Kesseltreiben am Alexanderplatz

Rattenjagd macht Berlins FDP unglücklich

Der Berliner FDP-Politiker Henner Schmidt will Bürger auf Rattenjagd schicken: Mit einer Treibjagd am Alexanderplatz sollen die Nager verscheucht werden, von denen es im Bezirk Mitte geschätzt eine halbe Million gibt. Der Vorschlag sorgt in der Partei für Ärger, FDP-Chef Martin Lindner nennt ihn "äußerst unglücklich". Jetzt hat Schmidt nachgelegt.

"Rattenbekämpfung in Mitte verstärken - Aktionen gegen die Rattenplage" - Henner Schmidt legt nach. Und rudert zurück Der Vorsitzende der FDP in Mitte und Fraktionsvize im Berliner Abgeordnetenhaus hatte vorgeschlagen, auf Rattenjagd zu gehen. "Vor allem Leute, die sonst auch Flaschen sammeln, könnten dann für jede tote Ratte einen Euro bekommen", hatte Schmidt dem "Berliner Kurier" gesagt. Dafür hatte Schmidt etwa das Erwerbslosen Forum Deutschland gegen sich aufgebracht. Und in der Berliner FDP war man auch nicht glücklich.

Nun versucht Schmidt den Eindruck zu entkräften, er wolle vor allem arme Berliner für die Rattenjagd einspannen. Vielmehr soll es um bürgerschaftliches Engagement gehen. Nach Angaben aus der FDP-Fraktion hat der 44-jährige Abgeordnete in weiteren Stellungnahmen klargestellt, dass er keinesfalls arme Menschen und Sozialhilfeempfänger zur Rattenjagd verpflichten wollte. Es sei ihm immer nur um freiwillige Aktionen, um bürgerschaftliches Engagement gegangen, um die Ratten zu bekämpfen.

In der Erklärung heißt es: "Wir haben ein großes Rattenproblem in Mitte, mit dem das Gesundheitsamt wegen mangelnder Mittel nicht allein fertig wird. Laut den Zahlen des Senats ist Mitte die Rattenhochburg unter den Bezirken." Die Tiere liefen für alle sichtbar herum, etwa auf dem Alexanderplatz oder in der Friedrichstraße. Ihre Zahl werde auf 300.000 bis 500.000 allein im Berliner Innenstadtbezirk geschätzt.

Schmidt schreibt weiter: "Es liegt deshalb nahe, zu überlegen, ob man Bürgern die Gelegenheit gibt, sich freiwillig an Gegenmaßnahmen gegen die Ratten zu beteiligen und entsprechende Maßnahmen zu organisieren." Ein finanzieller Anreiz könne dabei helfen. Der FDP-Politiker hatte zuvor vorgeschlagen, einen Euro pro tote Ratte zu zahlen. Einen solchen Antrag wollte die FDP-Fraktion am Donnerstag in das Bezirksparlament einbringen.

Nun soll auch der Tierschutz gewährleistet sein

Und, so Schmidt, die Aktionen müssten "unter fachkundiger Anleitung stattfinden, damit u.a. der Tierschutz gewährleistet ist". Das Aufstellen und Überwachen von Fallen könnten aber auch normale Bürger durchführen, die keine ausgebildeten Experten sind, schreibt Schmidt in seiner Erklärung.

Konkret hatte Schmidt eine Treibjagd von vielen Freiwilligen im Kreis auf dem Alexanderplatz vorgeschlagen. Ein paar Hundert Leute sollten einen engen Kreis bilden und gleichzeitig sollten die Nager aus den Blumenkisten und anderen Verstecken aufgescheucht werden. Am Alex registriert das Bezirksamt wegen der vielen Tiefbaumaßnahmen besonders viele Ratten.

Der Berliner FDP-Fraktionsvorsitzende Martin Lindner hält allerdings nichts von der Idee seines Stellvertreters Schmidt. Der Vorschlag sei "äußerst unglücklich und ungeeignet", sagte der Liberale. "Hinzu kommt, dass von Teilen der Medien der falsche Eindruck erweckt wurde, dem Kollegen Schmidt sei es um den gezielten Einsatz von Armen zur Bekämpfung der Rattenplage gegangen. Ich bin aber froh, dass Schmidt den entstandenen falschen Eindruck sehr schnell korrigiert hat."

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