Erstsemester

Zahl der Berliner Studienanfänger steigt rasant

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Birgit Haas

Foto: Reto Klar

Mit Beginn des Wintersemesters hat die Zahl der Berliner Studenten deutlich zugenommen. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes sind exakt 139.543 Hochschüler eingeschrieben, rund 4200 mehr als im Vorjahr. Warum sich die Abiturienten für Berlin entschieden haben und welche Hochschulen besonders gefragt sind.

Wenn die Philologie-Studentin Tiziana Savino (20) über den Campus der Humboldt-Universität (HU) in Mitte zu ihren Vorlesungen geht, dann ist sie auch noch sechs Wochen nach Beginn ihres Studiums überwältigt. „Es ist einfach toll in Berlin an einer so bekannten Universität zu lernen“, findet die Italienerin. Es habe sich gelohnt, dafür extra aus ihrer Heimat Neapel nach Berlin zu ziehen.

Savino ist eine von knapp 20.360 Erstsemestern, die sich zum Wintersemester an den Berliner Hochschulen eingeschrieben haben. Das sind, laut Angaben des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg, 1280 Studienanfänger mehr als im vergangenen Jahr. Berlin bietet wieder mehr Studienplätze an, deshalb steigt die Zahl der Studenten nach einem Einbruch vor vier Jahren jetzt erneut stetig an. Insgesamt leben in Berlin derzeit mehr als 139.500 Studierende, rund 4200 mehr als im Vorjahr.

Studenten aus aller Welt

Leider hat Tiziana Savino neben ihrer kleinen Wohnung im Prenzlauer Berg bisher kaum etwas von Berlin gesehen. „Ich muss sehr viel lernen“, sagt sie. Das Niveau des Studiums sei sehr hoch und noch fehlten ihr häufig die Worte, deshalb pauke sie täglich Vokabeln. Doch Tiziana Savino fühlt sich nicht fremd. „Hier sind so viele Leute aus aller Welt und die Atmosphäre ist so lebendig.“ Ein Kaffee mit ihrer neuen Freundin Coline Senac aus Frankreich tröste sie sogar über das schlechte Wetter hinweg.

Tatsächlich haben sich in diesem Wintersemester mehr ausländische Studenten als je zuvor zum Studium in Berlin angemeldet, insgesamt sind es mehr als 22.100, rund 600 mehr als im Winter- und Sommersemester des vergangenen Jahres.

Um die vielen Bewerber aufzufangen, die nach Berlin kommen wollen, erweitern die Hochschulen ihr Angebot ständig. Insbesondere die Berliner Fachhochschulen bauen Studienplätze aus. Die Zahl der Studenten stieg dort um knapp 3500, während die Universitäten nur ein Plus von 825 verzeichnen können. Weit vorne liegt die Beuth Hochschule für Technik im Wedding, dort wurden zusätzliche Studienplätze geschaffen.

Doch obwohl der Ausbau an den Universitäten verhältnismäßig schwach ausfällt, beginnen auch hier immer mehr Abiturienten ihre Ausbildung. „Wir haben so viele Erstsemester wie schon lange nicht mehr“, sagt der Vizepräsident der HU, Uwe-Jens Nagel. Zu den Bachelorstudiengängen hat die HU rund 170 Bewerber mehr zugelassen als im vergangenen Jahr, 3200 sind es insgesamt. Einen Masterstudiengang haben 1340 Studenten gestartet, 400 mehr als im Vorjahr. „Unsere Kapazitäten sind nun zu fast hundert Prozent ausgelastet“, meint Nagel. Wie die HU weitere Studienplätze schaffen soll – laut Hochschulvertrag sollen bis 2012 insgesamt 6000 neue Erstsemesterplätze geschaffen werden, um den doppelten Abiturjahrgang aufzufangen – sei nicht geklärt.

Erstsemester streiken nicht

Einer der vielen neuen Masterstudenten ist Daniel W. (25). Er ist erfahren im Uni-Betrieb, denn bevor er nach Berlin kam, hat er in Hannover ein Diplomstudium in „Erneuerbare Energien“ abgeschlossen. „Das möchte ich noch mit Ethnologie abrunden“, sagt er. Seine ersten Wochen in Berlin verbrachte Daniel W. vor allem in der Bibliothek. „Meinen Studienplatz bekam ich über das Losverfahren zugewiesen." Damit vergibt die Universität Restplätze. Allerdings erst zwei Wochen nach Beginn des Wintersemesters, deshalb muss Daniel W. nun nacharbeiten. Aber er ist froh, schließlich doch noch an einen Studienplatz in Berlin gekommen zu sein, lernt deshalb auch gerne.

In der Bibliothek trifft er regelmäßig auf Judy Böttcher. Die 19-jährige Berlinerin aus Biesdorf studiert im ersten Semester Mathematik und Geologie auf Lehramt. „Das ist anstrengender, als ich dachte“, meint sie. Dass die HU derzeit noch bestreikt wird und das Audimax seit Anfang November besetzt ist, bekommen die Studienanfänger nur am Rande mit. Aber das sei gut so, denn „Ich will ja mein neues Studium nicht im ersten Semester bestreiken“, sagt Judy Böttcher.

Doch nicht nur die Berliner, auch die drei Brandenburger Universitäten werden immer beliebter. Im laufenden Wintersemester sind an der Europa-Universität in Frankfurt (Oder), der Universität Potsdam und der Technischen Universität Cottbus insgesamt knapp 49.600 Studierende eingeschrieben – Rekordstand im Nachbarland. Rund 9527 begannen in Brandenburg ein Studium, 240 mehr als im vergangenen Jahr. Besonders erfolgreich ist die Universität Viadrina, dort immatrikulierten sich 1600 Erstsemester.