Das Startup Stamplay hat den Preis des Start-up-Events hy! demo gewonnen. Er umfasst Google-Cloud-Services im Wert von 20.000 Euro. Die Zweit- und Drittplatzierten Brightup und Talentry erhalten kostenfreie Arbeitsplätze für drei Monate im Betahaus. Beste Acceleratoren wurden hub:raum, Seedcamp (2) und ProSiebenSat1 (3). Mit Stamplay lassen sich intuitiv Web-Apps programmieren. Brightup hat ein Lichtautomatisierungssystem entwickelt. Talentry ist eine Anwendung für Personal-Recruiting.

Die hy! demo war mit einem neuen Konzept angetreten. Die Veranstaltung erweiterte ihren traditionellen Berliner Fokus in Richtung Europa. „Wir wollen uns einen Überblick darüber verschaffen, was in Europa passiert und einen kritischen Blick auf die Acceleratorenlandschaft werfen“, sagte Aydogan Ali Schosswald, der Gründer der Veranstaltung bei ihrer Eröffnung.

Die hy! (an der Axel Springer beteiligt ist) fand nun bereits zum vierten Mal statt und erfindet sich bei jeder Veranstaltung neu. Nachdem die Veranstaltung drei Mal im Friedrichshainer Radialsystem über die Bühne gegangen war, wählten die Gründer nun das stillgelegte Weddinger Hallenbad, das sich als Kunst- und Party-Location in der Berliner Szene einen Namen gemacht hat, als Veranstaltungsort aus. Aus den Schwimmbecken wurden Auditorien und Präsentationsflächen. Dort sollten die Besucher – um im Bild zu bleiben – in die Start-up-Szene eintauchen.

24 Start-ups aus acht europäischen Accelerator-Programmen präsentierten sich am Sonnabend auf der Bühne. Bei Acceleratoren handelt es sich um meist mehrmonatige Angebote für Start-ups, bei denen sie Arbeitsplätze, den Rat erfahrener Mentoren und Startkapital erhalten, damit sie ihre Ideen entwickeln können. Die Gründer präsentieren nach dem Ablauf der Programme bei sogenannten Demo Days ihre Arbeit und werben um Investoren.

Berlin Hardware Accelerator schickte „Luuv“ auf die Bühne

Jeder Accelerator brachte drei Gründerteams mit, die dem Publikum ihre Projekte präsentierten. TechStars und Seedcamp aus London, die Start-up-Sauna aus Finnland sowie das Startupbootcamp, das in mehreren europäischen Metropolen vertreten ist. Aus Berlin kamen drei Acceleratoren: der Berlin Hardware Accelerator, hub:raum (Deutsche Telekom) und Plug&Play (Axel Springer). Auch der Accelerator des Privatsenders Pro7Sat1 aus München war dabei.

Mit TechStars hatten die Veranstalter eines der weltweit traditionsreichsten Programme nach Berlin geholt. 2006 in Colorado (USA) gegründet, kann TechStars auf 28 Exits seiner Teams zurückblicken – wie die profitablen Verkäufe der jungen Unternehmen genannt werden. TechStars hatte unter anderem „Peerby“ ausgesucht. Diese Plattform ist aus der Idee der Ökonomie des Teilens entstanden. Nachbarn tauschen Geräte, anstatt sie selbst zu kaufen. „Man gibt viel Geld für Produkte aus, die man nur ein oder zwei Mal im Leben braucht“, erläuterte Gründer Daan Weddepohl die Idee seiner Erfindung. In Amsterdam sei die Plattform bereits sehr erfolgreich, sagte er. Man brauche nur eine halbe Stunde, um zum Beispiel ein Elektrowerkzeug zu finden.

Der Berlin Hardware Accelerator schickte unter anderem „Luuv“ auf die Bühne. Dieses Start-up hat ein Schwebestativ für Smartphone-Kameras entwickelt. Skate- und Snowboarder können wackelfreie Bilder selbst bei abenteuerlichen Kamerafahrten machen. Das Gehäuse des keulenförmigen Handstativs stammt aus dem 3-D-Drucker. Im Inneren verbirgt sich eine komplizierte Mechanik mit Gegengewichten. Das Start-up will im Frühjahr eine Crowdfunding-Kampagne starten, damit sie das Gerät zur Marktreife entwickeln kann.

Neue App hilft bei der Vorbereitung von Klausuren

CloudYourCar, ein aus Polen stammendes Team des Hardware Accelerators, ermöglicht es, die Bewegung eines Autos zu verfolgen und das Flottenmanagement zu optimieren. Das Gerät wird an die Autosteckdose angeschlossen und kann die Bewegung des Fahrzeugs zehn Tage lang aufzeichnen.

„qLearning“, eine Gründung aus dem hub:raum-Accelerator der Telekom, hilft bei der Vorbereitung von Klausuren. Die App erfreut sich an mehreren Universitäten zunehmender Beliebtheit. Ferner schickte die Telekom Goderma ins Rennen, eine Gesundheits-App, mit der Patienten Hautveränderungen fotografieren und von Fachärzten begutachten lassen können. Vigour.io ermöglicht es, Videos per Internet-Cloud von einem Gerät zum anderen zu senden.

Aus Finnland kommt eine interessante Lösung für Webentwickler. Die Start-up-Sauna stellte mit Track Duck ein Programm vor, mit dem Auftraggeber ihren Programmierern ein visuelles Feedback geben können. FastR will das Lesen von Büchern beschleunigen. Die App eignet sich als Lesetrainer und Online-Buchladen gleichermaßen.

Pro7Sat1 brachte seinen Robotic-Baukasten mit

Alex Farcet, der das Startupbootcamp 2010 in Kopenhagen gegründet hat, präsentierte Avuba, nach eigenen Angaben „das Girokonto für Digital Natives“. Mit der App lässt sich ohne PIN oder TAN Geld überweisen. Ein Analysewerkzeug zeigt dem Kontoinhaber seine Geldbewegungen an. Reccy, eine weitere Bootcamp-Gründung, zeigt Fotografen und Filmemachern interessante Locations an. Flux ist eine Plattform, mit der sich Kurznachrichten aus unterschiedlichen Quellen an einem Ort darstellen lassen.

Papayer bietet eine Prepaid-Kreditkarte für Jugendliche an. Sie sollen mit der App den Umgang mit „Plastikgeld“ lernen. Das Start-up stammt aus dem Accelerator Axel Springer Plug and Play. Von dort kamen auch Asuum und Jobspotting zur hy! demo. Mit Asuum lassen sich redaktionelle Internetinhalte monetarisieren. Jobspotting soll ein Karrierenetzwerk werden, das auf Empfehlungen basiert.

Das Start-up Kinematics aus dem Accelerator des Senders Pro7Sat1 hatte seinen Robotic-Baukasten mitgebracht. Bauelemente lassen sich beliebig zusammenstecken und per App programmieren. Talentry ist eine Anwendung für Personal-Recruiting, Tvib ein Echtzeit-Monitor für Einschaltquoten.

Am Sonntag folgt die „hy! 150“

Seedcamp aus London schickte Buzztale ins Rennen. Mit der Anwendung lassen sich Fotogeschichten von Ereignissen erzählen. Satago ist eine Art Schufa auf der Basis eines sozialen Netzwerks. Freiberufler berichten sich gegenseitig über die Zahlungsmoral ihrer Auftraggeber. Und mit Stamplay lassen sich intuitiv Web-Apps programmieren.

Die hy! besteht traditionell aus zwei Teilen. Nach der öffentlichen hy!-Demo, bei der Gründer ihre Ideen präsentierten, folgt am Sonntag die geschlossene Veranstaltung „hy! 150“. Dort haben Entrepreneure die Gelegenheit, mit Business Angels und Wagniskaptalgebern diskret zusammenzutreffen. Die Gründer von YouTube, Shazam, Uber, Wooga, Reddit, Eventbrite und Kickstarter zählten bereits zu den Teilnehmern.