Polizeieinsatz

Amok-Alarm an Schule - Prüfungen fallen aus

Ein Polizeieinsatz an einer Berliner Schule hat dazu geführt, dass dort die Klassenarbeiten ausfallen mussten. Schüler und Lehrer hatten am Morgen einen maskierten Unbekannten in dem Gebäude beobachtet. Aus Angst vor einem Amoklauf wurde die Kreuzberger Schule von der Polizei geräumt.

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Schüler einer Schule an der Kreuzberger Lobeckstraße wollen einen verdächtigen Mann mit Maske im Gebäude gesehen haben. Aus Angst vor einem möglichen Amoklauf wurden daraufhin Gelände und Gebäude von der Polizei durchsucht.

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Ein bewaffneter Maskierter hat am Dienstag in einem Oberstufenzentrum in Kreuzberg einen Polizeieinsatz und eine Amok-Warnung ausgelöst. Schüler der Hans-Böckler-Schule an der Lobeckstraße wollen am Morgen einen verdächtigen Mann mit Sturmhaube und einer Schusswaffe im Gebäude gesehen haben. Der Konrektor habe den dunkel gekleideten Mann bemerkt und sofort die Polizei alarmiert.

Aus Angst vor einem möglichen Amoklauf wurden das Gelände und das Schulgebäude daraufhin von der Polizei durchsucht. Die Schüler mussten während des Einsatzes in den Klassenzimmern bleiben. Nach mehr als zwei Stunden wurde die Suchaktion ergebnislos eingestellt. Der Unterricht wurde abgesagt, anberaumte Prüfungsarbeiten fielen aus.

Gegen 8.10 Uhr war der Maskierte an der Lobeckstraße aufgefallen. Schüler des Oberstufenzentrums für Konstruktionsbautechnik berichteten, dass der etwa 1,70 Meter große Unbekannte mit kräftiger Statur eine Sturmhaube getragen habe und eine Pistole in der rechten Hand hatte. Der Verdächtige soll durch das Gebäude gerannt sein und dabei den Konrektor angerempelt haben. Der Pädagoge alarmierte daraufhin die Polizei.

Nachdem die Beamten das Außengelände nach der verdächtigen Person abgesucht hatten, kontrollierte die Polizei unterstützt von einer Einsatzhundertschaft das Schulgebäude vom Keller bis zum Dach. Dabei wurde auch jedes Klassenzimmer zweimal inspiziert. Danach durften die Schüler, die sich zum großen Teil noch in den Räumen aufgehalten hatten, die Schule verlassen.

Hinter dem Oberstufenzentrum befindet sich noch eine Grundschule, die aber von dem Einsatz nicht betroffen war. Etwa 110 Polizisten waren an den Einsatz beteiligt. Die Lobeckstraße war bis gegen 11.30 Uhr zwischen Gitschiner und Moritzstraße gesperrt. In Polizeikreisen wird vermutet, dass der Unbekannte möglicherweise die für Dienstag und Mittwoch terminierte Prüfungsarbeiten sabotieren wollte. Zumindest am Dienstag ging diese Rechnung auf. An der Hans-Böckler-Schule bereiten sich mehr als 1500 Schüler auf Berufe in der Metalltechnik vor.

Gefunden wurde weder der Verdächtige, noch Waffe oder Sturmhaube. Die Polizei leitete ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Waffengesetz ein.

Schulpsychologen vor Ort

Ria Uhle, bei der Bildungsverwaltung für Gewaltprävention zuständig, betonte jedoch, dass die für Mittwoch anberaumten Prüfungen stattfinden werden. Uhle wies darauf hin, dass am Dienstag sofort zwei Schulpsychologen vor Ort gewesen seien. Der für berufliche Schulen zuständige Gewalt- und Krisenpsychologe Dieter Paetsch und Manfred Günther, Schulpsychologe in Friedrichshain-Kreuzberg, hätten die Kollegen der Böckler-Schule unterstützt. Anschließend sei beraten worden, inwieweit Schüler und Lehrer weitere psychologische Hilfe brauchen.

Psychologin Uhle verwies in diesem Zusammenhang auf das Projekt Netwass – Netzwerk gegen zielgerichtete Schulgewalt – hin, das im September in Berlin, Brandenburg und Baden-Württemberg starten wird. Ziel des Projektes sei es, Schulen dabei zu helfen, Konflikte aufzudecken, Eskalationen zu verhindern und Gewalt vorzubeugen. Jede Schule solle zu diesem Zweck ein Krisenteam ins Leben rufen, so Uhle. Geplant sei, dass allein in Berlin 40 Schulen an diesem Projekt teilnehmen.

Ria Uhle betonte, dass viele Berliner Schulen hinsichtlich der Gewaltprävention bereits gut aufgestellt und damit anderen Bundesländern voraus seien. „13 Prozent der Berliner Schulen haben bereits Krisenteams eingerichtet, 15 Prozent der Schulen wollen das demnächst tun“, sagte Uhle. Krisenteams sollten die Präventionsarbeit der Schule leisten und die Schulleitung im Krisenfall unterstützen.

Schulen werden häufig bedroht

Bedrohungen unterschiedlichster Art sind an Berliner Schulen häufig. Im Schuljahr 2008/09 wurden 1817 Fälle gezählt, ein Jahr zuvor waren es 1632. Am 10. März 2010 hatte die Polizei beispielsweise an der Dag-Hammarskjöld-Oberschule in Tempelhof drei Jugendliche wegen des Verdachts der Störung des öffentlichen Friedens festgenommen. Die 13, 15 und 16 Jahre alten Jugendlichen standen im Verdacht, im Schulfoyer ein Graffito mit den Worten „Am 12. März Amoklauf“ angebracht zu haben. Die schulfremden Jugendlichen mussten nach der Vernehmung durch Kriminalbeamte entlassen werden, da ihnen der Vorwurf nicht nachzuweisen war. 500 Schüler und deren Eltern waren durch die anonyme Drohung in Aufregung versetzt worden.