Die Kundenkarte hat ausgedient, jedenfalls, wenn es nach Gründern wie Oliver Diekmann geht. Er bringt gerade die Kundenkarte 2.0 auf den Markt, beziehungsweise auf eine App. Dazu nutzen er und einige Mitbewerber die neue Smartphone-Technologie iBeacon.

Das i zeigt an, dass sie von Apple entwickelt wurde und der Begriff Beacon heißt übersetzt Leuchtfeuer. Der Kunde der Zukunft hat auf seinem Smartphone zum Beispiel die ShopNow-App installiert. Er betritt den Laden eines teilnehmenden Einzelhändlers und die App schreibt ihm dafür Bonuspunkte gut – so genannte Sterne. Dann sieht er auf dem Bildschirm eine Übersicht der Produkte, mit denen er weitere Sterne sammeln kann. Dazu scannt er mit der App die Strichcodes auf dem Preisschild der Produkte ein und sieht sofort die Sterne-Gutschrift. Diese Sterne kann der Kunde später gegen Sachprämien oder Gutscheine einlösen.

Sammeln von digitalen Bonuspunkten

Ein kleines technisches Gerät, das der Einzelhändler in seinem Laden installiert hat, ermöglicht das Sammeln der digitalen Bonuspunkte. Und an diesem Punkt kommt das „Leuchtfeuer“ ins Spiel: Denn diese Hardware enthält einen Sender, der per Bluetooth 4.0 (siehe Infokasten) immerzu ihren Identifikationscode (ID) sendet.

Diese ID wird von einem Smartphone in der Nähe empfangen und via Internet an einen Server gesendet, der anhand der ID den Standort des iBeacon erkennt. Der Server spielt sekundenschnell die aktuellen Sonderangebote des Ladens an das Telefon zurück, so dass sie dort angezeigt werden können. Umgekehrt werden die Punkte des Kunden wieder an den Server gesendet und auch die Informationen, was er sich wo angesehen hat.

Cineplex-Kinos sowie die Modehändler Hallhuber und Witty Knitters in Berlin und Hamburg nutzen bereits die ShopNow-App. Gespräche mit einem Baumarkt, einem in Deutschland führenden Schuhhändler und weiteren Einzelhändlern laufen. Kunden, die die Technologie nutzen wollen, müssen die ShopNow-App auf ihrem Smartphone (iOS oder Android) installieren.

Die alte Kundenkarte hat bald ausgedient

Eine vergleichbare Technologie bietet das Hamburger Start-up Yoints des Serienerfinders Sarik Weber an. Dieses Unternehmen steht wie ShopNow noch am Anfang seiner Entwicklung und hat bislang nur die norddeutsche Drogeriekette Budnikowsky unter Vertrag, wo auch Bonuspunkte gesammelt werden können.

Diekmann ist davon überzeugt, dass sich die alte Bonus- oder Payback-Karte überlebt hat. „Bei diesen Karten dauert es zu lange, bis ein Karteninhaber genug Punkte für eine Prämie gesammelt hat“, sagt er. ShopNow dagegen biete kleine Prämien, die schnell erreicht werden könnten. Hinzu kommt das spielerische Moment, indem die App den Trieb des Punktesammlers und Schnäppchenjägers anspricht.

Das Sammeln von Bonuspunkten ist nur eines von vielen Szenarien für die iBeacon-Technologie, die mit der Einführung des neuen iPhone-Betriebssystems iOS7 im September 2013 möglich wurde. Nahezu jede App kann mit einer Software für die iBeacon-Technologie aufgerüstet werden. Denn iBeacon kann noch viel mehr.

Händler erhalten ein sehr genaues Analyseprogramm

Ein weiterer Anwendungsfall ist die Navigation in Innenräumen. Sie war bislang nur eingeschränkt möglich, weil GPS-Signale Betondecken nicht durchdringen können und WLAN-Ortung in Räumen relativ ungenau ist. iBeacon-Sender in Einkaufszentren, Messehallen oder Bahnhöfen können Positionssignale an die Smartphones der Besucher senden. Entsprechend programmierte Apps übermitteln Smartphonenutzern ortsbasierte Informationen.

Das Berliner Start-up Sensorberg hat dafür Lösungen entwickelt. Sensorberg sorgt für die universelle Infrastruktur, handelt mit der Hardware und hat eine Software entwickelt, mit der Eigentümer ihre iBeacons konfigurieren und nutzen können. ShopNow und Yoints dagegen verdienen ihr Geld mit Kundenbindung durch ihre digitale Bonuskarte und dem Sammeln von Kundendaten. So erfährt der Händler mit einem Analyseprogramm sehr genau, wie oft der Kunde wiederkommt und was seine Vorlieben sind.

Im Fall der Innennavigation sähe das dann so aus, dass sich der Eigentümer des iBeacons auf Sensorberg einloggt und in der Software Nachrichten hinterlegt, die Besucher später auf ihren Smartphones sehen können. Das können Daten aller Art sein – ein Begrüßungstext, ein Lageplan, Produktinformationen, Bilddateien wie ein Coupon oder Videos. „Wir verknüpfen iBeacon mit hinterlegten Websites“, fasst Sensorberg-Gründer Alexander Oelling sein Konzept zusammen. „Der Käufer bestimmt den Inhalt.“

Nutzung der Technologie muss zum Kontext passen

Dabei sieht sich Sensorberg als lokaler Dienstleister, nicht als Werbetreibender. Passanten beispielsweise ungefragt Coupons zu senden, werde nicht funktionieren. Der Kunde muss einen Mehrwert erkennen. „Bahnreisende könnten beispielsweise über eine per iBeacon gesteuerte App auf dem Bahnhof erfahren, auf welchem Gleis ihr Zug abfährt, ob er verspätet ist und wo die Wagen der ersten Klasse stehen. Die Nutzung der Technologie muss zum Kontext passen, in der sich der Nutzer befindet“, sagt Oelling. Denkbar sind auch Szenarien wie das App-gesteuerte Öffnen von Türen und vieles mehr.

Die iBeacon-Technologie boomt. „Kunden überrennen uns“, sagt Oelling. Er spricht von einer Revolution. Mittlerweise sei die Nachfrage so hoch, dass die Lieferfrist für die Hardware-Komponenten auf drei Monate gestiegen sei.