Flughafen-Nutzung

Tempelhof-Mieter droht die Insolvenz

Der stillgelegte Flughafen Tempelhof hat einen neuen Nutzer, die Modemesse Bread & Butter. Doch was wird aus den vorhandenen Mietern? Ende des Jahres laufen die Verträge aus. Mehr als 1000 Arbeitsplätze stehen vor dem möglichen Aus.

Der Mietvertrag zwischen dem Land Berlin und der Modemesse "Bread & Butter" für den Flughafen Tempelhof droht, vorhandene Mieter der Hangars ins existenzielle Aus zu befördern. "Sollten wir am Standort Tempelhof nicht mehr fortbestehen, würde ein solides Unternehmen ruiniert, welches 1,47 Millionen Euro Steuergelder generiert und an dem 1020 Arbeitsplätze in Berlin hängen", sagte gestern der Geschäftsführer der Event Center Tempelhof (ECT) Airport GmbH; Andreas Grunszky.

Zum Ende dieses Jahres endet wahrscheinlich der Kontrakt mit der ECT - sollte es nicht noch eine Verständigung mit der Berliner Immobilien Managementgesellschaft (BIM) über eine Fortsetzung geben. Grunszky machte aber schon klar, dass das Angebot einer Nutzung über nur zehn Monate "nicht tragfähig" sei. Er müsse seine Mitarbeiter zwölf Monate beschäftigen, daher benötige er auch die gesamte Zeit des Jahres den Hangar. Wie berichtet, hat die Modemesse die Hangars des Flughafens Tempelhof für zehn Jahres gemietet, nutzt sie aber nur für zwei Monate im Jahr.

Um den volkswirtschaftlichen Nutzen seines Engagements am Standort deutlich zu machen, gab Grunszky eine Studie der Unternehmensberatung ghh consult in Auftrag. Danach haben die 63 Veranstaltungen der ECT im Jahr 2007 - Messen, Feiern, Kongresse, Dreharbeiten - rund 73.000 Personen nach Tempelhof gebracht. Durch ihren Aufenthalt in der Stadt erwirtschafteten sie einen Gesamterlös von 48,9 Millionen Euro in Hotellerie, Transportwesen und Einzelhandel.

In den kommenden Jahren könnte der Umsatz erheblich steigen, wenn die ECT, wie geplant, neben ihrem Hangar 2 auch noch den benachbarten Hangar 1 betreiben würde. Dann könnte man Veranstaltungen und Filmarbeiten noch besser koordinieren. Auch eine Kooperation mit dem Alliiertenmuseum sei bereits vereinbart worden.

Diese Idee hatte Grunszky schon 2003. Die Finanzierung stand, der Bauvorbescheid zum Umbau war da, doch Berlin wollte wegen der unklaren Zukunftsaussichten des Flughafens nicht längerfristig vermieten. Mit dem Konzept habe er sich, so Grunszky, auch beim Call for Ideas beworben, darauf verwiesen auch alle Ansprechpartner aus der Stadtentwicklungsverwaltung und der BIM. "Aber nach der Schließung des Flughafens gab es keine konkreten Gespräche", sagte der ECT-Geschäftsführer.

Hangar 1999 übernommen

Das Unternehmen fühlt sich getäuscht, obwohl es das nicht so offen ausspricht. Grunszky hält den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) für den wahren Entscheider - obwohl ihm immer vermittelt worden war, dass die Berliner Immobilien Management (BIM) die Geschäfte führe. "Aber die BIM ist nur eine Exekutive." Er habe zudem den Eindruck, "dass man sich mittelfristig nicht mit mir binden will". Grunszky bietet Investitionen von sieben bis acht Millionen Euro an.

In Ausbau und Heizung für den Hangar 2, den er 1999 übernommen hat, investierte er einst 1,2 Millionen Euro. Deswegen hält er die Angaben des Senats über den Mietvertrag mit "Bread & Butter" für unwahrscheinlich. Außerdem habe es in der Vergangenheit immer sehr viele Diskussionen mit dem Landesdenkmalamt über Umbauten gegeben. Jetzt sei darüber allerdings nichts bekannt geworden. Nach Angaben aus SPD-Kreisen soll die Modemesse jährlich etwa 1,6 Millionen Euro Miete zahlen.

Den Mieteinnahmen stehen Investitionen von öffentlicher Hand gegenüber. So hat sich offenbar das Land Berlin verpflichtet, fünf Millionen Euro für die Sanierung beziehungsweise den Neubau von Heizungs-, Elektro- und Belüftungsanlagen auszugeben. Außerdem sollen Hangars ausgebaut werden. Nach Angaben Grunszkys koste aber allein der Heizungsbau zwischen 600.000 und 700.000 Euro.

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