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Studie zeigt einen neuen Rekord im Onlinehandel

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Jürgen Stüber

Foto: Bodo Marks / dpa

Der Umsatz im interaktiven Handel stieg von 2009 bis 2013 um 19,2 auf 48,3 Milliarden Euro, so eine aktuelle Branchenstudie. Die Quote der Retouren sinkt und soziale Netzwerke werden immer wichtiger.

Das Geschäftsklima des interaktiven Handels in Deutschland ist positiver als in der Gesamtwirtschaft. Das geht aus der am Dienstag in Berlin vorgelegten Händlerstudie des Bundesverbandes E-Commerce (BEVH) und der Creditreform hervor. Dazu wurden 135 Händler in Tiefeninterviews befragt, wie sich die Situation aktuell gestaltet und wie der Blick in die Zukunft aussieht. Alle Basisindikatoren (Auftragslage, Umsatz, Ertrag und Personalbestand) verzeichnen positivere Werte als im Vorjahr. Auch die Erwartungen für die nächsten Monate sind weiterhin steigend.

„Der interaktive Handel bleibt auch weiterhin in einem Konjunkturboom“, sagte Christoph Wenk-Fischer, der Hauptgeschäftsführer des BEVH. „Die Auftragsbücher sind gut gefüllt, und es herrscht hohe Investitionsbereitschaft.“ So stieg der Umsatz im interaktiven Handel von 2009 bis 2013 um 19,2 auf 48,3 Milliarden Euro. Ein weiteres Umsatzplus von 4,4 Milliarden Euro wurde bei den digital erbrachten Dienstleistungen verzeichnet. Die Zahl der Firmen stieg um 14,5 Prozent, während gleichzeitig die Zahl der Unternehmen gesamtwirtschaftlich um 3,6 Prozent sank. Bei den Beschäftigten wurde ein Plus von 5,8 Prozent auf 80.800 erzielt.

Von den befragten Onlinehändlern erwarten 76 Prozent steigende Auftragszahlen, 78 Prozent mehr Umsatz, 64 Prozent wachsenden Gewinn und 36 Prozent höhere Beschäftigtenzahlen. Diese Einschätzungen sind zum Teil doppelt so hoch wie in der gesamten Wirtschaft.

Händlermehrheit gibt Noten Eins und Zwei

Die künftige Geschäftslage wird von 66 Prozent der Onlinehändler in der Rückschau als sehr gut bis gut, von 29 Prozent befriedigend oder ausreichend und von fünf Prozent als mangelhaft oder ungenügend bezeichnet. 75 Prozent erwarten künftig eine gute bis sehr gute Geschäftsentwicklung. „Das ist die beste Stimmung seit zwei Jahren im interaktiver Handel“, sagte Wenk-Fischer.

Facebook, Google+ und YouTube verhelfen den interaktiven Händlern zur Steigerung ihres Bekanntheitsgrades. Social Media sei aber eher ein Kommunikationskanal als ein Kanal zur direkten Umsatzsteigerung, sagte Wenk-Fischer. Inzwischzen nutzen 81 Prozent der Onlinehändler soziale Netzwerke (Vorjahr 70 Prozent).

Die Internationalisierung des interaktiven Handels erreicht laut BEVH „ein beachtliches Niveau“. Acht von zehn Händlern haben bereits ins Ausland geliefert. Österreich, die Schweiz und Frankreich sind die Hauptabsatzmärkte.

Marktforscher sehen sinkende Retourenquoten

Die Studie zeigt eine sinkende Retourenquote. Nur noch jedes sechste Unternehmen melde steigende Rücksendungen. 70 Prozent der Händler sprechen in der Rückschau eine gleich bleibende Retourenquote. 77 Prozent erwarten das für die Zukunft. Der Verband erwartet, dass 59 Prozent der Händler die Kosten für Retouren nicht an ihre Endkunden weitergeben werden. „Kein Unternehmen wird so wahnsinnig sein und seinen Kunden diese Kosten auferlegen“, vermutet Wenk-Fischer. Allerdings werde es wichtig, Missbrauch einzudämmen. Retouren gehören nach Wenk-Fischers Worten zum Onlinegeschäft.

Die Zufriedenheit der Kunden mit der Logistik des Onlinehandels habe massiv zugenommen, sagte der Verbandchef. „Die Logistiker sind die Visitenkarte des Händlers.“ Hier habe sich einiges getan. Zur Zukunft sagte Wenk-Fischer, der Onlinehandel mit Lebensmitteln werde an Bedeutung gewinnen. Ferner sieht er Augmented Reality – erweiterte Realitäten – als Zukunftstrend beispielsweise im Online-Möbelhandel. Mit Hilfe entsprechender Apps für Tablets können neue Möbelstücke in Aufnahmen einer Wohnung projiziert werden.

50 Prozent des Onlinehandels machen Marktplätze wie Amazon oder Ebay aus. „Daneben besetzen viele erfolgreiche und auch regionale Kleinhändler Nischen“, sagte Christoph Wenk-Fischer. Er sprach sich ferner für eine geänderte Ausbildungsordnung aus, damit junge Menschen in Online-Handelshäusern einen anerkannten Beruf lernen können.