Mauerfall

30 Jahre Mauerfall in Berlin: Hier wird gefeiert

Seit Montag wird an sieben Originalschauplätzen in Berlin der 30. Mauerfall-Jahrestag gefeiert. Hier können Sie mitfeiern.

So feiert Berlin 30 Jahre Mauerfall

Eine Nacht voller Emotionen. Am 09. November fiel die Berliner Mauer. 30 Jahre später feiern die Menschen am Brandenburger Tor. Erleben Sie die schönsten Bilder.

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Berlin. 30 Jahre nach dem Mauerfall hat Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) an den Mut und die Entschlossenheit der DDR-Bürger im Wendeherbst erinnert. Sie hätten 1989 mit ihren Rufen nach Freiheit, Demokratie und freien Wahlen die Mauer immer mehr ins Wanken gebracht und sie schließlich gesprengt, sagte der SPD-Politiker am Freitag bei einer Feierstunde im Abgeordnetenhaus.

„Mit ihrem Mut brach die Macht derer, die sie seit 40 Jahren missbrauchten“, so Müller. „Mit ihrem Mut brachten sie die Diktatur zu Fall. Was für eine unglaubliche Leistung und was für ein großes Glück.“ All diesen Menschen gebühre Anerkennung und Respekt.

Zum Mauerfall-Jubiläum gehöre aber auch, eine kritische Bilanz der vergangenen 30 Jahre zu ziehen. „Manche Entscheidungen hätten im Rückblick vielleicht auch mit etwas mehr Ruhe getroffen werden können. So allein bei den Zeugnissen unserer Geschichte, bei den Mauerstücken oder auch beim Umgang mit dem Palast der Republik.“ Der war zugunsten eines Neubaus des Stadtschlosses abgerissen worden.

30 Jahre Mauerfall in Berlin: Festwoche an sieben Originalschauplätzen

Zum 30. Jahrestag des Mauerfalls am 9. November erinnert Berlin mit einer ganzen Festwoche an die historischen Ereignisse. An insgesamt sieben Originalschauplätzen verwandelt sich die Stadt von Montag bis Sonntag in ein großes Veranstaltungsgelände.

„Wir wollen die Demokratie und den Sieg des Kampfes auf der Straße gegen Diktatur und für Menschenrechte feiern“, sagt Moritz van Dülmen, Geschäftsführer der verantwortlichen Kulturprojekte GmbH. Der 9. November 1989 sei der glücklichste Tag der deutschen Hauptstadt und für die Berliner „wichtiger als Weihnachten und Silvester zusammen“.

30 Jahre nach Fall: Mauer bleibt Touristenmagnet
30 Jahre nach Fall: Mauer bleibt Touristenmagnet

Mauerfall in Berlin: 200 kostenlose Veranstaltungen

Insgesamt gibt es mehr als 200 kostenlose Konzerte, Lesungen, Theater- und Filmaufführungen sowie Diskussionsrunden, die sich auch kritisch mit den Folgen der Wiedervereinigung vor allem in den ostdeutschen Ländern auseinandersetzen.

Im Fokus stehen dabei die Schauplätze in Berlin, an denen die friedliche Revolution stattgefunden hat. Dort werden die historischen Ereignisse jeweils in Freiluftausstellungen aufgegriffen. An sechs der sieben Orte werden nach Einbruch der Dunkelheit außerdem großformatige Lichtinstallationen auf Fassaden projiziert.

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30 Jahre Mauerfall: An diesen Berlin Orten wird das Jubiläum gefeiert

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Brandenburger Tor

Die auffälligste Kunstaktion der Jubiläumswoche kann an der Straße des 17. Juni bestaunt werden. Der US-amerikanische Künstler Patrick Shearn hat 30.000 Botschaften und Wünsche zu einem bunt schillernden Farbband über der Straße bis zum Brandenburger Tor verknüpft, das scheinbar schwerelos im Wind schwebt. Die ganze Woche über ist die Installation „Wall of Opinions“ zu sehen, die Menschen hinter sechs Grenzmauern zeigt.

30 Jahre Mauerfall: Die Party-Vorbereitungen am Brandenburger Tor
30 Jahre Mauerfall: Die Party-Vorbereitungen am Brandenburger Tor

Am Sonnabend den 9. November wird der Mauerfall-Jahrestag am Brandenburger Tor ab 17.30 Uhr mit einer großen Bühnenshow gefeiert. Nach der Eröffnung durch Berlins Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD), Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und die ehemalige Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen Marianne Birthler, soll es eine multimediale Show geben. Die Straße des 17. Juni war bereits Sonnabendmittag gesperrt.

Diese Künstler treten bei der Show am Brandenburger Tor auf:

  • Die Staatskapelle unter der Leitung von Daniel Barenboim
  • DJ-Legende WestBam
  • der Leipziger Sänger Dirk Michaelis
  • das Rap-Duo Zugezogen Maskulin
  • Anna Loos
  • Banda Internationale
  • Die Zöllner
  • Trettmann

Daneben sind Schauspieleinlagen, Tanzperformances, Zeitzeugengespräche, Lichtshows und ein Feuerwerk geplant. Die Veranstaltung beginnt um 17.30 Uhr. Wegen erhöhter Sicherheitsvorkehrungen ist eine frühe Ankunft empfohlen.

Bühnenshow zum Mauerfall am Brandenburger Tor: Der Zeitplan

Die Veranstaltung am Brandenburger Tor wird eröffnet mit einer Begrüßung des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Michael Müller (SPD), sowie Ansprachen des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und Marianne Birthler.

  • 17.20 Uhr: Vorprogramm mit Banda Internationale
  • 18 bis 20.15 Uhr: Bühnenshow mit Musik, Performances und Schauspiel
  • 20.15 bis 22 Uhr After-Show Party mit Westbam und weiteren DJ's

Das ZDF überträgt die Sendung "30 Jahre Mauerfall - Jubiläumsfeier in Berlin" live von 18 bis 20.15 Uhr.

Alkoholische Getränke und Flüssigkeiten über einem halben Liter Volumen sowie in Glasflaschen sind auf dem Gelände nicht gestattet. Darüber hinaus können nur Gepäckstücke bis maximal DIN A4-Format mitgebracht werden. Davon ausgenommen sind Gehhilfen, Rollstühle, Kinderwagen und ähnliches.

Gedenkveranstaltung in der Gedenkstätte Berliner Mauer

Die zentrale Gedenkveranstaltung zum 30. Jahrestag des Mauerfalls in der Gedenkstätte Berliner Mauer am Sonnabend, den 9. November 2019, wurde live im Fernsehen übertragen.

Auf dem Programm standen Ansprachen der Bundeskanzlerin Angela Merkel, des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier sowie des Bischofs der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge.

Viele Menschen aus der Nachbarschaft waren gekommen, um die Ankunft der prominenten Gäste aus der Nähe zu sehen. Auch Georg Silberkuhl (68), der seit 1982 in Wedding wohnt. Er erinnert sich an den Abend des 9. November 1989. "Wir sind zuhause geblieben, weil wir hofften, dass die Verwandten aus dem Ost-Teil der Stadt kommen." Aber die trauten sich noch nicht rüber. "Deshalb haben wir sie dann später besucht." Georg Silberkuhl war Busfahrer bei der BVG. Zum Mauerfall sagt er: "Ein tolles Ereignis. Ein Glück, dass das Monstrum weg ist. Und dass wir auch ungehindert in die herrliche Umgebung von Berlin fahren können. " Der einzige Nachteil, so der langjährige Anwohner mit einem Augenzwickern: "Wir haben mehr Lärm hier. Früher war es ruhiger."

Einen Livestream zur Veranstaltung gibt es hier.

Kurfürstendamm und Breitscheidplatz

In der Performance „Die Legende von Sorge und Elend“ präsentierten am Dienstag Künstler ihre Sicht auf Träume, Lebenslügen und den Preis der Freiheit. Im Erzählcafé berichteten die Zeitzeugen Wolfgang Templin, Ewa Maria Slaska, Györgi Dalos, Adam Krzemiński und Felice Maltzahn am Mittwoch über ihre Erlebnisse rund um den Mauerfall. In der Infobox am Breitscheidplatz beleuchten die Autoren Kira von Moers und Andreas Göx die West-Berliner Sicht auf den Mauerfall (Sonntag, 14 bis 16 Uhr, auf Englisch).

East Side Gallery

Das größte noch zusammenhängende Teil der Mauer zwischen Friedrichshain und Kreuzberg wurde im Frühjahr 1990 von 118 Künstlern aus 21 Ländern bemalt und in die East Side Gallery verwandelt. Eine Führung in leichter Sprache bringt die Geschichte der East Side Gallery nahe. Sie richtet sich an Menschen mit kognitiven Schwächen, Lese- und Lernschwierigkeiten und Basis-Bildungsniveau (verschiedene Termine, Treffpunkt am Programm-Pavillon). Hinter der Gallery präsentiert der Künstler Rainer W. Gottemeier die Installation „Was hier jetzt ist, was hier einst war“ (täglich ab 17 Uhr). Am Dienstag wurde hier die Filmdokumentation „Duvarlar-Mauern-Walls“ gezeigt, die auf die Rolle der türkischen Gemeinschaft bei der Wiedervereinigung eingeht.

Schloßplatz

Während am 7. Oktober 1989 tausende Unzufriedene auf den Straßen Ost-Berlins demonstrierten, feierte die SED-Führung im Palast der Republik am Schloßplatz den 40. Jahrestag der DDR. Kein halbes Jahr später zog dort die erste frei gewählte Volkskammer ein. Die Ostfassade des Humboldt Forums soll nun eine Woche lang jeden Abend mit dem Konterfei des 2008 abgerissenen Palasts der Republik angestrahlt werden. Außerdem werden jeden Tag mehrmals historische Führungen angeboten.

Der Zeitzeuge Matthias Rau erinnert bei einer Führung zwischen Humboldt Forum und Nikolaiviertel an die Wendeereignisse rund um die historische Mitte (täglich 12 Uhr – außer Dienstag – und 15 Uhr, Treffpunkt: Info-Point am Marx-Engels-Forum). Mauerfall-Jubiläum zum Mitsingen: Besucher haben die Möglichkeit, gesammelte und aufgeschriebene Erinnerungen an den Mauerfall gemeinsam zu singen (Sonntag, 14 bis 15 Uhr, Info-Point am Marx-Engels-Forum).

Gethsemanekirche in Prenzlauer Berg

Die ganze Woche über ist in der Gethsemanekirche in Prenzlauer Berg das Projekt „Aufbruch 1989“ der Künstlerin Karla Sachse zu sehen. Im Mittelpunkt stehen dabei Interviews mit Zeitzeugen der Wendezeit. Am Dienstag gaben Patti Smith und Tony Shanahan in der Gethsemanekirche (Stargarder Straße 77) ein Konzert unter dem Motto: „Mauern werden einstürzen“. Am Mittwoch widmete sich ein internationales Kurzfilmfestival mit sieben Filmen den Formen des Widerstandes damals und in anderen Regionen der Welt heute.

Lichtenberg

Am 15. Januar 1990 drangen Tausende in die Berliner Stasi-Zentrale in Lichtenberg ein und entrissen dem SED-Regime endgültig seine wichtigste Machtstütze. Zeitzeuge bieten seit Montag täglich zu wechselnden Zeiten verschiedene Führungen über das Gelände und durch das Gebäude an. Am Freitag um 14 und 16 Uhr wird das Theaterstück „Amok oder Koma sein“ aufgeführt. Darin geht es um einen Grenzsoldaten, der sich nach dem Mauerfall in seinem Wachturm verschanzt.

Die Installation „Am Telefon sagt man nix“ dokumentiert abgehörte Telefonate der DDR-Staatssicherheit (jeden Tag, auf der Terrasse rechts vor dem Haus 22). Zeitzeugen führen durch die Open-Air-Ausstellung „Revolution und Mauerfall (verschiedene Termine). Nach einer Sondervorführung des Animationsfilms „Fritzi – Eine Wendewundergeschichte“ hatten Interessierte am Mittwoch die Gelegenheit, Fragen rund um den Mauerfall zu stellen.

Alexanderplatz

Am 4. November 1989 fand auf dem Alexanderplatz die größten Protestdemonstration der DDR-Geschichte statt. Hunderttausende gingen für Reise-, Presse- und Meinungsfreiheit und eine andere, demokratische DDR auf die Straße. Filmaufnahmen davon werden die ganze Woche ab Einbruch der Dunkelheit auf die umliegenden Fassaden projiziert.

Am Dienstag trat die Band „Die Seilschaft“ des verstorbenen DDR-Rockpoeten Gerhard Gundermann auf. Am Mittwoch wurde der Film „Montags in Dresden“ von Sabine Michel gezeigt, die dafür ein Jahr lang Pegida-Anhänger in der sächsischen Hauptstadt begleitet hat. Am selben Abend war die westdeutsche Punkband Fehlfarben und am Donnerstag die DDR-Rockband Pankow zu sehen.

Das gesamte Programm, weitere Informationen zu den sieben Orten sowie Tipps zur Anreise gibt es unter www.mauerfall30.berlin.

Alle Infos zum Fall der Berliner Mauer und den Feierlichkeiten in der Hauptstadt lesen Sie auch hier.