Radio Berlin-Brandenburg

"Funkhaus Europa" löst Radio Multikulti ab

Ende des Jahres stellt Radio Multikulti seinen Betrieb ein. Der Sender RBB will so jährlich zwölf Millionen Euro sparen. Dann wird Funkhaus Europa die Frequenz übernehmen. Das Gemeinschaftsprogramm von WDR und Radio Bremen will sich inhaltlich an den Vorgänger anlehnen. Multikulti-Chefredakteurin Ilona Marenbach wechselt zu Radio Eins.

Weniger lokal als Radio Multikulti, aber ebenfalls mit multikulturellem Anspruch – so hat Jona Teichmann, die Programmdirektorin von Funkhaus Europa, am Freitag in Berlin das Programm von Westdeutschem Rundfunk (WDR) und Radio Bremen vorgestellt. Vom 1. Januar an wird es in Berlin auf der Frequenz von Radio Multikulti (96,3 MHz) zu hören sein. Das Programm wird auf Deutsch und in 14 weiteren Sprachen gesendet.

Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) stellt Radio Multikulti aus Kostengründen zum Jahresende ein. Der Sender will so 12 Millionen Euro sparen.

Geplant ist zunächst eine einjährige Kooperation zwischen RBB und WDR. Einige Programmteile sollen in Berlin produziert werden. Der RBB erhält dafür einen Zuschuss vom WDR. WDR-Hörfunkdirektor Wolfgang Schmitz nannte keine genaue Summe, sondern sprach von einem „mittleren sechsstelligen Betrag“. Fünf von ehemals 26 fest angestellten Redakteuren arbeiten künftig in Berlin für Funkhaus Europa.

Wie Radio Multikulti beschäftige sich auch Funkhaus Europa mit interkulturellen Fragen und Einwanderungsthemen, sagte Jona Teichmann. Auch die Musikfarbe beider Sender ähnele sich. „Bei uns gab es aber nie eine starke lokale Verwurzelung. Nordrhein-Westfalen ist ein Flächenland. Wir bedienen die gesamte Rhein-Ruhr-Schiene“, sagte die Programmdirektorin des 1999 gegründeten Funkhauses Europa. Außerdem sei das Programm im Land Bremen zu hören. Einen gesonderten Programmplatz für Berliner Themen werde es nicht geben. Klar sei aber, dass Aktuelles aufgegriffen werde.

Dafür sollen nach Angaben von Multikulti-Chefredakteurin Ilona Marenbach Berliner Redakteure Teile des russischen, polnischen und arabischen Programms nach Köln liefern. Auch das nächtliche Musikprogramm soll aus Berlin kommen.

Die restlichen festen Mitarbeiter von Radio Multikulti haben laut Marenbach neue Stellen beim RBB gefunden, gehen in Rente oder in den Vorruhestand. Auch rund 70 freie Mitarbeiter werden demnach weiterhin für den RBB arbeiten, circa 30 davon für Funkhaus Europa. Ilona Marenbach wird im kommenden Jahr als stellvertretende Chefredakteurin zum RBB-Sender Radio Eins wechseln.

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