Rechtsextremismus

Grüne planen Demo vor neuem Thor-Steinar-Laden

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Erneut versucht ein Unternehmer in Berlin, ein Geschäft mit der Bekleidungsmarke "Thor Steinar" zu eröffnen. Das Label gilt als Erkennungszeichen der rechtsextremistischen Szene. Am Sonnabend haben Gegner zu einer Demo vor dem Friedrichshainer Geschäft aufgerufen.

Gegen die Eröffnung eines Ladens mit Kleidungsstücken der bei Rechtsextremen beliebten Modemarke „Thor Steinar“ in Berlin hat Bündnis 90/Die Grünen zu Protesten am Sonnabend aufgerufen. „Wir fordern alle demokratischen Kräfte auf, ein Zeichen gegen Intoleranz und Hass zu setzen und sich an der Kundgebung zu beteiligen“, sagte die Fraktion im Abgeordnetenhaus. Die Protestveranstaltung (9.30 Uhr) ist vor dem „Thor-Steinar-Outlet“ in der Petersburger Straße 94 im Stadtteil Friedrichshain geplant.

Das wie eine norwegische Outdoor-Marke wirkende Label sei „Teil der Normalisierungsstrategie der Rechtsextremisten“, hieß es. Deren Ziel sei es, „ansprechend auszusehen, anheimelnd-skandinavisch zu klingen und ganz nebenbei Nazi-Ideologie und Runen-Symbolik unters Volk zu bringen“.

„Thor Steinar“ ist ein bei Rechtsradikalen beliebtes Modelabel und dient nach Erkenntnis der Sicherheitsbehörden in der rechten Szene als Erkennungszeichen. Erst im Oktober vergangenen Jahres wurde ein Thor-Steinar-Laden in Mitte nach einer Räumungsklage wieder geschlossen.

Das Geschäft in der Rosa-Luxemburg-Straße versuchte von außen, einen harmlosen Anschein zu machen. T-Shirts, Pullis und andere qualitativ hochwertige Bekleidungsstücke für jüngere Leute lagen in den Regalen. Darunter hingen jedoch auch Jacken in Tarnfarben, T-Shirts mit stilisierten Blutspritzern und der Aufschrift „kontaktfreudig“ oder mit Aufdrucken ehemals deutsch besetzter Südseeinseln samt Kriegsschiffen. Dies werteten Experten als szenetypische Merkmale einer neuen rechtsradikalen Szene.

Im Viertel an der Volksbühne regte sich darauf zum Teil gewalttätiger Protest. Es bildeten sich Bürgerinitiativen, die beklebte Container vor der Tür aufstellten, auf denen sie Stellung bezogen. Etwa darüber, dass das Scheunenviertel einst eine traditionelle jüdische Vergangenheit hatte. Die norwegische Regierung wollte dem Brandenburger Besitzer des Geschäfts „Tönsberg“, benannt nach einer norwegischen Stadt, die Benutzung seines Labels untersagen. Der Grund: Er verwende widerrechtlich das norwegische Hoheitszeichen.

Auch verschiedene Institutionen verweigern inzwischen Besuchern mit Tönsberg-Kleidung den Zugang zu ihren Einrichtungen: so etwa die Fußballvereine Hertha BSC, Werder Bremen und der FC St. Pauli sowie der Deutsche Bundestag und der Landtag von Mecklenburg-Vorpommern. Die Berliner Polizei leitete mehrfach Disziplinarverfahren gegen Polizisten ein, die im Dienst Thor-Steinar-Kleidung trugen.

Auch in anderen deutschen Städten gab es um "Thor Steinar" immer wieder Streit vor Gericht. Klagen waren in Leipzig und Magdeburg anhängig. In Hamburg erreichte eine Bank Ende 2008 auf außergerichtlichem Wege, dass ein "Thor Steinar"-Geschäft wieder aus dem Mietvertrag aussteigt. Anfang 2008 kündigte die Deutsche Bahn einen Thor-Steinar-Laden am Bahnhof von Frankfurt (Oder). epd/hed