Demonstration

Radfahrer und Skater rollen gegen A100-Ausbau

Gegen die umstrittene Verlängerung der Berliner Stadtautobahn A 100 sind am Sonntag mehr als 1500 Fahrradfahrer und Skater durch Berlin gerollt. Friedrichshain-Kreuzberg will notfalls gegen den Autobahnbau klagen. Gegen die Pläne des Senats regt sich nun sogar Protest aus den Reihen der SPD.

Foto: ddp / DDP

Mehr als 1500 Fahrradfahrer und Skater haben gestern in Berlin gegen die geplante Verlängerung der Stadtautobahn von Neukölln nach Treptow und in einem weiteren Abschnitt bis Friedrichshain demonstriert. Die Bürgerinitiative Stadtring Süd BISS Berlin hatte zu der Demonstration mit dem Motto "A100 stoppen, Einspruch jetzt!" aufgerufen. Die 21 Kilometer lange Route führte zu Rotem Rathaus, Brandenburger Tor, Siegessäule, Potsdamer Platz und zurück nach Treptow.

Die Abschlusskundgebung fand an der Beermannstraße statt, wo vier Häuser dem 420-Millionen-Euro-Projekt weichen sollen. "Wir brauchen nicht noch mehr Beton in Berlin", sagte Demo-Mitorganisator Tobias Trommer. Er hoffe, dass möglichst viele Menschen ihre Einwände gegen den Bau einreichen.

Unter den Demonstranten waren mehrere Bezirks-, Landes- und Bundespolitiker von SPD, Grünen und Linken. Friedrichshain-Kreuzbergs Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne) sprach angesichts des in Berlin stetig schrumpfenden Autoverkehrs von einem "verkehrpolitisch völlig falschen Ansatz". Die Autobahnplanung stamme "aus der Mottenkiste der 70er-Jahre", sagte Schulz bei der Kundgebung am Roten Rathaus.

Der Bezirk will nötigenfalls gegen den Bau klagen. Selbst innerhalb ihrer eigenen Partei, der SPD, "bröckelt" die Zustimmung für die Pläne von Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer, wie die SPD-Abgeordnete aus Friedrichshain, Canan Bayram, bestätigte. "Wir wollen keine Autobahn, weder in Treptow noch in Friedrichshain."

Die Anwohner befürchten, dass für den Ausbau der Trasse Häuser abgerissen und Kleingartenanlagen aufgegeben werden müssen. Zudem rechnen sie durch den zusätzlichen Verkehr mit mehr Lärm und Abgasen. Die Autobahn soll zunächst von Neukölln bis zum Treptower Park verlängert werden. Es gibt auch Pläne, die Strecke bis nach Friedrichshain weiterzuführen. Dagegen protestieren neben Anwohnern auch Bürgerinitiativen und Umweltorganisationen.

Mehrere Hundert Berliner haben ihre Einwände gegen die geplante Verlängerung an die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung geschickt. Nach Ablauf der Einspruchsfrist am 23. April will die Behörde die Hinweise prüfen. Danach sollen bei einem Treffen mit den Anwohnern die Einwände erörtert werden.

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