Vizekanzler Sigmar Gabriel hat die Investitionspolitik deutscher DAX-Unternehmen kritisiert. Auf der Start-up-Konferenz Noah in Berlin hat der SPD-Politiker gefordert: „Risiko sollten nicht nur die Gründer tragen. Auch Unternehmen sollten mutiger sein. Wo sind unsere Dax-Unternehmen, wenn es um die Finanzierung von Start-ups geht", fragte der Bundeswirtschaftsminister Richtung des applaudierenden Auditoriums. Er hoffe, dass bei der nächsten Konferenz Dax-Unternehmen anwesend sind und mitdiskutieren, wenn es um die Finanzierung von Startups geht.
Gabriel meinte, man müsse junge Menschen, die nicht in reiche Familien geboren wurden, die aber gute Ideen haben, unterstützen. Ansonsten gehe Innovationskraft und Kreativität für Deutschland verloren. Selbstkritisch räumte er zu Beginn seiner Keynote ein: „Deutschland muss in Sachen digitaler Transformation einen Gang hochschalten. Wir wären schon froh, wenn wir eine digitale Vision von Deutschland hätten. Also kann ich nicht über eine digitale Vision für Europa sprechen", so Gabriel, der Noah als führende Konferenz für Investoren in der europäischen Start-up-Branche bezeichnete.
Berlin als Ausgangspunkt des digitalen Wandels
Für ihn spielt Berlin eine entscheidende Rolle. Die Stadt sei als Ausgangspunkt für den digitalen Wandel in Deutschland und diese Konferenz der richtige Ort, „weil hier ach dem Mauerfall erneut eine Revolution stattfindet – nur ohne Waffen. Hier findet eine digitale Revolution statt. Die Stadt bietet ein komplettes Ökosystem für Start-ups. Das sieht man auch daran, dass wie europäische Internet-Firmen hier ihren Hauptsitz haben."
Auch sieht Gabriel die Regierung in der Pflicht, um das Investitionsklima zu verbessern und Start-ups ein stabiles Fundament zu bieten. So verwies er darauf, dass man durch öffentliche Fonds Unternehmen den Zugang zu Kapital erleichtern möchte, Steuergesetze anpassen müsse und mehr Wachstumsunternehmen an die Börse bringen wolle. Zu Letzterem säße er am Donnerstag erneut mit der Deutschen Börse zusammen, um über das neue Programm „Deutsche Börse Venture Network" zur Finanzierung von Wachstumsunternehmen zu sprechen. Ziel ist es laut Deutsche Börse, Unternehmen und Investoren zusammenzuführen, um effektiv die Finanzierungssituation für junge, wachstumsstarke Unternehmen zu verbessern. Der Start ist für Juni 2015 geplant, wurde im April bekanntgegeben,
Höhepunkt ist Keynote von Google-Chef Eric Schmidt
Bei Deutsche Börse Venture Network handelt es sich nicht um ein neues Börsensegment, sondern um ein Programm, das sich aus einer nicht-öffentlichen Onlineplattform zur Anbahnung von Finanzierungsrunden sowie aus verschiedenen Trainings-und Networking-Veranstaltungen zusammensetzt, ist auf der Seite von Deutsche Börsezu lesen.
Die Start-up-Konferenz Noah begann gestern und endet am Mittwoch. Neben Gabriels Keynote ist die von Google-Chef Eric Schmidt Höhepunkt des zweiten Konferenztages. Am Dienstagabend wurde bereits Unternehmer-Schwergewicht Oliver Samwer interviewt.




