Berliner Humboldt-Forum

Diese Stadtschloss-Entwürfe sind es nicht geworden

Heute fällt die Entscheidung zur Gestaltung des Humboldt-Forums – und des Berliner Stadtschlosses. Im Laufe der Debatte,waren nicht alle für die Rekonstruktion der Barockfassade. Morgenpost Online erinnert an die Gegenvorschläge.

Man kann nicht behaupten, dass es keine Alternativen gab. Wenn jetzt im Vorfeld der heutigen Entscheidung im Schloss-Wettbewerb wieder bedauert wurde, dass „neue, innovative Ideen“ keine Chance gehabt hätten, dann stellt sich die Frage, wo diese Kritiker die letzten 15 Jahre gelebt haben. Über 50 Entwürfe zum Teil renommierter Architekten sind in den letzten anderthalb Jahrzehnten veröffentlicht worden, teils in öffentlichen Wettbewerben, teils im privat organisierten Wettstreit der Ideen, teils in den Medien. Es war fast alles dabei: vom Erhalt des Palastes der Republik oder der minutiösen Rekonstruktion des gesamten Stadtschlosses über futuristische Entwürfe bis zur Idee des Düsseldorfer Architekten Christoph Ingenhoven, erst einmal für eine längere Zeit des Nachdenkens einen Park anzulegen.

Die allerersten Ideen wurden in einer Ausstellung parallel zur Schlossattrappe des Sommers 1993 veröffentlicht. Der Berliner Architekt Hans Kollhoff, heute ein Anhänger der Fassaden-Rekonstruktion, hatte damals einen modernen Bau in den Maßen des Stadtschlosses entworfen, in den nur die rekonstruierten Portale des Barockbaus eingesetzt werden sollten. Auch ein riesiger Wolkenbügel wurde vorgeschlagen – von Bolles & Wilson aus Münster.

Ein Jahr später wurde einer der größten städtebaulichen Wettbewerbe in der Geschichte Berlins veranstaltet, bei dem das gesamte Areal rund um den Schlossplatz mit einbezogen wurde. Der Sieger Bernd Niebuhr, ein junger Architekt aus Berlin, hatte im Zentrum einen modernen Bau im Volumen des Stadtschlosses mit einem ovalen Innenhof vorgeschlagen.

Viele Architekten folgten 1996 einem Aufruf des Berliner „Tagesspiegel“ und zeichneten ihre Vision der neuen Berliner Mitte. Auffällig war damals der Unernst, mit dem die meisten Baumeister ihre zum Teil verstiegenen Entwürfe zu Papier brachten.

Für einiges Aufsehen sorgte ein Vorschlag des Kanzleramts-Architekten Axel Schultes. Der machte sich anfangs einen Spaß daraus, seiner Idee eine erfundene Herkunft unterzuschieben. In einem Moskauer Archiv sei ein Entwurf von Karl Friedrich Schinkel für einen neuen Schlossplatz aufgetaucht, hieß es, und gezeigt wurde das Modell von Axel Schultes. Doch auch in Kenntnis des wahren Schöpfers entfaltete seine Idee einer Verlängerung des Lustgartens zu einem neuen Forum keine bleibende Wirkung.

Um einmal durchzuspielen, ob man private Investoren für einen Neubau am Schlossplatz gewinnen könne, schrieben der Bund und Berlin 1997/98 ein europaweites „Interessenbekundungsverfahren“ aus, an dem sich 14 Gruppen aus Bauträgern und Architekten beteiligten. Eine immer wieder auftauchende Idee fand sich auch dort wieder, nämlich vor den Palast der Republik ein „halbes“ Schloss zu setzen. Die Architekten des Hotel Adlon entwarfen einen Kubus in strengstem Klassizismus, der Kölner Thomas van den Valentyn einen pastellfarben schimmernden Glasbau.

Das Hamburger Großbüro von Gerkan, Marg & Partner, das später den neuen Hauptbahnhof bauen sollte, veröffentlichte im Jahre 2000 in der „Welt“ ihren Vorschlag: ein Kubus mit Glasfassaden, die rundherum mit Fotos der Barockfassaden in Originalgröße bedruckt werden sollten.

Wie wir heute wissen, hat keiner dieser Entwürfe die Fantasie des Publikums auch nur annähernd so angeregt wie die Vision der Schlüterschen Pracht in der Mitte Berlins. Wohl auch deshalb entschied sich der Deutsche Bundestag mit großer Mehrheit für die Rekonstruktion der Schlossfassaden.