Der Roboter hat Insektenbeine bekommen, einen neuen Namen und Hunderte Unterstützer. TinkerBots heißt der vom Berliner Start-up Kinematics entwickelte Robotik-Baukasten künftig. Jetzt haben die Gründer damit begonnen, im Internet Kapital für ihr Projekt zu sammeln und erste Kunden zu gewinnen. Dazu haben sie auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo eine Kampagne gestartet.

Das Netz ist ein idealer Ort zum Sammeln von Geld. Indiegogo hat 2008 damit begonnen und im vergangenen Jahr seinen Umsatz verdoppelt, wie die Auslandschefin des Unternehmens, Liz Wald, am Dienstag in Berlin sagte. Konkretere Zahlen will sie nicht nennen. Doch Unternehmensgründer Slava Rubin hatte kürzlich von Wochenumsätzen in Millionenhöhe gesprochen.

Deutschland ist für Indiegogo dabei der wichtigste Markt außerhalb der USA. Deshalb hat das Unternehmen mit dem Aufbau eines in Berlin und München stationierten Teams begonnen, das für diese Form des Investments die Werbetrommel rühren und Kontakte zur Berliner Gründerszene pflegen soll. „Der Standort Berlin ist für uns besonders wichtig, weil hier viele Künstler und Unternehmensgründer dicht beieinander leben.“

Produkte zum Vorzugspreis

Private Investoren unterstützen beim Crowdfunding Projekte mit Kapital. Dabei kann es sich um Kunstprojekte handeln, Wohltätigkeitsaktionen oder neue Produkte von Technologie-Start-ups. Die Unterstützer erhalten als Gegenleistung für ihr Investment das ausgewählte Produkt zum Vorzugspreis vor dem offiziellen Verkaufsstart.

Lange Zeit war das Crowdfunding eine Domäne von US-Unternehmen wie Indiegogo und Kickstarter. Doch langsam wird diese Form des Investments auch auch in Deutschland populär. Nach ersten Erfolgen wie beispielsweise dem durch den Internetschwarm finanzierten Stromberg-Film ließ das Misstrauen der Verbraucher nach und die Bereitschaft zu Investments stieg.

Investoren kaufen Beteiligungen

Bei der in Deutschland verbreiteten Sonderform des Crowdfunding, dem Crowdinvestment, erwerben die Kapitalgeber Unternehmensanteile in Form von stillen Beteiligungen oder Aktien. Das Unternehmen Seedmatch hat damit im September 2009 begonnen, Bergfürst folgte Ende 2011 und Companisto im Juni 2012. Seedmatch bezeichnet sich mit einem Investitonsvolumen von 12,5 Millionen Euro im Jahr 2013 selbst als Marktführer. Für mehr als 50 Start-ups wurden seit der Gründung Kapital gesammelt. Mehr als 24.000 Investoren beteiligten sich an den Kampagnen.

Companisto beziffert sein Investitionsvolumen mit fünf Millionen Euro, verteilt auf 29 Start-ups und knapp 16.000 Geldgeber. Bergfürst platzierte erst eine Kampagne mit einem Volumen von drei Millionen Euro am Markt. Zum Vergleich: Der US-Investor Kickstarter sammelte seit seinem Start vor genau fünf Jahren für 59.000 Projekte mehr als eine Milliarde Dollar (724 Millionen Euro) bei mehr als sechs Millionen Unterstützern ein.

Kapital für Robotik-Baukasten

TinkerBots ist ein Robotik-Spielzeug, der aus Bausteinen mit unterschiedlicher Formen und Funktionen besteht. Sie können ohne Kabelverbindungen mit wenigen Handgriffen zu beweglichen Maschinen, Fahrzeugen oder Figuren zusammengesteckt werden. Die Spielroboter können Bewegungen lernen. Dazu sind keine Programmierkenntnisse erforderlich. Es genügt, den zusammengebauten Roboter in die gewünschten Richtungen zu bewegen. Die Maschine speichert diese Informationen und führt sie anschließend beliebig oft aus. Ferner ist die Steuerung über einen Tablet-PC möglich.

Die Figuren können mit Lego-Bausteinen ergänzt werden. Zuletzt wurden ein Greifarm, ein Helligkeits- und ein Bewegungssensor in das System integriert. Als weitere Ausbaustufen sind Photovoltaikzellen und Mini-Generatoren geplant, welche die Roboter mit Energie versorgen. Ferner ist eine Flugdrohne mit vier Propellern (Quadrocopter) in Vorbereitung.

US-Markt im Blick

TinkerBots-Gründer Matthias Bürger denkt global und entschied sich deshalb für Indiegogo als Crowdfunding-Dienstleister. „Wir wollen mit TinkerBots den US-Markt erreichen“, sagt er. Soweit man das bereits am fünften Kampagnentag beurteilen kann, scheint der Plan aufzugehen. „Die meisten Unterstützer stammen bislang aus den USA“, sagt Bürger. Mehr als 70.000 Dollar wurden bereits in das Projekt investiert.

Bürger zog das Crowdfunding der Finanzierung durch einen Risikokapitalgeber vor, zumal das Unternehmer erst vor zwei Monaten eine Finanzierungsrunde über seinen siebenstelligen Betrag abgeschlossen hat. Das Start-up will vor allem einen neuen Markt erschließen und sucht den Kontakt zu Kunden. „Wir erhalten von unseren Unterstützern viel Feedback“, sagt Bürger. So könne der Robotikbaukasten den Wünschen der Verbraucher angepasst werden. Das Unternehmen erfährt, welche Funktionen besonders gefragt sind.

„Die Nutzergemeinschaft, die sich um ein Produkt herum bildet, hat bei Indiegogo eine hohe Bedeutung“, sagt Liz Wald. Unterstützer erhalten einen Newsletter und kehren dann immer wieder zu der Plattform zurück, um in neue Projekte zu investieren.

Rekordergebnis für Ballkamera

Crowdfunding scheint zur Zeit für solche Start-ups besonders interessant, die Produkte für das Internet der Dinge entwickeln: Das Berliner Start-up Panono etwa sammelte für seine gleichnamige Panorama-Wurfkamera auf der Plattform Indiegogo im Januar 2014 insgesamt 1,1 Millionen Dollar (800.000 Euro) ein und stellte damit einen Rekord auf. Das Berliner Projekt Bonaverde erhielt für seinen Kaffeeröst-Automaten und die damit verknüpfte faire Handelsplattform mehr als 100.000 Dollar.

Auch Matthias Bürger erwartet einen positiven Verlauf seiner Kampagne. Danach soll die industrielle Produktion der Robotik-Bauteile beginnen. „Wir haben unterschiedliche Szenarien – je nachdem, wie viel Geld wir einnehmen. Bis Weihnachten wollen wir dann die TinkerBots ausliefern“, sagt Bürger.