Amoklauf-Androhung

Gericht fällt Turbo-Urteil gegen Trittbrettfahrer

Einen Tag nach dem Blutbad von Winnenden greifen deutsche Gerichte durch. In Halberstadt hatte es der Richter ganz eilig gegen einen Trittbrettfahrer: Sieben Stunden nach der Androhung eines Amoklaufs wurde ein Berufschüler bereits verurteilt. In Berlin muss ein junger Mann in Arrest.

Einen Tag nach dem Amoklauf in Winnenden haben es deutsche Gerichte eilig. Sieben Stunden nach der Androhung eines Amoklaufes ist ein 22 Jahre alter Berufsschüler in einem Eilverfahren vom Amtsgericht Halberstadt zu fünf Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Das Urteil ist rechtskräftig. Der Angeklagte habe die Tat gestanden und diese bedauert, sagte ein Gerichtssprecher.

Gegen 6.20 Uhr hatte der 22-Jährige über Notruf einen Amoklauf ähnlich dem in Baden-Württemberg an seiner Berufsschule in Halberstadt angedroht. Von dem zu erwartenden Polizeieinsatz hatte sich der Anrufer schulfrei erwartet, wie der Gerichtssprecher weiter sagte. Bereits um 13.15 Uhr musste sich der nicht vorbestrafte junge Mann vor dem Amtsgericht Halberstadt dafür verantworten.

In Regensburg nahm die Polizei einen 15-Jährigen nach einer Morddrohung fest. Der Junge hatte am Tag des Amoklaufs von Winnenden gegenüber früheren Mitschülern angekündigt, er werde in seine ehemalige Schule gehen und jemanden töten, sagte eine Polizeisprecherin. Dabei habe er auch erklärt, er habe nichts mehr zu verlieren. Die Kinder erzählten dies dem Rektor der betroffenen Schule, am Donnerstagmittag die Polizei informierte. Nach mehrstündiger Fahndung wurde der 15-Jährige festgenommen.

Im Internet wurde am Donnerstag ein Amoklauf an einer Grund- und Hauptschule in Esslingen angedroht, wie die Polizei mitteilte. Als Urheber wurde ein polizeibekannter und vorbestrafter 20-Jähriger ermittelt worden. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart beantragte Haftbefehl.

Jugendarrest wegen üblem Scherz

In Berlin wurde ein 13-jähriger Schüler am Donnerstag nach einer Androhung von Straftaten in einer Oberschule zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus gebracht. Während des Unterrichtes hatte es in einer Klasse eine Gesprächsrunde zu dem Amoklauf in Winnenden gegeben, wie die Polizei mitteilte.

In Berlin wurde am gleichen Tag ein 21-Jähriger wegen einer früheren Ankündigung eines Amoklaufs zu einer Woche Dauerarrest verurteilt worden. Ein Jugendgericht sprach den Angeklagten der Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten schuldig. Der Mann räumte die Vorwürfe ein und sprach von einem dummen Scherz.

„Sie haben Angst und Schrecken verbreitet“

Im Frühjahr 2008 hatte er im Webforum „SchülerVZ“ gedroht: „Ja, ich plane einen Amoklauf.“ Dabei hatte er sich als „Pascal Übermensch E.“ vorgestellt und erklärt, dass er Menschen hasse. Im Chat nannte er seine ehemalige Schule im Berliner Stadtteil Zehlendorf als Ziel.

„Sie haben Angst und Schrecken unter den Schülern verbreitet“, hielt ihm die Richterin vor. Neben dem Arrest erlegte sie ihm auf, an fünf Beratungsgesprächen teilzunehmen. Das Urteil folgte der Forderung der Staatsanwaltschaft.

Der arbeitslose Mann erklärte, er habe sich bei seinen Freunden im Internet profilieren und als „lustiger Kerl“ gelten wollen. „Ich hatte aber nie zum Ziel, Menschen zu verschrecken“, beteuerte er. Obwohl er das Abitur nicht geschafft habe, habe er keinen Groll gegen die Schule entwickelt. Grund für sein Scheitern sei Faulheit gewesen. Eine Hausdurchsuchung hatte keine Hinweise auf konkrete Planungen eines Amoklaufs ergeben.

Der Staatsanwalt sprach von einer „erschreckenden Dummheit“. „Was am Mittwoch passierte, wird Ihnen klar gemacht haben, dass solche Drohungen ernst genommen werden müssen“, sagte er dem Angeklagten. Am Vortag hatte ein 17-Jähriger im schwäbischen Winnenden bei einem Amoklauf an seiner ehemaligen Schule neun Schüler und drei Lehrerinnen erschossen. Auf seiner anschließenden Flucht erschoss er drei weitere Personen und sich selbst.

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