Heute vor 60 Jahren hat das SED-Regime die Mauer in Berlin errichten lassen, die Teilung der Stadt – und des Landes – in zwei Hälften zementiert, Menschen brutal auseinandergerissen. Ein schlimmer, ja, ein schrecklicher Tag für Berlin, für Deutschland und angesichts der Folgen auch für Welt. So ist der 13. August 1961 kein Grund zum Feiern, aber ein gewichtiger Grund, um sich zu erinnern. An die Ereignisse jenes Tages, an den Kalten Krieg, an all das Leid, das die DDR-Führung über die Menschen gebracht hat, an all die Opfer, die diese Mauer gekostet hat.

Mindestens 140 Menschen sind bei dem Versuch, die Mauer zu überwinden, ums Leben gekommen. Sie sind umgebracht worden, weil sie den Wunsch hatten, ein Leben in Freiheit zu führen, nicht gegängelt und bespitzelt zu werden von SED und Stasi. Im Februar 1989, wenige Monate vor dem Fall der Mauer, wurde in Berlin Chris Gueffroy, 20 Jahre alt, von DDR-Grenzsoldaten erschossen, als er nach West-Berlin fliehen wollte. Er war das letzte Mauer-Opfer, er ist ebenso wie die vielen anderen Menschen, die bei ihren Fluchtversuchen in den Jahren seit 1961 ermordet wurden, eine ständige Mahnung, warum wir nicht vergessen dürfen, warum wir so für unsere Demokratie und unsere Freiheitsrechte kämpfen müssen.

60 Jahre liegt der Tag des Mauerbaus zurück, noch können wir die Zeitzeugen hören und uns mit ihnen austauschen. Viele unserer Leserinnen und Leser haben uns ihre Erinnerungen an jenen August 1961 aufgeschrieben, ihre persönlichen Berichte machen deutlich, was das SED-Regime im Leben von Menschen angerichtet hat.

Die Berliner, sie waren 28 Jahre lang getrennt in Ost- und West-Berlin. 28 Jahre, schlimm genug. Aber die gute Nachricht ist, dass Berlin, dass Deutschland inzwischen länger wiedervereint ist, als es getrennt war. Viele junge Menschen, all die, die nach dem 9. November 1989 geboren wurden, kennen die Mauer nur noch aus Erzählungen, aus Filmen und Büchern oder von den wenigen Mauergedenkstätten, die es in Berlin und entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze noch gibt. Wer beklagt, dass die Mauerreste in Berlin so spärlich erhalten sind, verkennt das Lebensgefühl der Menschen Ende 1989: Nach den schrecklichen Jahren der Teilung konnte die Mauer aus Berlin gar nicht schnell genug verschwinden, die „Mauerspechte“ haben damals ganze Arbeit geleistet.

Umso wichtiger ist es, die Aufarbeitung des SED-Unrechtsregimes nicht zu vergessen, ehemalige Orte des Verbrechens wie die Stasi-Zentrale in Lichtenberg oder das Polizeigefängnis an der Keibelstraße in Mitte zu erhalten, als Ort der Bildung, etwa für Schulklassen, und auch als Campus der Demokratie zu nutzen.

Die heutige Ausgabe der Berliner Morgenpost steht im Zeichen der Erinnerung an den Mauerbau, der Auseinandersetzung mit den Folgen und dem Blick auf Morgen. Ich wünsche Ihnen viele interessante Einblicke. Alle Artikel zum Thema finden Sie hier.

Ihre Christine Richter, Chefredakteurin