Kinder aus dem Zug geworfen

Deutsche Bahn greift nun bei Schaffnern durch

Zum dritten Mal innerhalb weniger Wochen hat ein Schaffner ein Mädchen aus dem Zug geworfen. Nun zieht die Deutsche Bahn nun Konsequenzen. Die betroffenen Schaffner sind suspendiert. Mitarbeiter müssen sich nun persönlich verpflichten, Minderjährige auf jeden Fall mitzunehmen – auch ohne Ticket.

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Schon wieder ist ein junges Mädchen wegen eines fehlenden gültigen Fahrscheins bei einem Zwischenhalt aus einem Zug der Deutschen Bahn (DB) geworfen worden. Es ist bereits der dritte Vorfall dieser Art innerhalb weniger Wochen im Bereich der DB Regio Nordost, der die Bundesländer Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern umfasst.

Dieses Mal hat es eine 14-Jährige aus Brieselang (Landkreis Havelland) getroffen. Das Mädchen wollte am Montagmorgen mit dem Regionalzug von Spandau nach Nauen zur Schule fahren. Bei der Fahrscheinkontrolle kurz nach 7 Uhr konnte sie allerdings nur ein Freizeitticket vorweisen, das als Zusatz zum Schülerfahrausweis erst nach 14 Uhr gilt. Obwohl das Mädchen beteuerte, nicht gewusst zu haben, dass der Fahrschein erst nachmittags gilt, blieb die Zugbegleiterin hart. Sie bestand auf der Zahlung eines „erhöhten Beförderungsentgelts“. Da das Mädchen dieses nicht zahlen konnte, musste es unter Tränen den Zug in Albrechtshof (Staaken), vier Stationen vor dem Heimatort, verlassen. Dort holte es dann die Mutter mit dem Auto ab.

Die Deutsche Bahn bestätigte am Dienstag den neuerlichen Rauswurf. „Wir nehmen den Vorfall sehr ernst“, sagte ein Unternehmenssprecher. Das Verhalten der Zugbegleiterin sei nicht entschuldbar, da ein Aussetzen von Minderjährigen nicht erst nach den jüngsten Vorfällen verboten ist. Es gebe eine ganz klare Regelung, die allen Zugbegleitern bekannt sei. „Kinder und Jugendliche dürfen grundsätzlich nicht auf einem Unterwegshalt aus dem Zug verwiesen werden“, so der Bahnsprecher.

Bereits am vergangenen Mittwoch hatte ein Schaffner ein 13-jähriges Mädchen wegen eines ungültigen Fahrausweises in Wittstock (Ostprignitz-Ruppin) vor die Tür gesetzt. Die Schülerin hatte weder Geld noch ein Handy dabei und konnte nur aufgrund der Hilfsbereitschaft eines Taxifahrers in den 42 Kilometer entfernten Heimatort gelangen. Mitte Oktober hatte eine Zwölfjährige in Bad Doberan in Mecklenburg-Vorpommern einen Zug an einem fast menschenleeren Bahnhof verlassen und in der Dunkelheit zu Fuß nach Hause laufen müssen. Auch sie konnte der Schaffnerin kein gültiges Ticket vorweisen.

Bahn verschickt 750 SMS mit Dienstanweisung

Auf den neuerlichen Vorfall reagierte die Bahn mit einer SMS auf die Handys aller 750 Kundenbetreuer, die im DB-Regio-Bereich Nordost im Einsatz sind. Darin wird nochmals auf das Verbot hingewiesen, Kinder und Jugendliche aus dem Zug zu werfen. Zudem ordnete die Bahn an, dass in den turnusmäßigen Schulungen das Verhalten gegenüber Minderjährigen gesondert behandelt wird. Dritte Maßnahme: Die Kundenbetreuer müssen die Verhaltensanweisung der Bahn per Unterschrift bestätigen.

In den drei konkreten Fällen hat die Bahn die Zugbegleiter vom Dienst suspendiert. Sie müssen mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen – etwa einer Abmahnung oder einer Versetzung – rechnen. Eine Strafanzeige gegen den Schaffner im Zug nach Neuruppin wird es aber nach Prüfung des Sachverhalts nicht geben, sagte ein Sprecher der Bundespolizei.

Der Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB), Hans-Werner Franz, kritisierte das Verhalten einzelner Zugbegleiter als „nicht akzeptabel“. Natürlich müsse jeder Fahrgast für seine Fahrt bezahlen. Es müsse aber auch klar sein, dass „Kinder nicht bei Wind und Wetter aus dem Zug geworfen werden dürfen.“