Die Konzerne Google, Allianz, Volkswagen, 3M und der Berliner Gründer-Campus Factory sowie die Stiftung Entrepreneurship starten den Wettbewerb Gründer-Garage. Sie wollen den Geist des innovativen Unternehmertums stärken. Die Konzerne stellten ihre Initiative in der Factory vor.
Professor Günter Faltin von der Stiftung Entrepreneurship forderte eine „offenere Kultur des Unternehmerischen“. Dass Gründen in Deutschland überhaupt wieder ein anerkannter Vorgang geworden sei, könne als kleine kulturelle Revolution gelten.
„Wir stehen hier erst am Anfang, und wenn wir Glück haben, können wir eine Bresche schlagen. Die Gründer-Garage versucht, dieses Feld zu öffnen“, sagte Faltin. Gründer sollten verstehen, wie aus einer Idee ein Konzept wird. Gesucht werden Ideen in einem frühen Stadium, also keine ausgearbeiteten Geschäftsmodelle.
Der Wettbewerb mit Preisen von insgesamt 100.000 Euro ist in drei Stufen aufgeteilt: Trainieren, Präsentieren und Gewinnen. Zunächst sollen die Gründer mit dem nötigen Handwerkszeug ausgestattet werden. Dazu sind zehn Trainingseinheiten mit Workshops, Kursen und Webinaren vorgesehen.
Anschließend stellen sie ihre Idee in sozialen Netzwerken zur Diskussion. Ein geheimer Algorithmus misst den Widerhall der Ideen im Netz und bringt diese in eine Rangfolge. Eine Jury aus 60 Experten kürt schließlich die Sieger. Neben Geldpreisen gibt es Sachprämien wie eine fünftägige Reise nach Kalifornien zu gewinnen (www.gruender-garage.de).
Gründerkultur bei Google
„Gründen ist tief in der Kultur von Google verankert“, sagte Philipp Justus, Deutschland-Chef des Suchmaschinenkonzerns. Dieser verstehe sich selbst als Start-up und unterstütze Gründertum in insgesamt 70 Initiativen. Zuletzt hatte Google den Start eines Wagniskapitalfonds für Europa in Höhe von zunächst 100 Millionen Euro bekanntgegeben.
Auch Anders-Sundt Jensen, Kommunikationschef der Volkswagen AG, sprach sich für mehr Start-up-Kultur aus. „Wohlstand macht satt und träge“, kritisierte er den noch schwach ausgeprägten Gründergeist. Zum Glück ändere sich das rasend schnell. „Wir wollen das gemeinsam unterstützen, Neugier und Dialog in Gang setzen“, sagte Jensen. Volkswagen sei immer aus der Suche nach neuen Ideen für Innovationen .
Post-it und andere Erfindungen bei 3M
3M hat nicht nur die Post-it-Klebezettel und den Overhead-Projektor erfunden, sondern 80.000 weitere Produkte unter anderem für die Bergbau-Industrie im Angebot. Der Wagniskapitalarm des Konzerns ist seit sechs Jahren in der Start-up-Finanzierung unterwegs und will nun auch das Berliner Ecosystem anfeuern, wie Thomas Andrae, Direktor von 3M New Ventures, sagte.
Er setzt auf Synergien zwischen Unternehmen. 3M habe eine Ausrüstung für Minenarbeiter entwickelt und mit der Allianz bessere Versicherungskonditionen für die Arbeiter, die sie tragen, ausgehandelt.
Stefan Ramsthaler, Manager des Allianz Digital Accelerator, hofft, dass die Gründer-Garage interessante Impulse setzt für Ideen zu modernen Lebenskonzepten, der Urbanisierung und zu den Herausforderung durch den demografischen Wandel in der Gesellschaft.
Mitfahrgelegenheit fürs Abendessen
Als Kronzeugin für den Nutzen der Gründer-Garage stellte Rebecca Kopiecki ihr Start-up Supperclubbing vor. Die Online-Plattform ist ein soziales Essensnetzwerk.
Nutzer bieten freie Plätze am Esstisch an. Wer Leute kennen lernen und etwas Gutes essen will, lädt sich ein. „Das ist eine Art Mitfahrgelegenheit zum Essen“, sagt sie. Entstanden ist die Idee 2012 in der ersten Gründer-Garage.

