Wasserbetriebe

"Heilquelle" ist nur Panke-Wasser

Es wäre so schön gewesen. Doch jetzt haben die Berliner Wasserbetriebe dem "Wunder vom Gesundbrunnen" ein Ende bereitet. Die "Quelle" im Keller eines Mietshauses entpuppte sich als stark verschmutztes Grundwasser.

Foto: Massimo Rodari / Rodari

Bei der Anfang Juli von Pfarrer Thomas Gärtner in der Badstraße in Wedding entdeckten "Heilquelle" soll es sich lediglich um "stark verschmutztes Grundwasser" handeln, "versetzt mit wenig sauberem Wasser der nahen Panke".

Herber Schlag für den Theologen und Hobby-Analytiker sowie die "Wedding-Initiative". Gemeinsam haben sie seit der Entdeckung der vermeintlichen Quelle im Hinterhaus der Badstraße 35 zahllose Neugierige in die Kellerräume geführt. Ihrer Meinung nach soll es sich um die Heilquelle des Gesundbrunnens gehandelt haben, die seit mehr als 100 Jahren als verschüttet galt. Sie legten dazu ein Wassergutachten des "Instituts Wasserkontor" vor. Die Wohnungsbaugesellschaft Gesobau (ihr gehört das Haus) jubelte über "wiederentdecktes Berliner Kulturgut" und signalisierte Hilfe bei der Vermarktung.

Das ist nicht mehr nötig. Nach Auskunft der Wasserbetriebe wurde eine Wasserprobe entnommen, strengstens analysiert und bewertet. Demnach sei das geprüfte Wasser "kein Quellwasser". Verglichen mit den Inhaltsstoffen der in der Nähe fließenden Panke würden pH-Wert, Eisen, Nitrat, Zink und Säurekapazität denen des Flusses entsprechen. Zudem wurden sehr hohe Konzentrationen von Kalium und TOC (Total Organic Carbon) gefunden. Das sind Anzeichen für starke Verschmutzungen. Die hohe Kaliumkonzentration könnte von einem verschmutzten Pumpensumpf kommen, heißt es.

Fazit der Wasserbetriebe: Aufgrund der chemischen Zusammensetzung der Wasserprobe ist davon auszugehen, dass es sich um ein durch Oberflächenwasser beeinflusstes Grundwasser handelt.

Damit bleibt die Quelle des Gesundbrunnens verschwunden. Nach Unterlagen soll sie 1882 verschüttet worden sein, als die Badstraße eine Kanalisation erhielt.

Weder das Institut Wasserkontor noch Pfarrer Thomas Gärtner waren am Donnerstag für eine Stellungnahme zu erreichen.

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