3D-Karten

Nokia schickt Kameras und Laser-Scanner auf Berliner Straßen

Nach Google und Microsoft filmt jetzt auch Nokia Straßenansichten von Berlin. Wer mit der Veröffentlichung seiner Fassade im Netz nicht einverstanden ist, kann Widerspruch einlegen.

Foto: Here

Als der Internetkonzern Google 2010 Kamerawagen auf die Straßen deutscher Großstädte schickte um Fassaden zu fotografieren, war die Aufregung groß. Bürger protestierten gegen den neuen Onlinedienst Streetview. Nokia hat nun einen ähnlichen Plan. Das finnische Unternehmen hat aber aus Googles PR-Desaster gelernt und informiert deshalb vorab.

Nokia will mit den Kamerafahrten seine digitalen Straßenkarten aktualisieren. Die Karten werden in Navigationsgeräten benutzt. Die Straßenansichten sollen auch im Internet gezeigt werden. Nokia weist darauf hin, dass Personen und Autokennzeichen auf den Fotos unkenntlich gemacht werden. Geplant ist, das Material frühestens sechs Monate nach der Datenerhebung zu veröffentlichen.

Die Kamerafahrten erfolgen mit Fahrzeugen von Nokias niederländischer Tochter „Here Europe“, die für Navigationsanwendungen des Unternehmens zuständig ist. Auf den Fahrzeugen wird das Logo des Unternehmens zu sehen sein.

Widerspruch per E-Mail möglich

Wer mit der Veröffentlichung seiner Hausfassade nicht einverstanden ist, hat jetzt die Möglichkeit, per E-Mail (privacy@here.com) oder Brief (Nokia Corporation, Karakaari 7, 02610 Espoo, Finnland) Widerspruch in deutscher Sprache einzulegen. Das teilte der Berliner Datenschutzbeauftragte mit, der vorab über den Plan von Nokia informiert worden ist.

Für die Datenverarbeitung sei das finnische Datenschutzrecht maßgeblich, heißt es in der Mitteilung. Betroffene hätten ähnliche Rechte wie nach dem Bundesdatenschutzgesetz.

3D-Modell der Stadt geplant

„Digitale Karten beruhen auf 80.000 unterschiedlichen Quellen“, erläutert Here-Sprecher Sebastian Kurme. Eine solche Quelle sei, Straßen mit Autos abzufahren. „Das machen wir schon länger. Wir haben aber unsere Technologie verfeinert“. Die neueste Generation der Aufnahmewagen erstellt mit Kameras Fotoaufnahmen. Ferner werden die Gebäude mit der neuen Laser-Technologie Lidar gescannt, so dass ein präzises 3D-Modell der Städte entsteht.

Wie Kurme sagte, will sich Nokia auf die Innenstadt konzentrieren und nicht – wie vor vier Jahren Google – alle Nebenstraßen abfotografieren. Straßenbilder von London und San Francisco sind bereits im Netz verfügbar.

Hinweise für Fahrer werden intuitiver

„Es geht uns unter anderem auch darum, Informationen zu Straßenbeschilderungen, Ampeln und weiteren Orientierungspunkten aufzunehmen“, sagt Sebastian Kurme. Geschwindigkeits- oder Gewichtsbeschränkungen und Einbahnstraßen seien von großer Bedeutung für Karten- und Navigationssoftware insgesamt. „Je präziser die Informationen sind, desto stärker können wir bereits existierende Dienste weiter verbessern.“ Mit diesen Informationen werde es dann zum Beispiel unter anderem auch möglich sein, bei der sprachgeführten Navigation intuitivere und praxisorientierte Hinweise in Form von bildlichen Hinweisen zu geben, wie es sonst nur ein Mitfahrer tun könnte. Also statt „in einhundert Metern links abbiegen“ „an der nächsten Tankstelle links abbiegen.

Here hat seinen größten Standort in Berlin-Mitte, wo 600 Experten – darunter viele Kartographen – an den Navigationslösungen des Unternehmens arbeiten.