Start-ups

Wie die Investitionsbank Innovation in Berlin ermöglicht

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Jürgen Stüber

Foto: ECF

Berlin ist neben Bayern wichtigster Innovationsstandort für Technologieunternehmen in Deutschland. Mehr als jede fünfte Beteiligung in Start-ups findet in der Hauptstadt statt.

Das Land Berlin will bis zum Jahr 2020 Fördermittel in Höhe von 100 Millionen Euro für technologische Start-ups bereitstellen. Die Hälfte davon stammt aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung. Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) begründete die Investitionen mit Innovationen in der Technologiebranche sowie in der Kreativwirtschaft, die Wachstum und damit Arbeitsplätze schaffen. „Mit diesen bewährten Fondsmodellen wollen wir jetzt noch intensiver Berliner Unternehmern den Weg zum Erfolg ebnen“, sagte Yzer bei der Jahres-Pressekonferenz der Beteiligungsgesellschaft der Investitionsbank Berlin (IBB).

Die Senatorin erwartet, dass das Landes-Engagement die siebenfache Summe an Privatgeldern auslösen wird. „Die Neuauflage der Fonds mit frischem Kapital ist eine gute Nachricht für die Gründerszene, für private Wagniskapitalgeber und auch für das Land Berlin“, so die Senatorin. Yzer hatte auf der Wirtschaftsministerkonferenz eine Wagniskapital-Initiative angeschoben. Damit wollen die Länder Druck auf die Bundesregierung ausüben, Investoren steuerlich und rechtlich zu erleichtern.

Berlin ist neben Bayern die wichtigste Region für die Investition in technologische Innovationen in Deutschland. 22 Prozent der Beteiligungen in Technologieunternehmen entfallen auf Berlin, 23 Prozent auf Bayern und 13 Prozent auf Nordrhein-Westfalen. Die restlichen 42 Prozent der knapp 600 Beteiligungen teilen sich die anderen Bundesländer.

12,6 Millionen Euro investiert

Die Beteiligungsgesellschaft der IBB hat im Geschäftsjahr 2013 bei 50 Transaktionen 12,6 Millionen Euro in Berliner Technologieunternehmen investiert. Das sind zwei Investments oder 0,5 Millionen Euro mehr als im vergangenen Jahr. Unterdeassen hat das Land Berlin Fördermittel in Höhe von 100 Millionen Euro für die nächsten sechs Jahre zugesagt, mit denen innovative Unternehmen unterstützt werden sollen.

An den Finanzierungsrunden des vergangenen Geschäftsjahres waren neben der IBB weitere Investoren beteiligt – darunter Holtzbrinck Ventures, Wellington Partners, Creathor Ventures und Earlybird. Dadurch floss Berliner Unternehmen Beteiligungskapital von mehr als 91 Millionen Euro zu – knapp ein Drittel mehr als im Jahr 2012 (63 Millionen Euro). Damit wurde das höchste Finanzierungsergebnis seit 2008 erreicht. Seit dem Gründungsjahr 1997 konnte Berliner Unternehmen Kapital in Höhe von gut 940 Millionen Euro zugeführt werden – und das bei Eigeninvestitionen von „nur“ 128 Millionen Euro.

39 Folgeinvestments standen im Mittelpunkt des Geschäftsjahres. Hier wurden acht Millionen Euro investiert. Bei Neuinvestitionen erhielten elf Unternehmen aus IBB-Fonds 4,6 Millionen Euro. Mit 50 Transaktionen im Geschäftsjahr zählte die IBB damit nach eigenen Angaben zu den aktivsten Venture Capital Investoren in Deutschland.

2000 Mitarbeiter in Portfoliofirmen

„Unser Beteiligungsportfolio umfasst 75 Unternehmen, die zusammen mehr als 2000 Mitarbeiter beschäftigen und auf einen Jahresumsatz von mehr als 200 Millionen Euro kommen“, sagte Marco Zeller, einer der IBB-Geschäftsführer. Der Umsatz dieser Firmen sei im Vergleich zum Vorjahr um mehr als ein Viertel und die Beschäftigtenzahl um mehr als 16 Prozent angewachsen. „Das Interesse von internationalen Investoren und Gründerteams an Berlin ist nach wie vor beeindruckend“, sagte Zeller.

Die IBB Beteiligungsgesellschaft verfügt über zwei aktive Fonds, den Technologie- und den Kreativfonds. 21 der 50 Transaktionen entfielen mit 7,6 Millionen Euro auf den Technologiefonds und 28 mit rund fünf Millionen Euro auf den Kreativfonds. Insgesamt waren die Fonds für die Förderperiode 2007 bis 2013 mit 82 Millionen Euro Kapital von der öffentlichen Hand (inklusive Fördermittel der Europäischen Union) ausgestattet worden. Das neue Geschäftsjahr sei mit 25 Transaktionen bereits sehr dynamisch angelaufen, sagte Roger Bendisch, ein Geschäftsführer der IBB Beteiligungsgesellschaft.

Als Muster-Start-ups präsentierte die IBB die Berliner Unternehmen ECF Farmsystems und MachtFit. ECF plant dezentrale Farmsysteme aus Fischzucht und Gewächshäusern. Damit sollen nachhaltig Lebensmittel erzeugt werden. Der Bauantrag für die erste Berliner Farm wurde bereits eingereicht. MachtFit ist eine Service-Plattform für die betriebliche Gesundheitsförderung.