Lehmkuhl, die nach Lenzens Fortgang die Geschäfte der Universität kommissarisch leitete, noch im Auftrag Lenzens nach New York, um die Bücher des Vereins einzusehen. Im Januar dieses Jahres informierte sie die FU über die Unregelmäßigkeiten.

Da unklar ist, ob es sich bei den von der FU eingesetzten Mitteln um Geld aus dem Landeshaushalt handelt, fordert die Bildungsverwaltung bis zum 28.Mai einen ausführlichen Bericht von der FU. Die Spendenaffäre soll ausführlich geprüft werden. „Schließlich finanzieren wir die Hochschule letztendlich mit Steuergeldern“, sagte Sprecher Martin Sand.

Neben den haushaltsrechtlichen Zielvorgaben zwischen Land und FU, die im Hochschulvertrag geregelt seien, werde dabei auch der materielle und immaterielle Nutzen der Friends of Freie Universität Berlin für die Freie Universität untersucht. Die Bildungsverwaltung erwartet im Juli erste Ergebnisse der Prüfung.

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