Mit Holz hatte es Heiko Schmidt schon immer. Bereits als Kind war er davon umgeben, der Försterssohn im Pfälzer Wald. Das Holzhaus der Familie war das letzte des Ortes. „Rundherum gab es nur eine Wiese zum Fußballspielen und den Wald, wo wir Holz gemacht haben.“ Draußen prasselte häufig ein Lagerfeuer, später wohnte die Familie in einem Haus mit Kachelofen.
Es mögen Kindheitserinnerungen sein, die Schmidts Affinität zu Kaminen geprägt haben. „Ein Haus ohne Feuer“, sagt er, „ist wie ein Haus ohne Fenster.“ Dass das Heizen mit Scheit und Brikett Arbeit machen kann, weiß der 40-Jährige aber auch. Jeden Morgen muss er erst in seiner Altbauwohnung, dann in seinem 2007 eröffneten Laden an der Prinzenallee 58 in Wedding einheizen.
Öfen aus Keramik und sogar schwenkbare Kamine
Um die 30 Öfen stehen bei „Kamine & Wein“ im Kellergewölbe. Solche, die sich auf ihrem Fuß drehen lassen, um die Sicht aufs Feuer aus allen Ecken zu ermöglichen oder die Beladung mit Brennstoffen zu erleichtern. Feuer-Sideboards, die einen geschlossenen Kamin mit Holzregal und Sitzelement verbinden. Öfen aus Keramik, im Stahl- oder Natursteinmantel. Oder solche mit zwei Brennkammern. In der einen werden die Gase vom Holzfeuer in der anderen verbrannt.
Zwischen einem halben und einem Dutzend potenzielle Wärmequellen finden sich in der Weinstube im Erdgeschoss. Der alte Ladenraum hat grobe Holzdielen und an der Decke Reste von Fresken. Mancher Gast des urigen Cafés weiß vermutlich gar nicht, dass jeder Ofen im Geschäft zum Verkauf steht. Schließlich war das Café schon länger da. Seit 2006 organisierte Heiko Schmidt in dem kleinen Raum Ausschank und kulturelle Angebote, was er zuvor auch in Prenzlauer Berg, unter anderem auf dem Pfefferberg, getan hatte.
Unikat ohne Make-up
Irgendwann hatte Schmidt einen schönen Ofen in einem Schaufenster entdeckt und beschlossen: Der sollte in seiner Veranstaltungslocation stehen. So wurde aus dem Kulturkneipier ein Vertreter der Ofenfirma. In Wedding nahm die Geschichte ihren Fortgang: Ein Nachbar kannte einen dritten, der seinen Ofenfachhandel aufgeben musste. Schmidt kaufte den Lagerbestand, Knowhow gab es in der ersten Zeit obendrein.
„Ich habe mich aber auch selbst reingeschmissen in das Metier, weil es mir Spaß macht“, sagt er. Tatsächlich kann Schmidt zu jedem seiner Öfen Vorträge halten. Brennraum und Luftkanäle, Scheibenspülung, Flammenbild und die optimale Verbindung zwischen Sauerstoff und Gasen: Erstaunlich, was es beim Ofen alles zu beachten gilt.
Schmidt vertreibt rund 150 Ofenmodelle
Schmidts ganzer Stolz ist ein Sondermodell einer Schweizer Firma. Er besuchte das Werk in Trier, als ein schwerer Stahlofen in Produktion war. Noch fehlte der äußere Aufputz. „Ich habe ihn gesehen und gesagt, genau so muss er bleiben. Ein Unikat ohne Make-up.“ Bei vielen Produkten, so formuliert Schmidt mit seinem Faible für bildhafte Sprache, werde „der Geburtstermin übertragen. Das hier ist genau reif geerntet“.
Etwa ein Viertel der bei „Kamine & Wein“ verfügbaren Öfen von sieben Herstellern sind an der Prinzenallee ausgestellt. Rund 150 Ofenmodelle vertreibt Schmidt. Gemeinsam mit seinem freiberuflichen Partner Holger Lehmann berät er Kunden, baut Heizstellen ein, hilft bei der Wahl des Zubehörs, von der Bodenplatte bis zum Kaminbesteck. Kontakte zu Schornsteinfegern, Architekten und Holzlieferanten gehören ebenfalls dazu.
Tisch auf dem Ofenrohr
Besichtigen können Kunden den Kamin-Showroom von 10 bis 19 Uhr. Für Beratungen sollte ein Termin vereinbart werden. Von 18 bis 24 Uhr ist das Café geöffnet. Nachbarn, Künstler, Ofenkäufer und Weinfreunde sitzen dann an den wenigen, auf Ofenrohren stehenden Tischen, wählen aus rund 60 Weinen aus Deutschland, Frankreich, Italien, Portugal, Spanien und Bulgarien oder nippen am Kaffee. Gegen Korkengeld darf man sich selbst etwas mitbringen. Regelmäßig gibt es Lesungen oder Ausstellungen, außerdem startet dort eine Audio-Führung durch Wedding. „Hätte ich hier nur ein Kamingeschäft, was hätte dann der Kiez davon? So aber ist das ein lokaler Treffpunkt“, sagt Schmidt.
Seine Weine sucht er nach eigenen Vorlieben, aber auch ein wenig zufällig aus. „Das müssen nicht immer die besten sein, dafür hat jeder Wein seine Geschichte.“ So wie der preisgekrönte Riesling eines Gutes aus Rheinhessen, dessen junger Winzer bei einem Berlinbesuch bei ihm hereinkam. Oder der Chardonnay Barrique. Den hatte ihm ein Kaminkunde empfohlen, der mit den Winzern befreundet ist.
Kamine & Wein Prinzenallee 53, Wedding, Mo.-Fr. 10-19 Uhr, Café Mo.-Sbd. 18-24 Uhr, www.kamineundwein.de



