Rundfunk

Ersatz für Radio Multikulti geht auf Sendung

Als im Mai 2008 bekannt wurde, dass Radio Multikulti eingestellt ist, war die Empörung groß. Doch es half nichts: Der RBB muss sparen. Silvester um 22 Uhr wird das internationale Radioprogramm nun ganz eingestellt. Und es gibt Ersatz: "MultiCult2.0" - im Internet.

Foto: ddp / DDP

Nach 14 Jahren stellt der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) am Mittwoch um 22 Uhr die Integrationswelle "Radio Multikulti" ein. Fünf Minuten später wird im Internet ein ähnliches Programm unter "MultiCult2.0" auf Sendung gehen, wie die Projektinitiatorin Brigitta Gabrin sagte. Neben bekannten Sendeformaten soll es viele Neuerungen im Programm geben. Der RBB stellt das Integrationsprogramm aus Kostengründen ein. Auf der bisherigen Frequenz 96,3 von "Radio Multikulti" soll künftig das WDR-Programm Funkhaus Europa zu hören sein.

Aus Protest gegen die Schließung haben sich etwa 15 ehemalige Mitarbeiter von Radio Multikulti zusammengefunden, die das Programm gestalten werden. "Wir wollten keine Sekunde ungenutzt lassen", sagte Gabrin. Gesendet wird als erste Station von dem Schiff "MS Heiterkeit All Around Music", das in ein Studio umfunktioniert wurde.

Finanziert wurde der Aufbau des Projekts "MultiCult2.0" durch Spenden. Im Januar soll nach Angaben der Initiatoren das derzeit informelle Bündnis in die Gründung einer gemeinsamen Gesellschaft münden. "Dafür streben wir den Status der Gemeinnützigkeit an", sagte die Initiatorin. Als zweitgrößter Medienstandort Deutschlands und als Hauptstadtregion brauche Berlin-Brandenburg ein multikulturelles Medium, das alle ethnischen Gruppen anspreche und verbinde. Berlins Bevölkerung bestehe zu über einem Viertel aus Migranten, unterstrich Gabrin. Dieses Hörerpotenzial sei die zentrale Zielgruppe des neuen Internetsenders.

Zunächst wird "MultiCult2.0" online zu hören sein. Mittel- und langfristig wird nach Angaben der Initiatoren das Ziel verfolgt, einen Sendeplatz in der Berlin-Brandenburger Radiolandschaft zu bekommen. Ein Vollprogramm werde es erst einmal jedoch nicht geben. In der Anfangsphase beginne das Wortprogramm ab 16 Uhr mit einer aktuellen Sendung, sagte Gabrin. Neben bekannten Sendungen würden auch neue Formate zu hören sein, fügte die Initiatorin hinzu.

"Multikulti war einzigartig, ersetzen können wir den Sender nicht", sagte Toshi Rösner von "MultiCult2.0". Knapp 1000 Nutzer können den Angaben zufolge anfänglich gleichzeitig das Internetradio nutzen. Die Verständigungssprache wird nach Angaben der Initiatoren Deutsch sein. Beiträge aus fremdsprachigen Sendungen sollen jedoch in das Programm einfließen.

Im Mai hatte der RBB beschlossen, zum Jahresende "Radio Multikulti", das zuletzt täglich im Schnitt rund 45.000 Hörer hatte, aus finanziellen Gründen einzustellen. In der kommenden Gebührenperiode fehlen der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt eigenen Angaben zufolge 54 Millionen Euro. Neben "Radio Multikulti" stellt der RBB auch die Sendung "Polylux" ein. Die letzte Sendung wurde am 18. Dezember ausgestrahlt.

ddp

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