Spitzenforschung

Superstiftung soll Forscher-Elite nach Berlin holen

Lange war sie umstritten - die Elitestiftung, die Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) gründen wollte. Die Berliner Universitäten fürchteten, dass eine solche Stiftung die eigene Forschung gefährden würde. Nun aber kommt sie doch – und zwar noch in diesem Jahr.

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In der Hauptstadt soll noch Ende dieses Jahres die Einstein-Stiftung Berlin zur Förderung von Spitzenforschung gegründet werden. Das Stiftungskapital soll fünf Millionen Euro betragen. „Eine entsprechende Senatsvorlage ist in Vorbereitung“, sagte Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD) gestern auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz.

Der Senator betonte ausdrücklich, dass die vier Berliner Universitäten sowie die außeruniversitären Einrichtungen seinem Plan einvernehmlich zugestimmt haben. Die Stiftung solle dazu beitragen, dass Berliner Wissenschaftler international mehr wahrgenommen werden.

Mit der Bekanntgabe seines Vorhabens hat Wissenschaftssenator Zöllner nach monatelangen Diskussionen um die Förderung der Spitzenforschung Tatsachen geschaffen. Während die Präsidenten der Humboldt - (HU) und der Technischen Universität (TU), Christoph Markschies und Kurt Kutzler, die Gründung der Einstein-Stiftung begrüßten, kündigte die Freie Universität (FU) an, die Stiftungskonstruktion prüfen zu wollen.

„Ich bin außerordentlich glücklich darüber, dass die Stiftung jetzt gegründet werden soll“, sagte HU-Präsident Christoph Markschies. Die Wissenschaftler stünden seit langem in den Startlöchern und könnten nun endlich loslegen. Markschies geht davon aus, dass die Universitäten gemeinsam mit den außeruniversitären Einrichtungen viele Förderanträge bei der Stiftung einreichen werden, darunter auch verschiedene Projekte, die im Exzellenz-Wettbewerb des Bundes nicht gefördert worden waren.

Zöllner will Unis mehr Geld verschaffen

Die Technische Universität habe bereits zwei Forschungsprojekte im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnik sowie der Physik vorgeschlagen, sagte TU-Präsident Kurt Kutzler. „Ich hoffe, dass in absehbarer Zeit entschieden wird, wie die Projekte im Detail gefördert werden können“, so Kutzler.

Mit seinem gestern verkündeten Plan hat sich Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner schließlich auch über Forderungen der Freien und der Technischen Universität hinweggesetzt, deren Präsidenten Dieter Lenzen und Kurt Kutzler ihre Zustimmung zur Stiftung immer wieder von einer deutlich höheren Grundfinanzierung der Universitäten von 2009 an abhängig gemacht hatten. Der Senator habe zugesichert, dass er sich in den Haushaltsverhandlungen für eine bessere Finanzierung der Universitäten einsetzen werde, sagte jetzt TU-Präsident Kutzler. FU-Präsident Dieter Lenzen wollte sich gestern nicht äußern.

Laut Zöllner soll die schlanke Dachstiftung als Stiftung öffentlichen Rechts gegründet werden, die 2008 und 2009 jeweils 30 Millionen Euro sowie 2010 und 2011 je 40 Millionen Euro aus dem Landeshaushalt verteilen soll. Auch private Spender sind willkommen.

Stiftung ist Zöllners Kompromiss

Die Einstein-Stiftung soll die Zusammenarbeit der Berliner Universitäten mit den außeruniversitären Einrichtungen stärken und internationale Top-Wissenschaftler akquirieren. Zum Vorstand der Stiftung sollen neben anderen Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner sowie Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) und der Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Günther Stock, gehören. Darüber hinaus werde es einen Stiftungsrat aus sieben Personen geben, darunter exzellente Wissenschaftler und Wissenschaftsmanager, sagte Zöllner. Die Förderentscheidungen seien auf diese Weise vor allem wissenschaftsgeleitet, so Zöllner.

Die jetzt geplante Einstein-Stiftung gilt als Kompromiss. Ursprünglich wollte Wissenschaftssenator Zöllner ein International Forum of Advanced Studies, schnell als „Super-Uni“ bezeichnet, einrichten, das Spitzenforscher aus dem In- und Ausland anlocken und selbst über ein Promotionsrecht verfügen sollte. Diese Pläne stießen insbesondere bei der Freien Universität und der Technischen Universität auf Widerstand. Sie fürchteten um ihre Kompetenzen und wollten vor allem einen Abzug von eigenen Spitzenwissenschaftlern verhindern.

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