Als Gastgeber steht man mitunter vor einem Dilemma. Wie mache ich ich alle glücklich, ohne drei Tage lang in der Küche zu stehen? Früher war sicherlich nicht alles besser, aber manches war sicherlich einfacher.
Glaubt man den Berichten der Großmütter und alten Familienfotos, dann herrschte an Feiertagen immer eitel Sonnenschein wenn es ans Essen ging. Freunde und Verwandte versammelten sich in fröhlicher Runde und machten sich begeistert über Braten, Klöße und Rotkohl her.
Heute dagegen scheint es beinahe unmöglich, dass mehr als drei Menschen das gleiche Gericht essen dürfen oder möchten. Die beste Freundin leidet unter einer Lactose-Intoleranz, die Cousine dagegen isst grundsätzlich keinen Fisch und keine Getreideprodukte.
Und dann wird auch noch die Tante erwartet, die nach einem Herzinfarkt salzarm essen muss. „Wenn ich die Essensvorlieben meiner Gäste nicht genau kenne, frage ich grundsätzlich im Vorfeld, wer was essen darf“, sagt Stefanie Grauer. „Das ist nicht immer einfach, denn mitunter widersprechen sich die Ernährungsgewohnheiten komplett.“
Weihnachtsmenü ohne tierische Produkte
Die Kommunikationsexpertin und begeisterte Hobbyköchin musste nach einer sehr schweren allergischen Reaktion Wochen im Krankenhaus verbringen und leidet seitdem unter zahlreichen Nahrungsmittelunverträglichkeiten.
Den Spaß am Kochen und am Einladen von Gästen wollte sie sich trotzdem nicht verderben lassen. Seit einigen Jahren betreibt sie den Blog kochtrotz.de, der bei Facebook mehr als 10.000 Fans hat und entwickelt ständig neue Gerichte.
Zunächst war es für Stefanie schwierig, mit allerlei Einschränkungen zurecht zu kommen. Mittlerweile ist sie zu einer Expertin in Sachen Genuss und Allergien geworden. „Es macht auch Spaß, Neues auszuprobieren!“, versichert sie.
Für Feste wie Weihnachten hat sie eine Vielzahl von Gerichten zusammengestellt. Die meisten kommen ohne tierische Produkte und auch ohne das Getreide-Eiweiß Gluten aus.
Den Gästen mitteilen, was man servieren wird
„Ein guter Gastgeber sollte gegenüber seinen Gästen achtsam sein und dafür sorgen, dass sich alle wohl fühlen“, findet auch die Berliner Benimm-Expertin Maria Richter. Ein Kuhmilch-Allergiker, dem eine Sahnetorte serviert wird, wird sich genauso ausgeschlossen fühlen wie ein Vegetarier bei einem Gänseessen.
Was also tun? „Am Besten, man sagt vorher, was man zubereiten wird. Zum Beispiel: Ich möchte Euch gerne zu Lachs und einem Kartoffelgratin einladen“, schlägt die Diplom-Psychologin vor.
Die Frage, ob ein Essen abgelehnt wird, weil die Gäste danach tatsächlich allergisch darauf reagieren oder nicht, sei dabei unerheblich. „Es gibt nun mal auch Menschen, die sich zum Beispiel vor Pilzen ekeln – ohne ideologischen Gründe und ohne, dass sie mit gesundheitlichen Konsequenzen rechnen müssen. Auch das muss man respektieren“, sagt Maria Richter.
Ein Büfett mit eigenen und Speisen der Gäste arrangieren
Toleranz und Nachsicht ist allerdings auch bei den Gästen gefragt. Vorträge über gesunde Ernährung oder moralische Grundsatzfragen haben bei einem geselligen Beisammensein nichts verloren. „Wer seine Essverhalten umgestellt hat, sollte seinen Gastgeber darüber informieren“, sagt Maria Richter.
„Es ist unfair, sich später zu beschweren, wenn nichts für einen dabei ist.“ Damit sich die Vorbereitungszeit in Grenzen hält, sei es auch legitim, zu einem Gast mit Sonderwünschen zu sagen: „Ich würde mich freuen, wenn Du uns deinen lactosefreien Nachtisch mitbringst!“
Wenn die Vorbereitung droht, allzu kompliziert zu werden, sollte man sich besser von dem Plan verabschieden, ein Menü zu servieren und lieber ein Büfett aus eigenen und Speisen der Gäste arrangieren. Auch das mochten schon unsere Großeltern – und es spart Zeit und Nerven.




