Asbestverseuchte Immobilie

Jetzt wird der Steglitzer Kreisel umgebaut

Das Land Berlin möchte den Steglitzer Kreisel lieber heute als morgen loswerden. Doch für das asbestverseuchte 118 Meter hohe Hochhaus an der Schloßstraße findet sich kein Käufer. Nun soll die Immobilie mit Steuergeld zurückgebaut werden. Saniert ist sie dann aber immer noch nicht.

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Nach acht Monaten Leer- und Stillstand kommt Bewegung in den Steglitzer Kreisel: Nachdem sich auch im dritten Anlauf kein Käufer für das asbestbelastete Hochhaus an der Schloßstraße gefunden hat, will das Land jetzt die Asbestsanierung selbst übernehmen. „Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) hat entschieden, dass die Planungen für diese Arbeiten eingeleitet werden“, sagt sein Sprecher Matthias Kolbeck. Planungs- und Bauleistungen müssten europaweit ausgeschrieben und vergeben werden. „Wir rechnen damit, in einem Jahr mit der Asbestsanierung zu beginnen“, sagt Kolbeck. Etwa 17 Millionen Euro wird der Rückbau bis auf das Stahlskelett kosten.

Damit hat das Warten auf einen Investor, der das asbestverseuchte Gebäude kauft, ein Ende. „Wir können die Sanierung nicht ewig vor uns herschieben“, so der Sprecher. Allerdings habe man die Hoffnung, den Kreisel doch im unsanierten Zustand zu verkaufen, noch nicht zu Grabe getragen. Die Verkaufsbemühungen würden nicht abgebrochen; der Liegenschaftsfond bleibe offen für Käuferanfragen.

In der Senatsfinanzverwaltung gilt es jetzt als die wahrscheinlichere Variante, dass sich ein Käufer findet, wenn das 118 Meter hohe ehemalige Verwaltungsgebäude vom Asbest befreit ist. Darauf beruhen offenbar auch alle Hoffnungen. Denn ein eigenes Konzept, was aus dem Stahlskelett werden könnte, gibt es noch nicht. „Büroräume für das Land Berlin kommen auf keinen Fall mehr hinein“, sagt Kolbeck. Vorstellbar seien zum Beispiel Wohnungen. Aber alle Ideen hingen von der künftigen Marktlage ab. Für die Asbestsanierung werden etwa zwei Jahre veranschlagt

Dass ein „hohler Zahn“ über Jahre an dem prominenten Steglitzer Standort zurückbleibt, ist die größte Sorge des Miteigentümers des Kreisels, Becker & Kries. Dem Immobilienunternehmen gehört der Sockel des Hochhauses mit Hotel und Ladenpassage. Schon vor Jahren wurde dieser Teil asbestsaniert und wiederhergestellt. Das Gleiche erwartet das Unternehmen jetzt auch vom Land Berlin. Noch seien sie weder vom Land noch vom Liegenschaftsfonds über die Asbestsanierung informiert worden, sagt Geschäftsführer Christian Kube. Sollte diese Entscheidung gefallen sein, zeuge das von der Konzeptlosigkeit des Landes. „Die Pläne gehen über das Stahlskelett nicht hinaus“, kritisiert er.

Auch Klaus-Peter von Lüdeke, baupolitischer Sprecher der FDP-Fraktion, sieht in den gescheiterten Verkaufsversuchen und den derzeitigen Plänen „ein Armutszeugnis für den Senat“. Es dokumentiere die Phantasielosigkeit, das asbest- belastete Gebäude mit all seinen Risiken loszuwerden. „Wenn diese 17 Millionen Euro ausgegeben sind, steht ein entkerntes und asbestfreies Baugerippe am Kreisel, mehr nicht“, so Klaus-Peter von Lüdeke. Um das Gebäude wieder nutzbar zu machen, könnten leicht 100 Millionen Euro zusammenkommen.

Wiederherstellung des Äußeren gefordert

Becker & Kries hat bereits eine Klage gegen das Land laufen, in der das Unternehmen die Wiederherstellung der Fassade fordert. „Wir haben uns in einer gemeinsamen Erklärung verpflichtet, unser jeweiliges Teileigentum dauerhaft in einem guten Zustand zu erhalten“, erläutert Christian Kube. Bleibe ein Stahlskelett zurück, könne davon keine Rede sein. Das Immobilienunternehmen hatte dem Land lange vor dem Auszug der Verwaltung im November 2007 angeboten, die Asbestsanierung und den Wiederaufbau des Kreisels zu übernehmen. Das Land sollte sich im Gegenzug verpflichten, das Gebäude über Jahre für die Verwaltung zurückzumieten. Weil Berlin noch viele leerstehende landeseigene Immobilien hat, zog der Senat es vor, die Bezirksamtsmitarbeiter auf mehrere Standorte zu verteilen oder sie in ihren eigenen Häusern unterzubringen.

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