Unfall

Vater und Sohn ertrinken im eiskalten See

Trotz anhaltenden Tauwetters hat ein Vater mit seinem dreijährigen Sohn einen Spaziergang auf einem halb zugefrorenen See nahe Lehnin (Potsdam-Mittelmark) unternommen. Die Einsatzkräfte konnten nur noch die Leichen bergen. Die Mutter beschuldigt nun ihren Ex-Lebensgefährten.

Foto: Steffen Pletl / Repro

Ein erst drei Jahre alter Junge und sein 30 Jahre alter Vater sind am frühen Sonntagabend nahe Kloster Lehnin in Potsdam-Mittelmark ins Eis eingebrochen und ertrunken. Feuerwehrtaucher bargen die Leichen in der Nacht zu gestern. Die Polizei geht von einem tragischen Unfall aus.

Ein vergnügter Tag im Winter sollte es werden. Der dreijährige Ragner freute sich, als sein Vater Bernd S. ihn am Sonntag zum Spaziergang abholte. Weder er noch seine Mutter wussten, dass es nicht wie sonst auf den Abenteuerspielplatz, sondern auf das Eis gehen sollte. Es sollte das letzte Mal sein, dass die arbeitlose Frau ihren Sohn lebend sah. In den frühen Morgenstunden des Montag standen Polizeibeamte vor ihrer Tür und überbrachten die Todesnachricht. Die 22-jährige Frau wird zurzeit von einem Seelsorger betreut.

Rückruf blieb aus

Maria Sch. hatte sich am Sonntag gegen 19.30 Uhr über die Notrufleitung bei der Polizei gemeldet und Vermisstenanzeige wegen des Verschwindens ihres Sohnes und des ehemaligen Lebensgefährten gestellt. Zuvor war sie durch eine Bekannte des Mannes informiert worden, dass dieser seit bereits zwei Stunden telefonisch nicht mehr erreichbar gewesen sei. Die beiden hatten kurz zuvor noch telefoniert, während dieses Gesprächs beziehungsweise kurz darauf muss die Tragödie ihren Lauf genommen haben. Bernd S. hatte seiner Bekannten erzählt, mit seinem Sohn auf dem zugefrorenen Klosterfenn-Gewässer unterwegs zu sein. Dann habe er das Telefonat überraschend beendet und noch schnell gesagt, gleich zurückzurufen. Dieser Rückruf blieb aus.

Die Polizei löste Alarm aus und band sofort zahlreiche Beamte, eine Hubschrauberbesatzung sowie die Feuerwehr in die Suchaktion ein. Alle in Frage kommenden Gewässer wurden angefahren und kontrolliert. Gegen 22 Uhr entdeckten die Suchkräfte eine vermutliche Einbruchstelle auf der Eisdecke des etwa im Durchmesser 100 Meter messenden Sees. Die Einsatzkräfte entdeckten dort Schuhe, die den Vermissten zugeordnet werden konnten. Feuerwehrtaucher stiegen in das eiskalte Wasser. Gegen 0.45 Uhr entdeckten sie die leblosen Körper von Ragner und Bernd S., der Notarzt konnte allerdings nur noch den Tod der beiden feststellen.

Zweiter Sohn blieb daheim

Ersten Ermittlungen zufolge müssen Vater und Sohn noch einige Meter über die Eisfläche gegangen sein, bevor sie einbrachen. Maria Sch. gibt ihrem ehemaligen Lebensgefährten die Schuld an dem Tod ihres Kindes. "Er ist hier in der Gegend aufgewachsen und weiß, wo sich die Seen befinden und dass man sie bei Tauwetter nicht betreten darf. Wenn ich gewusst hätte, was er vorhat, hätte ich ihm Ragner nicht mitgegeben." Zunächst sollte auch der zweite gemeinsame Sohn Iron an dem verhängnisvollen Spaziergang teilnehmen, dies wurde in letzter Minute allerdings anders entschieden. Das frühere Paar lebt seit etwa sechs Monaten getrennt, einmal pro Woche kümmerte sich Bernd um seine Söhne. Weshalb er trotz Warnungen von Polizei und Feuerwehr mit seinem Kind auf den See ging, wird sein Geheimnis bleiben.

Die Einsatzkräfte weisen erneut darauf hin, dass das Betreten von Eisflächen auch nach mehreren Wochen mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt lebensgefährlich sein kann. Besonders nach milden Tagen besteht höchste Gefahr, einzubrechen und zu ertrinken. Eltern sollten deshalb ihre Kinder rechtzeitig und wiederholt auf die Gefahren beim Betreten von Eisflächen hinweisen und selber immer Vorbild sein.

Maria Sch. hat ein Foto in ihren Händen. Es zeigt ihren Sohn Ragner auf dem See, in dem er starb. Das Foto ist aus diesem Winter, Ragner hält einen abgebrochenen Ast in den Händen. Das Stück Holz lag gestern noch am Ufer.

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