Verkehr

ADAC will Berliner Schilder-Wald lichten

Nach Ansicht des Berliner ADAC kann jedes dritte Verkehrszeichen, das die Geschwindigkeit begrenzt, Baustellen ankündigt oder einen Parkraum anzeigt, in der Stadt abgebaut werden – insgesamt 88.000 Schilder. Rückenwind bekommt der Automobilklub dabei auch von der Bundesregierung.

Foto: dpa

Wer mit seinem Auto am Donnerstag kurz vor dem Brandenburger Tor stoppte, wurde in einen schweren Konflikt gestürzt. Die Gewissensfrage lautete: „Darf ich hier nun parken oder nicht?“ Antwort darauf sollen eigentlich die Verkehrsschilder am Straßenrand geben. Doch das dafür verantwortliche Bezirksamt Mitte macht es dem Autofahrer nicht leicht: Aussagen von gleich zehn Verkehrs- und Zusatzschildern auf einmal hat dieser zu entschlüsseln.

Für den ADAC Berlin-Brandenburg ist der Schilderpfahl an der Straße des 17.Juni ein besonders krasser Fall von Unübersichtlichkeit im Straßenverkehr. „Solche Verkehrszeichen sind kontraproduktiv, unverständlich und helfen dem Autofahrer nicht. Im aktuellen Fall sind sie sogar widersprüchlich“, kritisiert ADAC-Verkehrsvorstand Eberhard Waldau. Doch nicht nur in Mitte, auch am Kurfürstendamm, an Baustellen und in Parkzonen würden viele Hinweisschilder stehen, die die Autofahrer gar nicht wahrnehmen könnten.

Der Automobilklub fordert den Senat und die Bezirke auf, endlich den Schilderwald gezielt zu lichten. Nach Schätzungen des ADAC könnte in Berlin jedes dritte der stadtweit etwa 250000 Verkehrsschilder aus dem Straßenbild verschwinden. Das Geld, so Waldau, sollte besser für die Wartung der wirklich notwendigen Schilder ausgegeben werden. Zugleich fordert der ADAC, kontinuierlich zu prüfen, ob Schilder sinnvoll seien oder nicht.

„Zehn Verkehrsschilder an einem Mast sind definitiv zu viel“, sagt auch Jens Schade, Verkehrspsychologe an der Technischen Universität Dresden. Das Problem zu vieler Informationen an einem Ort sei, dass einige vom Autofahrer überhaupt nicht wahrgenommen würden. „Das ist im Prinzip so, als wenn dort überhaupt kein Schild stände“, so Schade. Quintessenz: Weniger ist manchmal mehr.

In der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung wird jedoch die Einschätzung des ADAC, dass jedes dritte Verkehrsschild in Berlin überflüssig sei, nicht geteilt. „Grundsätzlich ist das Aufstellen von Schildern in Berlin klar geregelt“, sagt Sprecherin Manuela Damianakis. Sie räumt aber ein: „In einer Großstadt wie Berlin kann es immer auch mal Absurditäten geben.“ Gegen die werde vonseiten der Senatsverwaltung konsequent vorgegangen.

„Das ist sicher eine nicht ganz glückliche Häufung von Verkehrsschildern“, sagt Harald Büttner, Leiter des Straßen- und Grünflächenamtes Mitte, über den Schilderbaum an der Straße des 17. Juni. Allerdings seien drei der zehn Schilder auf eine ganz konkrete Zeit – „wahrscheinlich eine Veranstaltung am Wochenende“ – begrenzt. Anschließend würden sie wieder entfernt. „Grundsätzlich hängen wir kein Schild auf, das wir nicht aufhängen müssen.“ Das sei nicht zuletzt eine Frage des Geldes. Schon ein einfaches, kleines Hinweisschild koste um die 20 Euro. Bei einem Mast komme man schnell auf 180 Euro. „Geld, das uns etwa für den Unterhalt von Straßen fehlt.“ Daher gebe es auch regelmäßig gemeinsame Begehungen mit dem Ordnungsamt und der Polizei mit dem Ziel, unnötige Verkehrsschilder entfernen zu lassen.

Dass dies nicht wie gewünscht möglich sei, hänge auch mit der Streitlust der Berliner etwa nach Geschwindigkeitsüberschreitungen oder Parkvergehen zusammen. „Verkehrsrichter fordern, dass die Ausschilderung ganz eindeutig sein muss.“ Also müsse es für jedes Detail etwa einer Parkregelung auch ein Schild geben.

Auch für den Schilderwald an der Straße des 17. Juni gibt es laut Büttner eine Auflösung: „Das bedeutet: absolutes Halteverbot – für Pkw nur für das Be- und Entladen frei; Busse können in der Zeit von 8 bis 18 Uhr eine Stunde lang mit Parkscheibe parken; Autofahrer mit Anwohnervignette können in der Parkzone auch länger als eine Stunden parken.“ Allerdings nicht am 8.November zwischen 10 und 17Uhr. Alles klar?

Wenn Sie auf Berlins Straßen ähnliche Schilder-Häufungen entdecken, schicken Sie ein Foto an Schilderwald@morgenpost.de