Wetterfolgen

Berliner schlittern über glatte Straßen und Wege

Die Berliner Stadtreinigung hat alle Hände voll zu tun. Viele Wohnstraßen sind durch Schnee und Eis spiegelglatt, die BSR-Mitarbeiter kommen mit dem Räumen kaum hinterher. Und in den Krankenhäusern der Stadt haben vor allem Unfallchirurgen und Orthopäden viel zu tun.

„Wir sind rund um die Uhr im Einsatz“, sagte BSR-Sprecher Bernd Müller am Sonntag. Die komplette Mannschaft sei auf Berlins Straßen unterwegs. Rund 2000 Mitarbeiter der Straßenreinigung räumen mit 450 Fahrzeugen in drei Schichten 24 Stunden am Tag Schnee und Eis von den Straßen. Schwerpunkt sind, wie immer, die Fahrbahnen der Hauptverkehrsstraßen. Seit Sonnabend werden laut Müller nun auch vermehrt Wohn- und Nebenstraßen mit dem Schneepflug geräumt. „In den nächsten Tagen wird sich nachhaltig darum gekümmert“, so Müller. Auch die mehr als 18.000 Fußgängerüberwege sollen nun vermehrt mit Splitt gestreut werden. Vor allem in den frühen Morgenstunden und am Nachmittag sind die Mitarbeiter der BSR unterwegs. Stark befahrene Straßen wie die Stadtautobahn werden rund um die Uhr von Eis befreit.

Für die Gehwege sind die Eigentümer der angrenzenden Grundstücke verantwortlich. „Da gibt es, wie immer, Probleme“, sagte der Bezirksstadtrat für Bürgerdienste, Ordnungsaufgaben, Natur und Umwelt in Tempelhof-Schöneberg, Oliver Schworck, am Sonntag. Mitarbeiter des Ordnungsamtes seien deshalb – und nicht nur in Tempelhof-Schöneberg – unterwegs, um zu überprüfen, ob die Privateigentümer die Räumpflicht auch einhalten. „Es gibt immer Beanstandungen, bis jetzt sind mir aber keine größeren Verstöße bekannt“, so Schworck.

Bis Sonntag jedoch waren viele Wohn- und Nebenstraßen in der Stadt überhaupt nicht oder nur abschnittsweise geräumt.

Zufahrten zu Parkanlagen ein Problem

In manchen Bezirken sind außerdem die Zufahrten zu Parkanlagen ein Problem. „Die meisten Freizeitflächen sind Eigentum der Bezirke, die sind selbst für die Räumung der angrenzenden Straßen zuständig“, so BSR-Sprecher Müller. Die Frage ist, ob diese Wege überhaupt öffentlich gewidmete Straßen und Gehwege sind. Bei privaten Wegen besteht keine Räumpflicht.

Auch gibt es Straßen, die von dieser Pflicht befreit sind. Ein Beispiel dafür ist laut Schworck die Bundesstraße 101 zwischen Hildburghauser Straße und Landesgrenze in Marienfelde. Dort stehen links und rechts Lärmschutzwände. „Es herrscht relativ wenig Fußgängerverkehr an dieser Stelle. Daher wurde beschlossen, dort die Räumpflicht auszusetzen.“

Um besonders große Eiszapfen von den Dachkanten einiger Häuser in Charlottenburg zu entfernen, musste am Sonntag sogar die Feuerwehr ausrücken. Sie entfernte die Eisspitzen, da diese sonst hätten herunterfallen und jemanden verletzen können. Die Deutsche LebensRettungs-Gesellschaft warnt unterdessen vor dem Betreten der Eisflächen auf Berliner Seen und Kanälen: „Die Eisdicke reicht nicht aus, um Menschen zu tragen.“

Viel zu tun gibt es in den Rettungsstellen

Die Rettungsstellen der Krankenhäuser behandeln in diesen Tagen vermehrt Bruchverletzungen, die von Stürzen herrühren. Im Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) in Marzahn werden jeden Tag etwa 100 Patienten behandelt, fast ein Drittel davon wegen eines Sturzes. „Das sind etwa doppelt so viele wie sonst“, so der Oberarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie im UKB, Kai Dragowsky.

Im neuen Jahr zählte das UKB bereits 19 schwerere Sturzverletzungen. „Meistens handelte es sich um Frakturen im Bereich des Handgelenks“, so Dragowsky. Es gab aber auch schwere Prellungen des Gesäßes, Stauchungen der Wirbelsäule und Patienten, die auf den Kopf gestürzt waren. Auch in der Charité war am Sonntag außergewöhnlich viel Betrieb wegen Glatteisstürzen. In der Rettungsstelle des Campus Benjamin Franklin sei zwei bis dreimal so viel los wie sonst, hieß es seitens der Charité, im Virchow-Klinikum drei bis viermal so viel.