Berliner Krankenhäuser

Vivantes fordert schnelle Klinik-Entscheidung

Seit Monaten fehlt dem Senat ein Konzept, wie die Uni-Klinik Charité und der landeseigene Krankenhauskonzern Vivantes in Zukunft unterhalten werden sollen. Für beide Institutionen hat Berlin bei der bestehenden Struktur nicht genug Geld. Jetzt hat Vivantes-Chef Joachim Bovelet neue Finanzierungswege vorgeschlagen.

Foto: picture-alliance/ dpa / dpa

Der Berliner Klinikkonzern Vivantes hat mit Nachdruck eine schnelle politische Entscheidung für die Zukunft der kommunalen Krankenhäuser in der Hauptstadt gefordert. Klinikbetriebe mit 13.000 Mitarbeiten bräuchten Planungssicherheit und müssten aus der Beliebigkeit von haushaltspolitischen Spielereien herauskommen, sagte Joachim Bovelet, Vorsitzender der Vivantes-Geschäftsführung, am Montag. Seit Monaten fehlt aus der rot-roten Koalition ein Konzept, wie die landeseigene Uni-Klinik Charité und Vivantes in Zukunft ausreichend finanziert werden sollen. Für beide Institutionen hat Berlin bei der heutigen Struktur seiner Kliniken nicht genug Geld.

Vor Bovelet hatte auch Charité-Chef Karl-Max Einhäupl mehrfach nach politischen Entscheidungen für Berlins Kliniken verlangt – ohne Erfolg. Auch Bovelets Wunsch blieb ungehört. „Es gibt keine Bewegung bei diesem Thema, keine Einigkeit und keinen Termin“, sagte Regina Kneiding, Sprecherin der Gesundheitsverwaltung, am Montag.

Vivantes-Chef Bovelet hat aber auch eigene Finanzierungsideen: Um an Kapital zu kommen, könnte der landeseigene Klinikkonzern Vivantes künftig in eine kommunale Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Bei einer Aktiengesellschaft ist das Grundkapital in Aktien zerlegt. Aktiengesellschaften können sich durch Herausgabe neuer Aktien oder durch Anleihen leichter neues Kapital beschaffen als dies in einer anderen Unternehmensform möglich wäre. Deshalb sindAktiengesellschaften für Großunternehmen attraktiv. Um Kapital zu generieren, kann eine Aktiengesellschaft an die Börse gehen, sie muss aber nicht.

Weniger Einfluss der Politik

Vivantes ist bisher eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH). Träger ist das Land Berlin. „Nicht alles, was privat ist, ist schlechtere Qualität“, sagte Bovelet, der selbst noch vor einigen Jahren bei kirchlichen und nicht kommunalen Klinikbetrieben gearbeitet hat. Eine Vivantes AG habe mehrere Vorteile, sagte der Klinik-Chef: Zum einen bestimme der Aufsichtsrat einer AG weniger über die Geschäfte der Geschäftsführung. Eine Aktiengesellschaft sei politikferner. Klinik-Mitarbeiter könnten Aktionäre und am Unternehmenserfolg beteiligt werden. Bei einem Börsengang könnte Vivantes weiteres Kapital generieren, so Bovelet.

486.641 Patienten wurden im vergangenen Jahr bei Vivantes behandelt. Dies sind 14.225 Patienten mehr als im Vorjahr. Die Patienten liegen durchschnittlich 6,7 Tage im Bett des Klinikums. Mit 2,6 Millionen Euro Plus im Jahr 2009 hat Vivantes zum sechsten Mal in Folge einen positiven Jahresabschluss erreicht. Im Jahr 2008 machte das Unternehmen 2,4 Millionen Euro Plus.

Das Unternehmen, zu dem neun Kliniken und mehrere Pflegeeinrichtungen zählen, hat nach Angaben Bovelets bis zum Jahr 2014 einen Investitionsbedarf von 500 Millionen Euro. Eigentlich müsste das Land Berlin diesen Betrag bereitstellen, doch wegen der Finanznot der Kommune ist daran nicht zu denken. Als Aktiengesellschaft könnte Vivantes künftig seinen Investitionsbedarf decken, so die Hoffnung des Klinik-Managers. Diese Idee sei dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) und Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke) bereits unterbreitet worden. Aber auch über einen anderen Weg hat Bovelet nachgedacht: die Fusion von Charité und Vivantes.

Einsparungen von 45 Millionen

Würden diese beiden landeseigenen Klinikunternehmen in nichtmedizinischen Bereichen wie Labor, Pathologie, Einkauf und Verwaltung fusionieren, wären Einsparungen von 45 Millionen Euro möglich, errechnete die Vivantes-Führung. Die Charité bestätigte diese Zahl als „optimierte Hochrechnung“.

Charité und Vivantes haben zusammen einen perspektivischen Investitionsbedarf von etwa 1,5 Milliarden Euro. Da die rot-rote Landesregierung aber nicht so viel Geld zur Verfügung stellen kann, arbeitet eine Senatorenarbeitsgruppe seit Monaten an einem Alternativmodell. So wird zum Beispiel eine engere Kooperation von Vivantes und der Charité im Südwesten Berlins angestrebt. Doch noch gibt es im Senat keine Einigkeit – und keine Entscheidung.