Gehaltserhöhung

Berlins Lehrer bekommen bis zu 1200 Euro mehr

Angestellte Lehrer sollen ab August deutlich mehr Gehalt verdienen. Damit will Berlin die Abwanderung von Pädagogen in andere Bundesländer stoppen. Der Senat investiert 30 Millionen jährlich, plant aber keine Verbeamtungen. Die Gewerkschaft spricht von einer Mogelpackung.

Die Landesregierung will tief in die Tasche greifen, um die Abwanderung junger, gut ausgebildeter Lehrer zu stoppen. Am Dienstag wurde beschlossen, den rund 6000 angestellten Lehrkräften vom 1.August dieses Jahres an bis zu 1200 Euro brutto mehr Gehalt zu zahlen. Mit diesem Beschluss werden alle angestellten Lehrer in die Erfahrungsstufe 5 eingruppiert und erhalten von August an ein monatliches Bruttogehalt von 3846 Euro. Berlin zahlt damit bundesweit mit die höchsten Bruttogehälter in der Berufsgruppe der Lehrer.

Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) betonte, dass man die besten Lehrer in Berlin halten oder hierher holen wolle. „Der Senat stellt mit dieser Offensive die Konkurrenzfähigkeit der Hauptstadt in Bezug auf junge Lehrkräfte sicher“, sagte Zöllner. Der Senator hatte Anfang des Jahres eine bundesweite Regulierung des Themas angeregt. Die Länder müssten sich auf eine Obergrenze bei der Bezahlung verständigen, forderte er. Nur so könnte der bundesweite Konkurrenzkampf um gut ausgebildete Lehrer eingedämmt werden. Zöllner will sich auch weiterhin für eine derartige Absprache einsetzen.

Rose-Marie Seggelke, Vorsitzende der GEW Berlin, bezeichnete den Senatsbeschluss indes als „ausgemachte Mogelpackung“. Etwa die Hälfte aller angestellten Lehrkräfte erhalte keinen Cent mehr, rund 2000 erhielten zwischen weniger als 100 und 700 Euro mehr, sagte sie. „Dieser Senatsbeschluss ist ungeeignet, die Schere zwischen der Beamtenbesoldung und der Angestelltenvergütung zu schließen.“ Wenig motivierend sei auch die Aussicht, während eines langen Berufslebens mit keinerlei weiteren Gehaltssteigerungen mehr rechnen zu können.

Seggelke forderte den Senat zu Tarifverhandlungen auf, um finanzielle Bedingungen zu erreichen, die junge Lehrkräfte tatsächlich in Berlin halten können. Die jetzt beschlossene Erhöhung der Gehälter angestellter Lehrer ist durch eine Klausel im Tarifrecht möglich geworden, die eine endgültige übertarifliche Eingruppierung in der höchsten Erfahrungsstufe (5) ermöglicht. Die Lücke zu den verbeamteten Kollegen ist mit der neuen Reglung allerdings nicht geschlossen. Die verdienen in Berlin immer noch etwa 380 Euro netto mehr, als die angestellten Lehrer künftig verdienen werden.

Hintergrund der Berliner Gehaltsoffensive ist der Umstand, dass immer mehr Lehrer die Hauptstadt verlassen. Sie ziehen in Bundesländer, die sie besser bezahlen, im Gegensatz zu Berlin auch verbeamten und ihnen so eine unbefristete, feste Anstellung bieten können. Je nach Ausbildung und Anstellung verdienen sie dort zwischen 500 und 1000 Euro mehr.

Bisher waren Länder wie Baden-Württemberg, Hessen und Hamburg begehrte Ziele junger Berliner Pädagogen. Zum Teil wurden sie gezielt angeworben. Baden-Württemberg etwa plakatierte auch in Berlin; dort bekamen Lehrer bisher das bundesweit beste Gehalt.

Katja Volkmann, angestellte Lehrerin der Annedore-Leber-Grundschule, ist enttäuscht. „Die Unterschiede in den Berliner Lehrerzimmern sind damit nicht aufgelöst“, sagt sie. Sie wird sich auch weiter die ausgeschriebenen Stellen in den anderen Bundesländern ansehen. In einem Jahr hätte sie so wie sechs angestellte Kollegen ohnehin die fünfte Gehaltsstufe erreicht.

Auch Jonas Mücke ist nicht begeistert von dem Angebot. „Damit kann Berlin allenfalls einige Berufseinsteiger halten“, sagt der Lehrer für Englisch und Geschichte am Humboldt-Gymnasium in Tegel. Er werde auch weiterhin die Angebote der anderen Länder prüfen. Schließlich könne er dann in drei Jahren wieder als verbeamteter Lehrer nach Berlin zurückkehren und deutlich mehr verdienen.

Mieke Senftleben, bildungspolitische Sprecherin der FDP, sagte: „Mit seiner angeblichen Offensive rennt der Senat einem bereits abgefahrenen Zug hinterher. Denn zu viele teuer in Berlin ausgebildete Lehrer haben der Stadt bereits den Rücken gekehrt.“

Der bildungspolitische Sprecher der CDU, Sascha Steuer, sowie Özcan Mutlu, Bildungsexperte der Grünen, begrüßten die Anhebung der Lehrergehälter. „Warum der Senat erst handelte, als er sich einem regelrechten Exodus an jungen, gut ausgebildeten Pädagogen gegenübersah, ist nicht nachvollziehbar“, fügte Steuer hinzu.