European Green City Index

Berlin gehört zu zehn grünsten Städten Europas

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Berlin rühmt sich damit, eine grüne Metropole zu sein - zumindest was den Baum- und Grünflächenbestand angeht. Nun kann sich die Stadt auch damit brüsten, in Umweltfragen eine der grünsten Großstädte Europas zu sein. In einem entsprechenden Ranking kam Berlin jetzt auf Platz acht. Vor allem skandinavische Städte platzieren sich besser, osteuropäische schlechter.

Unter 30 Großstädten in Europa kommt Berlin auf Platz acht im Ranking der „grünsten Metropolen“. Vor allem in puncto energiesparende Gebäude konnte Berlin punkten: Hier belegte die deutsche Hauptstadt Platz 1. Insgesamt bekam Berlin besonderes Lob dafür, sich angesichts seiner schwierigen Vergangenheit und der angespannten finanziellen Lage noch vor Städten wie Paris und London platziert zu haben.

Erstellt wurde das Ranking im Auftrag der Firma Siemens unter Federführung des Econmist Intelligence Unit, einer Forschungseinrichtung des britischen Wirtschaftsmagazins „The Economist“. Die Studie basiert Siemens zufolge wo immer möglich auf Daten aus offiziellen Quellen, etwa von statistischen Ämtern. Ziel war es, die Leistungen und Ambitionen der Städte beim Umwelt- und Klimaschutz zu analysieren. Dabei betrachteten die Wissenschaftler acht Kategorien: CO2-Emissionen, Energieversorgung, Gebäude, Verkehr, Wasser, Luftqualität, Abfall/Landnutzung und Umweltmanagement. Das Ergebnis nennt sich „European Green City Index“.

Ganz vorne dabei im Umweltschutz sind die skandinavischen Städte. Kopenhagen, Stockholm und Oslo platzierten sich auf den vordersten drei Rängen – Berlin landete auf Platz 13 mit 6,57 Tonnen. Oslo emittiert der Studie zufolge lediglich 2,2 Tonnen Co2 pro Kopf und Jahr. Im EU-Durchschnitt sind es 8,5 Tonnen.

Kopenhagen, derzeit auf Rang 4 in Sachen CO2-Emission, hat sich sogar zum Ziel gesetzt, bis 2025 CO2-frei zu werden. Erleichtert wird den skandinavischen Städten der Umweltschutz durch ihren Wohlstand, stellen die Macher der Studie fest. Die Metropolen haben größere finanzielle Spielräume, um in den Umweltschutz zu investieren.

Berlin hat sein ursprüngliches Co2-Ziel (Reduzierung um 25 Prozent bis 2010) bereits erreicht und hat sich nun das Ziel gesetzt, bis 2020 den CO2-Ausstoß im Vergleich zu 1990 um 40 Prozent zu reduzieren.

Osteuropäische Städte schneiden unterdurchschnittlich ab: Sie haben weniger Geld und oft auch größere Altlasten zu tragen, weil der Umweltschutz in den vergangenen Jahren vernachlässigt wurde. Dies spiegele sich insbesondere bei Gebäuden, ergab die Studie. Berlin teilt sich im Gebäude-Ranking mit Stockholm den ersten Platz. Unter den ersten Zehn findet sich hier aber keine osteuropäische Stadt.

Beim Nahverkehr schneiden hingegen osteuropäische Städte überdurchschnittlich gut ab. In keiner der untersuchten Städtenutzen etwa so viele Menschen für den Weg zur Arbeit öffentliche Verkehrsmittel wie in Kiew (Gesamtplatz 30). In der Kategorie Transport insgesamt - also einschließlich der Betrachtung der Fahrzeuge sowie unter anderem der Maßnahmen, die Nutzung leichter zu machen - schaffte es Kiew dennoch nicht unter die besten Zehn - ebenso wenig wie Berlin (Platz 12). In der Bundeshauptstadt nutzen der Studie zufolge 54,8 Prozent öffentlicher Verkehrsmittel für den Weg zur Arbeit, oder sie laufen. In dem Bericht heißt es, Berlin bekomme viele Punkte für sein Bemühen um die Werbung für die öffentlichen Verkehrsmittel. Aber was die Größe und Nutzung des "autofreien Transports" angeht, bleibe die Stadt hinter den Ansprüchen zurück.

Zudem kam Berlin in der Kategorie Energie nicht in die Top Ten (Platz 13). Im Wasser-Ranking kam die Stadt aber auf Platz drei - vor allem für die Effizienz des Wassermanagements gibt es Lob - , in der Kategorie Abfall/Landnutzung auf Platz vier und in Sachen Luftqualität – die in Berlin immer wieder umstritten ist – auf Platz acht. Für den Umgang der Politik mit dem Thema Umwelt-Verwaltung und Umweltpläne bekam Berlin ebenfalls recht gute Noten und platzierte sich auf Rang neun.

In der Gesamtauswertung stellen die Studien-Verfasser fest, dass fast alle untersuchten Metropolen bereits eine Umweltstrategie entwickelt und teilweise umgesetzt hätten. Erneuerbare Energien tragen aber derzeit nur zu rund sieben Prozent zur Energieversorgung bei, in Berlin sind es sogar nur 1,84 Prozent. Das Ziel der EU bis 2020 sind 20 Prozent. Außerdem werde nur weniger als ein Fünftel des Abfalls recycelt (Berlin: 35 Prozent), und jeder vierte Liter Wasser gehe durch undichte Leitungen im Wassernetz verloren.

Großstädte stehen im Fokus der Studie, da „für 80 Prozent des gesamten Ausstoßes von Treibhausgasen verantwortlich sind und inzwischen mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten lebt“, heißt es in einer Mitteilung zu Studie. Und Siemens hat auch ein eigenes Interesse an der Erhebung der Daten: Das Unternehmen erzielte mit seinen Produkten und Lösungen zum Klimaschutz im Geschäftsjahr 2009 einen Umsatz von rund 23 Milliarden Euro, das ist etwa 30 Prozent des gesamten Umsatzes.

( sh )