Berliner Schuluntersuchungen

Arme Kinder sind dicker als wohlhabende

Mädchen und Jungen aus der Unterschicht sind öfter krank als ihre Mitschüler aus Mittel- und Oberschicht. Arabische und türkische Kinder sind zu 20 Prozent übergewichtig; ein Großteil spricht bei der Einschulung kein deutsch. Besuchen sie jedoch eine Kita, sind sie auch gesünder, zeigt ein Untersuchung des Berliner Senats.

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Die gesundheitliche Situation Berliner Schulanfänger hat sich zwar leicht verbessert, es bleibt aber bei deutlichen Unterschieden zwischen Kindern aus sozial schwachen und solchen aus besser gestellten Familien. Das hat zeigt der Bericht der Senatsverwaltung für Gesundheit über die Ergebnisse der 27.400 Einschulungsuntersuchungen von 2006.

Jedes dritte Kind stammt aus einer Familie mit ausländischen Wurzeln. 3500 konnten zum Zeitpunkt des Schulanfangs nicht oder kaum deutsch. Die Daten wurden jedoch erhoben, ehe der Senat Deutsch-Tests im Vorschulalter verpflichtend eingeführt hat.

Die Sozialämter und andere Experten, denen die Daten bei ihrer Arbeit helfen soll, werden erneut auf die Unterschiede zwischen den sozialen Gruppen gestoßen: So weisen Kinder aus der unteren sozialen Schicht nur zu 72 Prozent ärztlich versorgte Zähne auf, aus der Oberschicht sind es 94 Prozent. Fast jedes fünfte Kind aus armen Familien ist zu dick, aber nur jeder 20. Sprössling wohlhabender Eltern. Eklatant mehr Probleme mit Übergewicht als der Durchschnitt aller Schulanfänger haben Kinder aus türkisch- oder arabischstämmigen Familien. 24 Prozent der kleinen Türken und 18 Prozent der Araber sind zu dick. Unter den Kindern deutscher Herkunft sind es knapp 9 Prozent. Entsprechend sind in den Bezirken, in denen Besonders viele Einwandererfamilien und sozial Schwache leben, die Anteile von übergewichtigen Kindern deutlich höher als in den besser gestellten Stadtteilen. Zwar sei Übergewicht und Fettleibigkeit noch kein Gesundheitsproblem für Kinder, stellen die Autoren des Berichtes fest. Es sei aber bereits für Sechsjährige aktive Gesundheitsförderung notwendig, damit diese Kinder zu normalgewichtigen Erwachsenen werden.

Deutlich weniger Kinder als früher sind laut Untersuchung zu Hause den Gefahren des Passivrauchens ausgesetzt. 2005 gaben 52 Prozent an, dass kein Elternteil raucht. 2006 waren es schon knapp 57 Prozent. Auch der Tabakkonsum und die daraus erwachsene Gesundheitsgefährdung ist im Wesentlichen ein Phänomen der unteren sozialen Schicht. Nur ein gutes Drittel der armen Kinder genießt ein rauchfreies Zuhause, aber 77 Prozent der Oberschicht-Kinder.

Auch der Fernsehkonsum der Fünf- bis Sechsjährigen ist zurückgegangen. 2005 gaben 6,3 Prozent der Eltern an, ihr Kind sehe gar nicht fern. 52,5 Prozent bezifferten den täglichen Konsum auf 60 Minuten oder weniger. Ein Jahr später war der Anteil der TV-abstinenten Kinder auf 8,6 Prozent gestiegen, der Prozentsatz derjenigen, die weniger als eine Stunde täglich gucken, auf 58 Prozent. Statt 18,2 Prozent im Jahr 2005 gaben nur noch 16,5 Prozent an, einen eigenen Fernseher zu haben. Aber wieder sind es die Kinder aus der Unterschicht und den türkischen, arabischen oder osteuropäischen Familien, die erheblich mehr Zeit vor dem Bildschirm verbringen und über einen eigenen Fernseher verfügen als ihre Altersgenossen mit deutschem Hintergrund.