Liebe Leserinnen, liebe Leser, in diesem Jahr haben wir für unsere Festtagsausgabe Berlinerinnen und Berliner gefragt, woran sie beim Thema „Weihnachten zu Hause“ denken. An das aufregendste Weihnachtserlebnis als Kind, das schönste Geschenk, eine besondere Reise? An die Vorfreude aufs Fest, an den geschmückten Baum, die Verwandten? Bei manchem schwingt aber sicherlich auch Sorge mit. Denn nicht alle Berliner werden Heiligabend mit der Familie verbringen. Und Tausende haben nicht einmal ein Zuhause. Gerade in einer Großstadt sind viele Menschen auch an den Feiertagen für andere da – als Feuerwehrleute, Polizisten, Krankenpfleger, als Ehrenamtliche oder auch als Mitarbeiter in Restaurants und Hotels. Wir haben einige von ihnen getroffen und sagen allen: Danke dafür!
Als Symbol haben wir für unsere Fotos dieses Jahr ein leuchtendes Haus gewählt. Modell stand das „Haus vom Nikolaus“, wenn auch ohne „X“. Unser Fotochef Reto Klar hat die Menschen damit ins Licht gesetzt, Susanne Leinemann, Uta Keseling und Andreas Gandzior haben die Texte notiert. Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen – und natürlich ein frohes Fest und geruhsame Feiertage!
"Weihnachten ist, eine gute Zeit, zur Ruhe zu kommen und Danke zu sagen“

Franziska Giffey (SPD), Bundesfamilienministerin: „Wenn ich an Weihnachten zu Hause denke, denke ich an meine Familie. Zu Essen gibt es bei uns Kartoffelsalat und Würstchen. Den Kartoffelsalat macht meine Mutter, das ist Tradition – aber wir dürfen mithelfen. Wir machen uns eine schöne Zeit, so wie viele Familien in Deutschland auch. Natürlich gibt es einen Weihnachtsbaum und Geschenke. Nachmittags hole ich die Gitarre raus und klimpere ein paar Weihnachtslieder, oder wir spielen etwas zusammen. Mit mehreren Kindern im Haus ist immer was los.
Weihnachten ist eine gute Zeit, zur Ruhe zu kommen, Kraft zu tanken und Danke zu sagen – in der Familie aber auch bei den Menschen, die an Weihnachten arbeiten: ob im Krankenhaus, im Pflegeheim, im Frauenhaus oder bei der Polizei. Ihnen bin ich dankbar für ihre wichtige Arbeit. Und natürlich gibt es auch Menschen, bei denen Weihnachten ganz anders aussieht. Ältere Menschen, die alleine sind, oder Menschen ohne festen Wohnsitz. Unsere Gesellschaft lebt davon, dass wir uns umeinander kümmern. Deshalb bin ich froh zu wissen, dass es in Deutschland über 30 Millionen Ehrenamtliche gibt, die sich für andere engagieren und ihren Teil dazu tun, dass es unserer Gesellschaft gut geht. Ihnen und allen anderen wünsche ich gute und friedliche Weihnachtstage.“
"Weihnachten ist Schwibbögen und Stollen"

Lukas Häntsch (30) schützt als Hauptfeldwebel das Bundesverteidigungsministerium: „Unsere Aufgabe als Feldjäger der Absicherungskompanie ist es, die Sicherheit des Verteidigungsministeriums zu gewährleisten. Deswegen sind viele auch über die Feiertage im Dienst. In der Kompanie wird es an den Feiertagen natürlich auch ein bisschen weihnachtlich. Es gibt Kaffee, Gebäck und etwas Weihnachtsstimmung – natürlich alles im Rahmen, denn die Sicherheit hat natürlich Priorität. Dieses Jahr habe ich an Heiligabend und dem 26. Dezember frei. Das freut mich, denn dann kann ich mit meiner Familie und meinen beiden Kindern feiern. Mein Sohn ist elfeinhalb Jahre alt, der Kleine gerade sechs Monate. Ich bin im Erzgebirge aufgewachsen, also gehört für mich zu Weihnachten natürlich das ganze Programm – Schwibbögen, Stollen, Weihnachtsbaum.“
„Weihnachten ist, nach Hause zu fahren“

Lukas Englert (23, v.l.), Margit Lilli (22), Hanna Böckmann (22), Hendrik Seib (24): Die vier Studenten leben seit drei Jahren in einer Wohngemeinschaft in Charlottenburg. Sie studieren an der Technischen Universität Berlin technischen Umweltschutz. Zu den Feiertagen wird das Zusammenleben temporär aufgekündigt, die Wege führen sie zu ihren Eltern, Geschwistern und Verwandten nach Aschaffenburg, Friedberg in Hessen und in den Kreis Wesel nach Bönninghardt. „Weißwurst und Weißbier, das sind meine ersten Gedanken, wenn ich nach Hause komme“, sagt Lukas. Viel Verwandtschaft und ein großes Essen machen für Hanna das Fest aus. Margit und Hendrik freuen sich auf den Besuch bei den Großeltern und das Zusammensein mit den Geschwistern. In den drei WG-Jahren haben sie noch nie gemeinsam die Feiertage verbracht. „Wir würden vermutlich viel essen und Party machen.“
„Weihnachten ist Liebe. Ist sie nicht der eigentliche Sinn von Weihnachten?“

Udo Helbeck (69), Weihnachtsmann der Agentur Premium-Weihnachtsmann.de für das KaDeWe: „Zu Weihnachten wünsche ich mir vor allem, dass sich die Menschen wieder mehr Zeit füreinander nehmen. Denn Hand aufs Herz: Was nützen überbordende Berge teurer Geschenke, wenn man sich in Wahrheit nach Liebe und Geborgenheit sehnt? Ist Liebe nicht der eigentliche Sinn von Weihnachten? Natürlich lässt ein bunter Gabentisch vor allem Kinderherzen höher schlagen, und für mich selbst sind leuchtende Kinderaugen das allerschönste Geschenk.“
"Weihnachten ist Gottesdienst, Gebet und Stille"

Prior Simeon Wester und Subprior Kilian Müller vom Priorat der Zisterzienser-Abtei Heiligenkreuz in Neuzelle: Weihnachten bei den Mönchen vom Kloster Neuzelle bedeutet: Es wird noch etwas mehr, noch feierlicher und ausführlicher gebetet, gesungen und Gottesdienst gefeiert als an anderen Tagen. In diesem Jahr werden die Mönche sicherlich auch für eines besonders beten – dass das neue Kloster, das sie planen, bald Gestalt annimmt. Denn auch, wenn es das Barockkloster Neuzelle seit rund 750 Jahren gibt – erst seit vergangenem Jahr leben hier wieder Mönche, nach rund 200 Jahren Unterbrechung. Die Gemeinschaft aus den sechs Gründer-Brüdern und Kater Heinz wohnt allerdings nicht im prächtigen Barockbau, sondern im katholischen Pfarrhaus von Neuzelle. Und plant den Umzug in ein neues Kloster.
Es soll einige Kilometer weiter mitten im Wald entstehen. Das neue Gebäude solle ein Ort der Einkehr und des Gebets sowohl für die Brüder als auch für Gäste werden, sagt Prior Simeon Wester. Denn so schön das Barockkloster ist – es ist eben heute vor allem ein belebter Kulturort. Was die Zisterziensermönche der Welt geben wollen, braucht aber die Stille. Fürs Gebet – drei bis vier Stunden verbringen die Brüder täglich damit. Und es braucht die Stille für Gäste, die eingeladen sind, im Kloster Rückzug und Einkehr zu finden. Um das zu verstehen, führen die Mönche ihre Besucher mitten in den Wald, wo das neue Kloster auf einem ehemaligen Stasi-Gelände entstehen soll. Angeordnet werden die Gebäude nach demselben Prinzip wie seit jeher alle Klöster der Zisterzienser, erläutert Pater Kilian, „also zum Beispiel auch das Kloster Chorin“. Wann genau der Bau losgeht? Pater Simeon wiegt den Kopf. „Vielleicht in fünf oder sechs Jahren. Klöster hatten ja immer eine lange Bauzeit.“ Dann schweigen die beiden, mitten im Wald. Und tatsächlich, da ist sie zu hören: die Stille.
"Weihnachten ist dieses Jahr auf unserer Baustelle"

Schauspieler Hardy Krüger jr. mit seiner Frau Alice Krüger: „Für mich bedeutet Weihnachten: Stille. Ich denke an Schnee, Landschaft und Ruhe. So leise wie an Weihnachten ist es sonst nie, selbst in Berlin. Ich bin ja im Tessin aufgewachsen, dort gab es traditionell Käsefondue. In Berlin feiern wir mit der Familie – ganz ruhig, denn wir sind beide keine Freunde von zu viel Weihnachtsrummel. Für mich persönlich beginnt das Fest in dem Moment, wenn ich für die Familie koche. Ich liebe es zu kochen, gern auch für viele – und wir sind ja eine Großfamilie, haben insgesamt sieben Kinder. Im vergangenen Jahr bin ich aus Österreich nach Berlin gezogen, wir haben geheiratet, ein Haus gekauft. Weihnachten findet deswegen teils auf der Baustelle statt. Unser Haus in Köpenick sollte zwar eigentlich schon fertig umgebaut sein, aber wie das eben so ist, wird wohl etwas später. Worauf ich mich freue: die neue Küche.“
"Weihnachten ist Sorge und Sehnsucht nach unserem Sohn"

Hossein Mansour (72) und seine Frau Tagret Moussa (59) aus Syrien: Hossein Mansour lebt seit vier Jahren in Berlin, vor gut drei Monaten konnte seine Frau Tagret im Rahmen des Familiennachzugs herkommen. Seitdem wohnen die beiden in einem Zimmer im Caritas-Flüchtlingswohnheim Zum Guten Hirten in Wedding. Sie sagen: Weihnachten wird glücklich und traurig. Sie sind froh, zusammen zu sein und in Sicherheit. Sie nehmen dankbar teil an der Weihnachtsstimmung im Wohnheim. In Damaskus, wo die Familie bis 2011 lebte, war es ein großes Fest. „Wir sind Christen, es kamen Freunde und Verwandte zu Besuch, an Heiligabend gingen wir um Mitternacht in die Kirche, dann wurde gefeiert“, erinnert sich Tagret Moussa. In diesem Jahr werden die Feiertage auch traurig. Denn der Sohn der beiden, 28 Jahre alt, lebt in Beirut. Er kann als Erwachsener nicht über den Familiennachzug nach Deutschland. „In Beirut ist die Lage unsicher, wir machen uns Sorgen, oft erreichen wir ihn nicht“, sagt der Vater. Seine Frau, die eigentlich immer lacht, dreht sich einen Moment weg, mit Tränen in den Augen.
"Weihnachten ist, in Berlin mit der Familie zu feiern"

Christian Andresen, Hotelchef im Mandala Hotel am Potsdamer Platz und Präsident des Hotel- und Gaststättenverbandes Berlin: „Weihnachten zu Hause, das ist für mich: Berlin. Eine tolle Stadt, hier fühle ich mich extrem zu Hause. Es gibt keine andere Stadt, in der ich dieses Gefühl der Freiheit spüre. So sein zu können, wie man ist. Das ist ja auch ein Stück zu Hause. Wo man sich nicht verstellen muss, wo man sich nicht anpassen muss. Ursprünglich stamme ich ganz aus dem Norden, von der Insel Sylt. Seit 1998 lebe ich in der Hauptstadt. Weihnachten feiere ich dieses Jahr zu Hause mit der Familie. Nur eines tut mir weh – wenn ich sehe, dass die Menschen dieser großartigen Stadt zunehmend verlernt haben, gut miteinander umzugehen. Rücksichtsvoll und gelassen. Mein Weihnachtswunsch ist deshalb, dass wir uns wieder aufeinander zubewegen, uns gegenseitig zuvorkommend und wertschätzend begegnen."
"Weihnachten ist eine besonders schöne Atmosphäre bei uns im Hotel"

Jana Thies (50), Zimmermädchen im Schlosshotel Grunewald by Patrick Hellmann: „Zu meinen Aufgaben gehört es, die Zimmer zu reinigen, Betten frisch zu beziehen, die Bäder zu putzen. An Heiligabend habe ich Frühschicht, von acht bis 16 Uhr. Danach freue ich mich, wenn ich den Tag gemütlich zu Hause ausklingen lassen kann. In anderen Jahren habe ich auch schon abends hier gearbeitet – ich bin seit genau 20 Jahren im Schlosshotel angestellt. An den Weihnachtstagen herrscht hier immer eine besonders schöne Atmosphäre. Für die Gäste wird richtig schön eingedeckt, es gibt ein großes Weihnachtsmenü, dazu spielt leise Weihnachtsmusik. Das gefällt mir sehr gut. Für mich persönlich gehören neben dem Weihnachtsbaum auch ein Schwibbogen und Plätzchen zu Weihnachten, so war es in Leipzig, wo ich aufgewachsen bin.“
"Weihnachten ist der Traum von Freiheit und einer Wohnung"

Heiko (29) und David (46), Strafgefangene in der Justizvollzugsanstalt Plötzensee: Auf dem Bild wollen sie nicht erkannt werden, denn sie hoffen, dass sie eines Tages ein Leben führen können, in denen ihre Vorstrafen Vergangenheit sind. Daran arbeiten sie, gemeinsam mit den Sozialarbeitern im Gefängnis. Heiko sagt: „Noch zwei Monate, dann kann ich nach Hause. Nach zwei Jahren und elf Monaten hier, worauf ich nicht stolz bin. Ich habe mich einen großen Teil meines Lebens nur in Gefängnissen aufgehalten. Ich wünschte mir, es würde endlich anders. Das ist auch mein sehnlichster Weihnachtswunsch: Nach meiner Entlassung eine Wohnung zu finden.“ Er weiß, dass das schwierig wird. „Bevor ich verurteilt wurde, war ich obdachlos, auf der Straße.“ Auch David träumt von einer eigenen Wohnung. „Ich habe noch 176 Tage hier vor mir. Ich würde gern noch eine Ausbildung als Schreiner machen. Ich habe schon viel mit Holz gearbeitet, das mache ich gern.“ Sein schönstes Weihnachtserlebnis, sagt er, war 1995. „Damals hat meine Familie das letzte Mal gemeinsam gefeiert. Seitdem ist jedes Jahr ein Verwandter gestorben, zuletzt 2017 meine Mutter. Zu meiner Familie habe ich heute keinen Kontakt. Das macht mich besonders an den Feiertagen traurig.“
„Weihnachten ist, allein unter der Brücke zu sein“

Tomasz (53) lebt unter der Brücke am Bahnhof Zoo: Zu Weihnachten hat er einen kleinen, blinkenden Weihnachtsbaum aufgestellt. Vor die Matratze, mehr als sie hat Tomasz nicht. Sein Bett liegt im Dreck am Bahnhof Zoo, aber es ist sauber bezogen, die Habseligkeiten daneben ordentlich aufgestapelt. Wenn er schläft, stehen auch seine Schuhe nebeneinander davor. Nur ein Teddybär wacht über seine Träume, sonst niemand. „Ich lebe seit sieben Jahren auf der Straße“, sagt Tomasz. „Es ist besser, allein zu sein, dann hat man keinen Stress. Ich stamme aus Polen, arbeiten kann ich hier nicht, ich habe keine Papiere. Für Menschen wie mich gibt es keine Hilfe, nichts. Wenn ich an Weihnachten denke – ich habe keine Wünsche. Es ist kein besonderer Tag. Ich werde wie immer hier unter der Brücke sein.“
„Weihnachten ist, wenn auch über den Wolken besondere Stimmung herrscht“

Julia Peukert (38) und Krzysal Drabik (32) fliegen für die Fluggesellschaft Easyjet um die Welt: Julia Peukert (r.) wird auch an Heiligabend und den Feiertagen im Cockpit sitzen. „Ich mache das oft und sehr gern, es gehört für mich einfach dazu“, sagt sie. „Wir bringen viele Fluggäste nach Hause, da herrscht Vorfreude und eine kribbelige Stimmung“. Die Mitarbeiter der Fluggesellschaft, sagen die beiden, seien ein bisschen wie eine fliegende Familie. Zu Weihnachten werde da schon mal für die Kollegen gebacken. Auf ihre richtige Familie müssen beide dennoch nicht verzichten. Julia Peukert fliegt an Weihnachten nur tagsüber, abends ist sie wieder bei ihrer Familie und ihren zwei Kindern in Köpenick. Die beiden Kinder sind sieben und zehn Jahre alt. „Und wenn ich nach Hause komme, sage ich ihnen, ich habe eben im Flugzeug den Weihnachtsmann vorbeifliegen sehen“, scherzt sie. Auch Krzysal Drabik wird bei ihrer Familie sein. Sie stammt aus Aachen, lebt in Berlin, gefeiert wird in Frankfurt am Main. „Das hat bei uns Tradition, es wird viel gekocht und gegessen, zum Beispiel Spanferkel, das ist typisch philippinisch.“ Grundsätzlich hat sie einen Wunsch zu Weihnachten: „Dass wir uns alle mehr für unsere Mitmenschen einsetzen und mehr auf einander Acht geben. Wir brauchen wieder mehr Zusammenhalt in der Gesellschaft.“
„Weihnachten ist wie ein Anker, nach dem man wieder durchstarten kann“

Thomas Neuendorf (63) und Martin Manthee (63), Polizisten im Ruhestand und Senioren-Reise-Blogger: „Einmal habe ich Weihnachten in Thailand verbracht, aber seitdem weiß ich: Zum Fest bin ich lieber zu Hause“, sagt Thomas Neuendorf. „Zwar reise ich liebend gern, auch für unseren gemeinsamen Blog grad60.com, in dem wir über Reisen, Genuss und Dinge berichten, die aktive Menschen ab 60 interessieren. Aber Weihnachten ist für uns wie ein Anker im Jahr – danach können wir wieder durchstarten.“ Neuendorf feiert mit seiner Familie und den zwei Enkeln zu Hause in Wilmersdorf, Martin Manthee in Falkensee, wo er wohnt.
"Weihnachten ist, wenn die Familie mit dabei ist auf der Zirkus-Tournee“

Paolo Casanova (52) ist Clown Carillon im Roncalli-Weihnachtszirkus: "Man sagt ja: An Weihnachten werden auch Erwachsene wieder zu Kindern. Wo würde das besser zutreffen als im Zirkus? Zumal bei Roncalli, der seit vielen Jahren mit seinem „Weihnachtszirkus“ in Berlin gastiert – bis 5. Januar im Tempodrom. Auch für die Darsteller ist diese Zeit etwas Besonderes. Wegen der Stimmung, die auch nach der Vorstellung anhält: Die Zirkus-„Familie“ wird an Heiligabend gemeinsam feiern. Die meisten Mitglieder stammen von weit her. Clown Carillon, bürgerlich Paolo Casanova (52), kommt aus Turin. Über die Feiertage sind aber auch seine Frau Tonia und die beiden erwachsenen Kinder in Berlin. „Im Hotelzimmer haben wir einen kleinen Weihnachtsbaum aufgebaut, es gibt Geschenke – es wird also fast so sein wie zu Hause“, sagt Casanova. Denn eigentlich feiert man natürlich auch in Italien traditionell Weihnachten mit der Familie daheim.
Der Künstlername Carillon ist auch das Programm des Clowns. Das Wort bedeutet Spieldose oder Glockenspiel. Paolo Casanova liebt spielerische Apparaturen, die er gern selbst entwirft und baut. Etwa seinen roten Haarschopf auf dem Kopf, den er im Kreis herumwirbeln lässt. Oder seinen „Hund“, der in einem Koffer aus Italien mitgereist ist: eine Apparatur aus einer alten Kamera und Küchengeräten. „Steampunk“ heißt dieser Stil, aus alten Dingen neue Kunstwerke zu schaffen. Die Begeisterung für die Technik hat Paolo Casanova übrigens aus seinem früheren Leben mitgebracht. Er war Designer für Autos und Motorräder. Vor zehn Jahren dann machte er sein Hobby zum Beruf und wurde zum poetischen Clown Carillon.
"Weihnachten ist, wenn alles plötzlich ganz anders ist als früher“

Sarah Borufka (36), ihr Partner Sebastian Opp und Baby Jascha: „Wenn wir ,Weihnachten zu Hause‘ denken, ist bei uns seit diesem Jahr nicht mehr das Zuhause unserer Eltern gemeint“, sagt Sarah Borufka, „sondern unser gemeinsames, neues Leben. Wir sind aber noch dabei, herauszufinden, was das eigentlich alles umfasst. Alles ist noch so neu. In diesem Jahr haben wir eine neue, gemeinsame Wohnung gefunden und sind am 4. November Eltern geworden. Jetzt feiern wir das erste Mal zusammen Weihnachten. Zuletzt war Weihnachten für mich immer auch eine traurige Zeit, denn am 29. Dezember 2010 ist mein Vater gestorben. Wenn wir dieses Jahr mit unseren Familien hier in unserer Wohnung in Berlin Weihnachten feiern, ist es also vielleicht auch der Beginn einer neuen Familientradition, wer weiß. Uns besuchen nicht nur unsere Mütter, die ja jetzt Omas sind, sondern auch Sebastians Stiefvater und seine Schwester.“
„Weihnachten ist, wenn es in meiner Kneipe ,Zuhause‘ so richtig voll wird“

Evelyn Adam (57), Inhaberin der Traditionskneipe namens „Zuhause“ in der Köpenicker Altstadt: „Der Name unserer Kneipe ist das Programm – bei uns sollen die Gäste sich wie zu Hause fühlen. Wir bieten Getränke an, man darf rauchen – leider dürfen wir nichts mehr zu essen anbieten. Die Kneipe selbst, direkt in der Köpenicker Altstadt, gibt es schon seit rund 120 Jahren, ich habe sie vor fünf Jahren übernommen. Viele Gäste kommen aber schon viel länger. Die meisten kennen sich untereinander, auch die Lebensgeschichte, manchmal wird es sehr lustig bei uns – manche bringen eine Gitarre mit, dann wird gesungen. Auch an Heiligabend wird es bei uns sicherlich wieder voll. Es gibt viele Pärchen, die Weihnachten bei uns feiern, aber gerade für die Alleinstehenden sind wir sicherlich tatsächlich so etwas wie ein Zuhause. Ich selbst feiere diesmal mit Weihnachtsbaum, Familie und meinen drei Enkeln in meinem richtigen Zuhause, also privat. Das ist mir wichtig. Leider habe ich für die Familie sonst oft viel zu wenig Zeit. Am zweiten Feiertag stehe ich aber wieder den ganzen Tag hinterm Tresen.“

