Virtuelles Labor

Zuerst kommt die Idee, dann das erfolgreiche Geschäftsmodell

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Tobias von Heymann

Foto: Gründer-Garage

Auf der Online-Plattform Gründer-Garage werden verschiedene Konzepte bewertet. Die besten davon bestimmen die Internet-Nutzer selbst, indem sie den spannendsten Geschäftsideen ihre Stimme geben können.

Wer sich unter der „Gründer-Garage“ eine Werkstatt im Hinterhof vorstellt, wo Tüftler mit Lötkolben und Zange an neuen Erfindungen basteln – der liegt völlig falsch. Denn in Wirklichkeit ist die Gründer-Garage als Online-Plattform ein virtuelles Labor, in dem sich aus Ideen im Rohzustand Schritt für Schritt tragfähige Geschäftsmodelle entwickeln lassen.

Die besten davon bestimmen die Internet-Nutzer selbst, indem sie den spannendsten Geistesblitzen samt Marktkonzept ihre Stimme geben können. Ein Expertengremium prüft die Vorhaben auf seine Chancen am Markt. Das angesprochene Spektrum möglicher neuer Geschäftsfelder ist sehr weit gefasst und bietet viel Raum für neue kreative Ansätze: Ganz gleich, ob das Vorhaben aus dem Bereich Wirtschaft, Kultur, Umwelt oder dem Sozialen stammt – jedes Projekt hat zunächst die gleichen Chancen.

Und am Ende warten auf die Gewinner Geld- und Sachpreise im Wert von insgesamt etwa 100.000 Euro. „Die Idee zur Gründer-Garage entstand etwa 2011“, sagt Ralf Bremer, Sprecher von Google. „Das Alleinstellungsmerkmal unseres Wettbewerbs ist, dass wir gezielt Menschen ansprechen wollen, denen zwar schon eine Idee vorschwebt, die aber noch nicht gegründet haben.“

In Deutschland ist das Angebot kostenlos

Das ganze Projekt geht auf eine Initiative von Google for Entrepreneurs und der Stiftung Entrepreneurship zurück, die weltweit in über 100 regional angepassten Projekten die Start-up-Kultur in vielen Ländern fördern soll. Auch in Deutschland ist dieses Angebot kostenlos. „Der Wettbewerb soll vor allem Gründungen auslösen“, sagt Christian Fenner, Projektleiter der Gründer-Garage. „Der Fokus liegt hier zunächst auf dem professionellen Erstellen und Entwickeln von Ideen.“

Drei Lernbereiche führen zum Ziel. „Da wäre zunächst das e-learning über Videos, die Wissenstests bieten und Aufgaben stellen, die zu lösen sind“, sagt Fenner. Dieses Online-Training soll den Teilnehmenden in erster Linie Methoden und Techniken vermitteln, wie sich Geschäftskonzepte mit System nachhaltig gestalten lassen. Darüber hinaus vermittelt das Programm auch Grundkenntnisse in Entrepreneurship. „Hinzu kommen zweimal in der Woche Online-Kurse, wo acht Teilnehmer interaktiv ein Thema diskutieren.“

Rund 100 Zuschauer verfolgen diese Kurse im Schnitt live über einen Youtube-Kanal. „Den dritten Bereich bilden Offline-Events wie zum Beispiel die Entrepreneurship-Labore“, sagt Fenner. Rund 50 bis 60 Interessierte treffen sich dort regelmäßig. In Interviews stellen Gründer ihre Ideen vor – und erfahren über ein direktes Feedback, wo noch Potenziale schlummern können, die sie noch nicht nutzen.

Am Ende steht das Votum eines Pools aus etwa 70 Experten

Seit Ende August konnten schließlich Hunderte Gründungskandidaten in der zweiten Phase öffentlich ihre verfeinerten Pläne zeigen und in der Community wichtige Punkte für den sogenannten „Garagen-Faktor“ sammeln. „Dieser Faktor setzt sich aus verschiedenen Elementen zusammen“, sagt Fenner. „Über einen eigens entwickelten Algorithmus lässt sich messen, wie aktiv die Teilnehmer im Wettbewerb sind, ob sie alle Kurse absolvieren, wie viel Feedback sie anderen Bewerbern geben oder Kommentare posten.“

Dahinter steht die Annahme, dass sich Gründer am besten dadurch unterstützen, indem sie einen Markt vorfinden, auf dem sie sich zeigen und mit anderen austauschen können. Dabei sollen sie Erfahrungen sammeln, ihr eigenes Netzwerk an Kontakten vergrößern sowie ihr Konzept und Profil laufend verbessern und weiter ausfeilen. Aus all diesen Punkten zusammen genommen ergibt sich dann, welches Ranking eine Idee beim „Garagen-Faktor“ erzielt und wie viele Stimmen eine Idee eingesammelt hat.

Am Ende steht dann das Votum eines Pools aus etwa 70 Experten. „Von über 800 eingereichten Ideen sind etwa 250 online veröffentlicht und einsehbar“, sagt Christian Fenner. Manche hätten innerhalb von zwei Wochen bereits mehrere Hundert Kommentare erhalten – zusammen waren es über 11000. „Insgesamt haben wir in den vergangenen drei Jahren rund 4500 Menschen direkt erreicht, die an einer Gründung gearbeitet haben.“ Auch dieses Jahr wird daher jetzt wieder mit großer Spannung erwartet, welche Einfälle diesmal das Rennen machen – und vielleicht schon übermorgen den Markt bereichern oder verändern.