Evangelische Kirche

Drei Bewerber wollen Berliner Bischof werden

Für die Nachfolge von Bischof Wolfgang Huber (66) an der Spitze der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz gibt es drei Bewerber. Nominiert wurden zwei Männer und eine Frau. Zwei Namen, die im Vorfeld gehandelt wurden, fehlen allerdings.

Foto: ddp / DDP

Der Zettel hatte einige Überraschungen zu bieten. Schon deshalb, weil zwei Namen fehlten. Weder Christoph Markschies, Theologieprofessor und Präsident der Humboldt-Universität, noch Ellen Überschär, Generalsekretärin des Evangelischen Kirchentages, standen auf der am Freitag vorgestellten Liste mit den Kandidaten für das Bischofsamt der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO). Dabei waren Markschies und Überschär in den letzten Monaten sehr beliebte, weil überregional profilierte Spekulationsobjekte, wenn es um die Nachfolge des im Herbst in Ruhestand gehenden Bischof Wolfgang Huber (66) ging.

Doch weder Markschies, dem sich tatsächlich Ambitionen nachsagen ließen, noch Überschär wurden vom Bischofswahlkollegium präsentiert. Vielmehr stellte das von der Landessynode eingesetzte Gremium, das der Synode die Kandidaten für die Wahl im Mai empfehlen muss, drei Personen vor, von denen zwei ebenfalls Überraschungen waren. Die größte war Markus Dröge (54) aus dem Rheinland, bisher Superintendent in Koblenz. Aufmerken durfte man auch bei Johanna Haberer (52), Professorin in Nürnberg-Erlangen, von 2002 bis 2006 Sprecherin beim „Wort zum Sonntag“. Von selbst verstand sich nur der dritte Kandidat, Rüdiger Sachau (51), der nach derzeitigem Stand die größten Chancen haben dürfte.

Vom Autoschlosser zum Theologen

Denn erstens kennt sich Sachau, seit 2006 Direktor der Evangelischen Akademie am Französischen Dom, in Berlin aus. Zweitens hat er Erfahrungen mit den Neurosen auf kirchlichen Spitzenebenen, weil er von 2001 bis 2006 die Öffentlichkeitsarbeit der zerstrittensten deutschen Landeskirche, Nordelbien, in Hamburg leitete. Drittens ist er eng vernetzt mit jenen Reformern, die sich dem Strukturwandel widmen, den Huber als EKD-Ratsvorsitzender einleitete. Viertens ist der Niedersachse Sachau volksnah.

So erzählte er bei der Vorstellung am Freitag von seiner Lehre als Kfz-Mechaniker. „Wenn ich mit einem Kollegen unter dem Auto lag und das Öl in die Wanne tropfte, habe ich gern von Gott erzählt und mit dem Kollegen darüber diskutiert.“ Der Mensch, so Sachau, lebe halt nicht vom Brot allein, was ihm im elterlichen Pfarrhaus und in der kirchlichen Jugendarbeit aufgegangen sei.

Sachau, der erst nach der Autoschlosserlehre Theologie studierte, will die Kirche wieder stärker ins allgemeine Bewusstsein rücken. „Mir gefällt das Minderheitenbild nicht, das wir von uns haben. Pro Reli zeigt, wie viele Menschen sich für religiöse Fragen interessieren, und deshalb müssen wir so viel Attraktives ausstrahlen, dass die Leute gern kommen.“ Zudem wolle er die bisher nur abstrakten Beschlüsse zu kirchlichen Strukturreformen in Zeiten des Sparzwangs als „Teamspieler in Gemeinschaft mit den Gemeinden“ umsetzen.

Erlanger Professorin einzige Frau

Stärker aus Sicht der Laien argumentierte Johanna Haberer, die Evangelische Publizistik lehrt und Mitherausgeberin der Basiskirchenzeitschrift „Publik-Forum“ ist. Sie legte Wert auf die Diakonie für „Marktverlierer“ sowie auf evangelische Schulen für das „Bildungsprekariat“ in einer Zeit, „in der die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht“. Mit Blick auf den Streit um Pro Reli warnte sie davor, „den Religionsunterricht zum Thema von Macht- und Kulturkämpfen zu machen“.

Als Diplomaten-Sohn in Washington D.C. geboren

Dagegen konzentrierte sich Markus Dröge auf den Reformprozess in der Kirche, bei dem er die Bedeutung der Gemeindeautonomie hervorhob. Zudem will Dröge, der sich entwicklungspolitisch engagiert hat, das Verhältnis zu den Muslimen verbessern. Diesen müsse bei allen Gesprächen die „gleiche Augenhöhe“ zugestanden werden. „Das dialogische Prinzip scheint mir zuletzt etwas verloren gegangen zu sein“, sagte er in Anspielung darauf, dass die EKD unter Bischof Huber in den letzten Jahren auch Konflikte mit Muslimen riskierte.

Mit allen drei Bewerbern und dem Fehlen prominenter Namen macht das Wahlkollegium deutlich, dass sich die Landeskirche künftig vor allem den eigenen Problemen widmen soll. Davon gibt es genug. Die 1,2 Millionen Protestanten in Berlin und Brandenburg bilden keine große Gemeinschaft, sondern teilen sich schroff in verschiedene Gruppen auf. Da sind die wohlhabenden Gemeinden im Berliner Westen, wo massive Überalterung droht. Da sind die wachsenden, aber sehr auf junge Akademikerfamilien fixierten Gemeinden in Prenzlauer Berg oder Potsdam. Da sind glaubensfeste Lutheraner am Berliner Stadtrand, die ihre aus DDR-Zeiten stammende Einkapselung nicht recht überwinden. Und da sind Notstandsgebiete wie das Zechliner Land, wo es zu Protesten gegen unumgängliche, aber autoritär durchgesetzte Gemeindefusionen kam. In all diesen Gegensätzen Reformen einzuleiten und zugleich Gemeinschaft zu stiften, wird den neuen Bischof, die neue Bischöfin nach dem Amtsantritt im November vollauf in Anspruch nehmen.