Rocket-Internet-Chef

Warum Oliver Samwer sich als Bäcker-Unternehmer sieht

Auf der Start-up-Konferenz Noah in Berlin hat der IT-Unternehmer Oliver Samwer das Gründer-Potenzial der Stadt gelobt. Eine große Zukunft prognostizierte er dem Portal Westwing.

Foto: dpa

● Westwing kann so groß wie Ikea werden

● Bekenntnis an Berlin: Berlin ist wie eine große Gründer-Universität

● "Ich bin eigentlich Bäcker"

Nachdem Oliver Samwer in letzter Zeit eher selten in der Öffentlichkeit zu sehen war, ist der Berliner IT-Unternehmer bei der Noah-Conference zum dritten Mal in Folge interviewt worden. Dabei zeigte er sich auf der Podiumsdiskussion im Kreuzberger Tempodrom zusammen mit Veranstalter Marco Rodzynek als eingespieltes Team. Dieser hat die Noah zum ersten Mal aus London nach Berlin geholt.

Rodzynek versicherte allerdings, dass sein Gast die Fragen vorher nicht kannte. Und in der Tat zeigte sich Samwer zwar überrascht, aber vor allem überaus gut aufgelegt, als es selbst um diese direkte Frage ging: "Hatten Sie einen Burn-out oder haben Sie einmal darüber nachgedacht? Keiner arbeitet doch so viel wie Sie", fragte Rodnyzek. Inspiriert war die Frage von Arianna Huffington, der Mitbegründerin und Chefredakteurin der Online-Zeitung The Huffington Post. Sie hatte am Abend zuvor beim Speaker-Dinner über das Thema gesprochen. Dabei sei ihm Samwer spontan in den Sinn gekommen. Dieser antwortete jedoch cool: "Dieses Burn-out-Ding ist nichts für mich. Und ich weiß auch nicht viel darüber."

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Vielmehr betonte er, das Erfolgsrezept für erfolgreiche Unternehmer: "Du musst der erste im Business sein und einen kritischen Abstand zur Nummer zwei herstellen. Dann geht es um die Details und den Fokus", sagte Samwer und ergänzte in dem auf Englisch geführten Interview. "It is all about hard work, thinking a little bit smarter, run faster and so on."

Gefragt nach den Geschäften mit dem größten Zukunftspotenzial hob der Star der Gründerszene das Shopping-Portal Westwing für Wohnaccessoires und Möbel hervor: "Westwing kann so groß wie Ikea werden", glaubt Samwer und stichelte unter viel Gelächter gegen das schwedische Möbelhaus: "Du fährst kilometerweit, isst schwedische Fleischklößchen, kommst heim und bist platt. Das war dann dein Samstag nach einer harten Woche. Da will man doch lieber zurück an die Arbeit gehen", skizzierte er einen typischen Tag bei Ikea. Aus seiner Sicht könne man das doch bequemer haben. Allerdings räumte er augenzwinkernd ein: "Aber ich muss bald wieder hin und mit den Kindern dort spielen."

Ein paar Sätze verlor der Unternehmer auch über den "Rocket-Tower", das ehemalige GSW-Hochhaus an der Rudi-Dutschke-Straße in Kreuzberg, in den Rocket Internet eingezogen ist. "Dass wir das Headquarter hier eingerichtet haben, ist ein klares Bekenntnis an Berlin und die Industrie hier. (...) Wir können keinen Campus haben, aber wir haben einen Wolkenkratzer-Campus mit großartigen Firmen", beschreibt der 41-Jährige den neuen Standort. Die Hälfte des Hauses nutze Rocket und die andere Hälfte werde vermietet.

Für Samwer sei Berlin mittlerweile eine Universität für Gründer, auf die man stolz sein könnte. Die Stadt sei ein digitales Zentrum geworden, wobei er es aber nicht als Epizentrum Europas bezeichnen wolle. "Diese Stadt hatte keine wirkliche Industrie bevor wir kamen. Jetzt sind Start-ups die größten Arbeitgeber neben der Regierung", sagte Samwer.

Angesprochen darauf, ob er Entrepreneur oder Kapitalgeber sei, sagte er: "Ich bin ein Bäcker. Und ich backe meine Kuchen mit drei Zutaten: Idee, Menschen, Kapital. Darum dreht sich mein Leben. Ich bin kein Investor. Ich bin eigentlich ein Baker-Entrepreneur."

Samwer, der sich zuletzt eher aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte, präsentierte sich auf der Noah fokussiert, sicher und vor allem in Plauderlaune.

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