Google-Chef Eric Schmidt besuchte am Montag das Berliner Technologieunternehmen Native Instruments an der Kreuzberger Cuvrystraße. Er besichtigte die Entwicklungs- und Produktionsräume des Herstellers von Hard- und Software für Clubs. Anschließend skizzierte er in einer Grundsatzrede seine Sicht des globalen Unternehmertums, des technologischen Wandels und Googles Geschichte vom Start-up zum Weltkonzern. Er nahm auch zu Konflikten zwischen der Europäischen Kommission und Google Stellung. Schmidt war erst im Sommer in Berlin, als er eine Rede anlässlich der Eröffnung des Start-up-Campus-Factory hielt.

Schmidt ist nach Deutschland gereist, um für die Position seines Unternehmens zu werben. Zwischen Google und einer Gruppe deutscher Verlage, die sich in der Verwertungsgesellschaft (VG) Media zusammengeschlossen haben, bestehen Meinungsverschiedenheiten über die Vergütung von Textausschnitten, die in den Suchergebnissen des Unternehmens angezeigt werden. Die Verlage berufen sich dabei auf das vom Bundestag beschlossene Leistungsschutzrecht. Google lehnt eine Vergütung ab.

Im Zuge dieser Auseinandersetzung hatte Googe angekündigt, in seinen Suchergebnissen für Nachrichten (Google News) diese „Snippets“ genannten Ausschnitte bei Texten aus Mitgliedsunternehmen der VG Media auszublenden und nur noch die Titelzeilen anzuzeigen. Die Verwertungsgesellschaft hatte dies in einer Mitteilung als Diskriminierung und Erpressung bezeichnet.

Schmidt trifft Gabriel

Schmidt wird am Dienstag mit Regierungsvertretern zusammenkommen und dabei auch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) zu einem Meinungsaustausch treffen. Schmidt nimmt ferner an einer Expertenanhörung zum „Recht auf Vergessen“ im Internet teil.

Schmidt versuchte Stimmen zu entkräften, die in Google einen Monopolisten sehen und dem Unternehmen eine marktbeherrschende Stellung vorwerfen. Google arbeite ganz anders als andere Unternehmen, „die als Türsteher bezeichnet und als solche reguliert wurden“. Die Firma sei anders als ein Stromnetz, bei dem nur eine Leitung zum Verbraucher nach Hause führe. Informationsbeschaffung – auch auf Nachrichtenportalen – erfolge in allen möglichen Formen, da es verschiedene Fenster ins Web gebe: Bookmarks, Browsereingabe, soziale Netze – und die Suche. Auf Letztere entfalle etwa bei „Bild“ ein Anteil von etwas mehr als zehn Prozent, sagte Schmidt.

Größter Konkurrent Amazon

Soziale Netzwerke seien zu einem „wichtigen Navigationssystem für Anwender geworden, die im Internet nach Inhalten suchen“. Und fast ein Drittel aller Menschen, die etwas kaufen wollten, hätten zuerst auf Amazon nachgesehen, zitierte Schmidt eine Studie der Unternehmensberatung Forrester. „Das sind mehr als doppelt so viele wie jene, die direkt auf Google suchten.“ Er bezeichnete Amazon als „größten Konkurrenten im Suchmaschinenbereich“.

Zur Zukunft seines eigenen Konzerns sagte Schmidt: Irgendjemand werde schon irgendwo in einer Garage auf Google lauern. „Ich weiß das, weil es nicht lange her ist, dass wir in dieser Garage saßen. Der Wandel kommt von dort, wo man ihn am wenigsten erwartet.“ Das nächste Google werde nicht das tun, was Google tut, genau wie Google nicht das tat, was AOL getan habe. Dieser Prozess habe sich seit Menschengedenken immer wiederholt.

Zu Gast bei Native Instruments

Zur Kritik der EU, Reiseanbietern würde Internet-Traffic durch Googles Flugsuche entzogen, sagte Schmidt, die Seiten der Beschwerdeführer (Tripadvisor, Expedia, Yelp) hätten durch Google mehr Seitenaufrufe bekommen.

Daniel Haver, Geschäftsführer und CEO von Native Instruments, führte seinem Gast die neuen DJ-Controller, Remix Decks, Instrumente und Mixer vor. Das 1996 gegründete Kreuzberger Unternehmen ist mit 400 Angestellten eine der größten Berliner Technologiefirmen und zählt mit seiner Hard- und Software zu den Weltmarktführern bei der Ausstattung von DJs.